Morgens halb 9 in der U-Bahn…

Dass Kinder laut sind und verspielt sind und sich nicht wie Erwachsene hinsetzen und was lesen ist ja soweit in Ordnung bzw. eben erwartbar, sind halt Kinder.

Schön aber immer wieder die jeweiligen Betreuer bzw. ihre Versuche die anderen U-Bahn-Insassen zu quälen.
Mir fallen auf Anhieb mindestens zwei legendäre Varianten dazu ein.

Die Singstars:

„Jetzt singen wir gemeinsam ein Lied“…

In der U-Bahn.
Ja, alle anderen mussten zuhören.
Nein es war nicht schön!

Die Sitzplatzjäger:

„Fragt die Erwachsenen doch ob ihr ihren Sitzplatz bekommt, die können viel eher während der Fahrt stehen als ihr“

WTF?

Der durchschnittliche Erzieher ignoriert die ihm anvertrauten allerdings schlicht. Das ist für die Mitreisenden vielleicht weniger spektakulär aber mindestens genau so anstrengend.
Geachtet wird eigentlich nur auf Zahlen. Wenn die richtige Anzahl Kinder in der U-Bahn ist, ist alles in Ordnung.

Hat sich da eigentlich schon einmal ein Fremdkind den Spass gemacht und sich dazwischen gestellt? Ich stelle mir das etwa so vor: „21?!? Wieso 21?! Wir haben doch nur 20 Kinder?! Alle wieder raus, ich muss noch mal nachzählen!“.
Vielleicht sollte ich mal eines dafür bezahlen, dann würden die einfach bis zur nächsten U-Bahn warten und ich hätte meine Ruhe…

Das nächste mal auf die kleinen geachtet wird dann beim Aussteigen. Vorzugsweise einmal laut den ganzen Waggon zusammengebrüllt und raus geht’s. Natürlich direkt durch die anderen Mitfahrer. Zwischendurch dürfen die kleinen tun und lassen was sie wollen. Denn die Erzieher müssen ja ihre eigenen kleinen Privatgespräche führen.

Und wagt man es, den Erzieher etwas genervt anzuschauen oder gar höflich zu Fragen ob man vorbei dürfte, bekommt man in der Regel eine Antwort die einem schlicht Kinderfeindlichkeit unterstellt. Man solle sich doch nicht so anstellen (an der Stelle habe ich mich dann ernsthaft gefragt, warum „Könnten Sie mich kurz durch lassen?“ kinderfeindlich ist oder Anstelle…).

Naja, immerhin gibt es auch (leider viel zu wenige) vorbildliche Erzieher: „Kommt Kinder, jetzt überraschen wir hier alle und zeigen denen mal wie leise 26 Kinder sein können“
Was war ich begeistert. Und die Kleinen waren leise. Und ruhig. Und höflich. Es geht also offenbar. Man muss wohl nur wollen.

Pawlowsche Reflexe

Man kann sich natürlich angewidert davon zeigen, dass Menschen als solche auf alles mögliche unreflektiert reagieren, wie Suhjamel schreibt:

„Es widert mich an. Es widert mich an, dass wir – und ich nehme mich davon nicht aus – auf eine Unzahl von Reizen und Eindruecken, welche auf uns einstuermen, reagieren wie ein Rudel pawlowscher Hunde.
Kaum klingelt’s, lachen wir wie auf Befehl, sind wir schockiert, spenden wir, begehren wir.“

Das finde ich zum einen nicht ganz falsch beobachtet, allerdings finde ich eigentlich nicht, dass dies ein Grund ist sich anwidern zu lassen.Einem jedem steht ja erstmal frei, sich selbst zu beobachten und auf bestimmte Dinge eben nicht zu reagieren.Böse gesagt:
Nur weil es klingelt spende ich nicht, bin ich nicht schockiert und eigentlich lache ich auch nicht mehr auf Kommando.
Das mit dem Begehren ist dagegen so eine Sache…
Als Werbeforscher ist man dann doch zu oft damit konfrontiert wie und dass man Menschen da relativ leicht beeinflussen kann.
Gerade wenn es um den Wunsch nach Dingen, Zuständen und Gefühlen geht.

Anyway, ich glaube der Punkt den ich versuche zu machen ist etwa der:
Wer sich beeinflussen lässt, um beim Beispiel zu bleiben, wenn es klingelt, ist ja dank der Möglichkeit zur Reflektion zumindest auch selber Schuld.
Von daher denke ich angekotzt sein ist erstmal das gute Recht jedes einzelnen, aber vielmehr sollte man mal darüber nachdenken warum(!) man eigentlich gerade Betroffen ist, Spendet etc…

Das Terrorismusbedrohungsszenario wäre ja ein ähnliches Beispiel wo plötzlich alle ganz panisch werden.

Und wenn man dann mal distanziert darüber nachdenkt ist alles
gar nicht mehr sooo bedrohlich.
Die pawlowsche Klingel ist nicht mehr so dominant wie man sie eben noch wahrgenommen hat.

Datenschutz

M. sucht eine Wohnung. Eigentlich sucht sie ein WG-Zimmer. Früher blätterte man die Zeitung durch, rief jemanden an, wo es irgendwie „brauchbar“ klang, fuhr vorbei und guckte sich die WG an. Vielleicht lernte man sich noch kennen, jedenfalls wurde dann irgendwann eine Entscheidung gefällt.

Heute sucht M. online:

Also findet sie online eine WG die von Preis und Lage in Frage käme. Mit etwas Glück steht dort bereits der Name des Inserenten (Nennen wir Ihn L.).

Im Anschluss kann sie dann in StudiVZ gucken, wie L. ausschaut, außerdem wer mit L. so befreundet ist. Vielleicht ist L. zudem in irgendwelchen schrägen StudiVZ-Gruppen (chronische Blasenentzündung? Gibt’s sowas auch für Genitalherpes?).

2 Minuten.

Wenn M. jetzt noch Lust hat, gibt Sie den Namen noch mal in Google ein. Dank der Infos aus StudiVZ kann man mögliche Falschfunde teilweise schon ausschließen, und voila, jetzt wissen wir evtl. auch noch wo L. arbeitet, wie lang er dort beschäftigt ist und was er dort eigentlich macht.

Weitere 2 Minuten.

Mir ist bewußt, dass ich mich selber durch das Blog, durch meine
Homepage, durch *alles* was ich im Internet an Spuren hinterlasse
in die Öffentlichkeit begebe, dass jeder der danach sucht all das
was ich so von mir gebe nachlesen kann.

Ich wüßte aber zu gern, ob das den vielen „Standard-Nutzern“ auch so geht. Account bei StudiVZ ist schnell erstellt,
da alle paar Tage mal reinschauen und gut.
Keine großen Gedanken was ich dort angebe.
Keine darüber wer mich sehen könnte.
Ein bis vier Einträge in einem Forum?
Auch schnell geschrieben und sofort wieder vergessen.

Besonders spannend finde ich es dann, wen Menschen die bei StudiVZ drin stehen und ein wirklich schön gepflegtes (sprich ausführliches) Profil ihr eigen nennen auf der anderen Seite sofort laut aufschreien, wenn man sich als Marktforscher outet weil man ja so Profile erstellen würde und das ja böse wäre (weil Datenschutz und so…).

Glashaus? Steine?