Tron II!

Kurz nach dem ich mit dem bloggen angefangen habe, bin ich über Berichte zum Thema Tron II gestolpert. Das ist jetzt fast zwei Jahre her.

Heute bin ich wieder über Tron II gestolpert. In bebildert. Aus einem Gerücht wurde inzwischen deutlich mehr, so dass der Film für 2010 angekündigt ist. Nach wie vor bin ich irgendwie skeptisch.

Ich bin neugierig, wie man in einer Gesellschaft, die sich inzwischen sehr stark mit Computern und Netzwerken beschäftigt hat und – wenigstens zum Teil auskennt –  die Story vom MCP erzählen kann. Ich hoffe und glaube, dass es einige Anpassungen gegeben hat, damit das Szenario aus Tron auch in die Gegenwart passt. Was bleibt ist offenbar auf jeden Fall das „Motorradrennen“, das dem gleichnamigen Spiel zugrundeliegt.

Anyway, der Trailer sieht ziemlich gut aus und macht definitiv Lust auf mehr. Ich bin gespannt, ob ich am Ende enttäuscht werde, aber solang kultiviere ich noch etwas meine Vorfreude. Seht selbst:

Moral, Gentrifizierung und Bessermenschen

Etwas über das ich schon länger immer wieder nachdenke, bzw. wo ich immer wieder drüber stolpere ist das Thema Gentrifizierung. Gentrifizierung meint die soziale Umstrukturierung von Stadtteilen (man könnte auch Yuppisierung sagen).

Also z.B. das, was in Hamburg in der Schanze passiert. Ein Stadtteil mit billigem (meist “minderwertigem”) Wohnraum zieht neben Schlechtverdienern aus den klassischen Milleus auch Menschen an, die zwar kein Geld haben, aber dies in Ihrer Zukunft unter Umständen haben dürften. Studenten. Immer mehr davon. Irgendwann so viele, dass der einst “heruntergekommene” Stadtteil “hip” wird, andere Menschen, meist mit mehr Geld als die Eingeborenen kommen hinzu, ziehen dahin. Die Studenten werden älter, gründen Familien, kriegen Jobs, werden wohlhabend. Der Stadteil passt sich an das neue Publikum an. Aus billigen Kaschemmen werden Designerlokale, aus Tante Ritas Kaffestube wird Starbucks. So ungefähr.

Sowas *passiert*. Das ganze ist in der Stadtentwicklung ein ziemlich normaler Prozeß. Das lässt sich in Hamburg z.B. auch in Ottensen, Eimsbüttel beobachten. Der Prozeß ist allerdings für die Alteingesessenen schmerzhaft, weil sie irgendwann da weg ziehen (müssen), weil sie sich entweder den teurer gewordenen Wohnraum nicht mehr leisten können, oder weil die gewandelte Infrastruktur ihnen keine Möglichkeit mehr gibt auf ihrem “Level” zu konsumieren.
Wer schon mal nen Kaffee bei Starbucks gekauft hat weiß, dass das für Hartz IV Empfänger zum Beispiel mehr Geld ist, als für einen Tag an Essensgeld einplanbar ist.

Wie gesagt, in Hamburg passiert das in den letzten Jahren sehr intensiv im Schanzenviertel. Menschen, die vom Flair des Viertels angezogen werden, ziehen dorthin, ziehen andere Menschen nach sich. Verändern das Flair. Ziehen neue, noch andere Menschen an.

Sowas passiert. Was aber dort anders ist, ist das einige Bewohner und einige, die nur gerne dahin gingen um zu feiern, sich versuchen zu wehren. Denn Schuld sind natürlich “die Anderen”. Schuld sind diejenigen, die besser verdienen und sich bei Starbucks wohlfühlen (ich bleib einfach bei dem Beispiel). Schuld sind die “Werbefuzzis mit ihren iPhones”. Schuld sind natürlich auch die Politik (die es den Werbefuzzis nicht verbietet, in die Schanze zu ziehen) und die Investoren (die glauben mit den Werbefuzzis gut Geld zu verdienen). Vor allem die Investoren die “Szeniges” bauen oder renovieren, was so nicht in die Schanze “gehört”. Weil es für die Zielgruppe Werbefuzzis mit iPhones und nicht für die Zielgruppe abgerissener Punk ohne eigenes Einkommen ist. Ich polemisiere.

Okay, der Meinung sein, dass die doof sind, da nicht hingehören, dass man keinen Starbucks sondern lieber Aldi möchte, alles okay. Was mich daran stört ist aber das allgemeine Vorgehen. Was mich tierisch stört ist die Perspektive auf die Werbefuzzis. Die “die gehören hier nicht her”-Perspektive.

Wer entscheidet das denn? Und mit welchem Recht? Merkt Ihr, die ihr so über die reden, denken, teilweise so handeln, merkt Ihr, dass Ihr genau das macht, was Ihr allen anderen vorwerft? Gerade in der Schanze, die sich als oh so “links” sieht. Gerade dort, wo Nazis zurecht gehasst werden. Weil sie “Ausländer? Die gehören hier nicht her!” denken. Weil Sie Menschen die anders sind, eine andere Kultur haben etc.. Merkt Ihr, dass Ihr Menschen, die eine andere Kultur als Ihr haben (und meist auch mehr Geld) so behandelt? Wie ihr sie behandelt? Blickt das mal. Merkt mal, dass das Menschen sind.

Was wollt Ihr eigentlich? Werberghettos, aus denen die nicht raus dürfen? Statik? Eine Welt, die sich nicht verändert? Schanzen-Eingeborenen-Ghettos, in denen sich nichts verändern darf? Statik? Die Welt von 1980? Ganz wichtig: Niemand, der euren komischen, romantischen Kosmos durcheinander bringt.

Ja, es ist scheiße aus seinem “Zuhause” wegziehen zu müssen, keine Frage. Aber… nochmal: Was wollt ihr? Leben, Welt, alles verändert sich. Glaubt ihr, dass ihr glücklich werdet, wenn alles so bleibt? Wie viele von Euch haben inzwischen ihre einzige Rechtfertigung im Kampf gegen “die”? Habt ihr noch andere Hobbys? Denkt mal darüber nach, was euer Leben ausmachen würde, wenn ihr nicht mehr euren Absurden Kampf gegen Windmühlenflügel hättet. Und kommt mal zu dem Punkt, dass Veränderung immer auch Chancen bedeutet.

Ja, ich bin eher Werbefuzzi als Punk. Na und? Ich bewerfe die Rote Flora nicht mit Farbbeuteln, weil eure Nasen mir nicht passen. Ich zünde auch nicht euren Besitz an, nur weil ich finde dass er meinen Stadtteil verschönert. Ich zieh auch nicht in die Schanze, weil ich es da so „hip“ finde.
Eigentlich glaube ich nichtmal an das Konzept “mein Stadtteil”. Leben ist Veränderung. Und Veränderung tut manchmal weh.

Werdet erwachsen. Findet euch damit ab. Und hört auf, wie im Kindergarten “das ist aber meine Schaukel” zu quengeln.

Ihr macht euch eure Welt, wie sie euch gefällt. In eurem Kopf. In eurer Fantasie.

Und ihr fühlt euch SO im Recht. Ihr glaubt ihr wäret diejenigen, die Moral gepachtet hätten. Die einzigen die eine wahre Rechtfertigung für ihr Handeln hätten. Aber in Wirklichkeit habt ihr keine. In Wirklichkeit seid Ihr scheinheilig, weil Ihr von allen erwarten, dass Sie eurer Meinung folgen, ohne je andere anzuhören. Weil Ihr von allen erwartet, sich wie Helden aufzuführen, nur von euch selbst nicht. Weil ihr “im Recht” seid. Glaubt ihr. Weil ihr von „Denen“ und „Der Gesellschaft“ fordert Menschenrechte zu achten, aber ihr selbst zündet sie an.

Wie war das? Freiheit ist immer auch die Freiheit Andersdenkender?

Die, die am lautesten schreien, sind offenbar meist diejenigen, die sich am wenigsten an Ihre eigenen Dogmen halten. Schade eigentlich.

Das Ding mit der Werbung

Ich hab mich ja neulich schon etwas emotionaler darüber aufgeregt, wie mit der Vodafone-Kampagne und deren Protagonisten umgegangen wird. In dem Zusammenhang hab ich in den letzten Tagen einige Diskussionen im Web mitbekommen (z.B. in den Kommentaren zu Kosmars sehr lesenswertem Artikel zum Thema Vodafone) , die in die – wie ich finde – zentrale Richtung zu dem ganzen Komplex steuern indem sie eine Frage stellen:

Kann man Content und Werbung trennen?

Ich wollte erst schreiben “Ich glaube schon”. Aber ich sollte das anders formulieren: Ich erwarte es!

Was ich bisher in Blogs gelesen habe, auch an werblichen Beiträgen, war immer markiert. In irgendeiner Form wurde verdeutlicht, dass es sich hierbei nicht um die Meinung des Bloggers handelt, oder dass es sich wenigstens um einen gesponsorten Beitrag handelt (Stichwort Trigami). Das heißt für mich, wenn es nicht dabei steht, ist es die authentische Meinung des Bloggers.

Das Gleiche gilt für mich auch für die klassischeren Web-Werbeformen. Nur weil jemand Links, Banner, Skyscraper oder was für Werbeformen auch immer in seinen Auftritt im Web integriert, heißt das für mich erstmal nicht, dass er damit mit Strategien, Politik, Auftreten der beworbenen Unternehmen 1:1 übereinstimmt. Ich erwarte von Bloggern, gerade von politisch engagierten, dass Sie da trennen können.
Und wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – nicht trennen können, dann erwarte ich, dass das erwähnt wird. Und so viel Vertrauen habe ich in die Blogger, deren Meinung für mich relevant ist. Genau so, wie ich so viel Vertrauen für Erzeugnisse der klassischen Medien aufbringe, die für Vattenfall werben und trotzdem im Rahmen der üblichen Pressearbeit objektiv über Störfälle in Krümmel berichten.

Ja, Blogger sind meist Einzelpersonen. Eine Trennung von Anzeigenverkauf und Redaktion findet also nicht in der Art statt, wie in der Presse oft (auch dort gibt es ja durchaus Ausnahmen). Aber diese Trennung muß nicht persönlich sein, es reicht mir, dass der Blogger sich hier nicht beeinflußen lässt. Und – ich wiederhole mich – darauf vertraue ich einfach. Nennt mich Naiv, aber dazu haben wir alle doch auch einfach eine viel zu große Klappe. Und genau wie Beeinflussung in den klassichen Medien auffliegt, würde das in der Blogospähre auch passieren. Davon bin ich ziemlich überzeugt.

In diesem Sinne, ich lese auch dort, wo Vodafone wirbt.

(und ehe Fragen/Anmerkungen kommen.. Klar gibt es Grenzen für wen man werben kann/sollte, aber sicherlich ist das kein Konzern, der sich evtl. aus wirtschaftlichen Gründen versucht, mit der Regierung gut zu stellen. Auch wenn das Mittel dazu sicherlich falsch war. Aber – das wissen wir ja alle. Und jeder kann das bei seiner Entscheidung mit einbeziehen.)