Dorfstreik?

Bei uns im Dorf haben sie ja im letzten Frühling angefangen die Strasse, die darunterliegende Kanalisation und die angrenzenden Gehwege zu erneuern. Immerhin haben sie es seitdem geschafft etwa 800 Meter der Strasse „auszutauschen“, ca. 200 Meter sind im Moment eher Sandwüste aber Befahrbar. Ca. 400 Meter haben zurzeit keine oder noch nicht fertig gestellte Gehwege.
Der Rest der Strasse ist noch etwa 3000 Meter lang und soll auch noch erneuert werden.

Gefühlt brauchen die also äußerst viel Zeit pro Meter. Positiv geschätzt etwa 4 Meter pro Tag. Wenn das als normales Tempo durchgeht wundert es mich doch sehr, dass wir schon Autobahnen haben die länger als 200 Kilometer sind. Und wie man ganze Strassen neu gebaut hat ist mir dann auch schleierhaft.

Immerhin ist, wenn die 150 Meter Sandwüste und die Gehwege dann auch fertig sind, das Teilstück bei mir vor dem Haus dann fertig, und die nächste Baustelle eben ca. 700 Meter die Strasse runter Richtung Hamburg. Was ich so an der Bushaltestelle an Dorfschnack mitbekomme soll das übrigens gegen Ostern soweit sein.

Warum sind die so Langsam?

Ich vermute, dass hier auch die Personalmenge ein Faktor ist. Da stehen zwar drei Bagger und lauter weitere Gerätschaften herum, aber aktiv sind immer maximal so 8 Personen. Wenn überhaupt. Ich verstehe zugegeben nicht, warum man nicht doppelt oder dreimal so viele Arbeiter einstellt, das dürfte doch die Bauzeit auch etwa um den Faktor 2 oder 3 verringern und entsprechend die Kosten als solche relativ stabil halten (nur dass nicht alle paar Wochen die Strasse ein paar Wochen gesperrt ist, das ganze Dorf 3 Jahre durch die Wüste fährt etc.).

Was ich aber weiß ist, dass die liebe Baufirma seit dem 21.12 keinen Handschlag mehr getan hat. Wir haben hier kontinuierlich zwischen +2° und +10°, so dass Frost eigentlich als Grund dafür nicht in Frage kommt.
Seit dem 01. Januar dieses Jahres ist zudem unser Rathaus fusioniert mit dem einer Nachbargemeinde. Fusion heißt hier, dass nahezu alle Teile des Rathauses in diese Nachbargemeinde Umgezogen sind. Vor Ort haben wir nun ausschließlich ein „Bürgerbüro“.

Am 03. Januar sollten bei uns im Dorf außerdem die gelben Säcke abgefahren werden. Normalerweise passiert das bei uns mittwochs, aber dank der Feiertage hatte sich der Termin auf den Donnerstag verschoben. Alle Haushalte bekamen ein nettes Flugblatt von der Abfallwirtschaft in dem liebenswert erklärt wurde, warum das so ist und wann die Ersatztermine liegen.

Nur kam am 03. niemand um die dank Weihnachten überdurchschnittlich vielen Säcke abzuholen. Die liegen da jetzt. Im ganzen Dorf. Und wenn der Stapel eh schon da vorn liegt, denken sicher viele (ich auch), kann man einen vollen gelben Sack dann auch direkt dazu legen. Der Stapel ist inzwischen bei uns vorm Haus gefühlt dreifach so groß wie normalerweise nach zwei Wochen.

Das ganze wirkt natürlich besonders ästhetisch durch das um die Sackstapel liegende Wüste, durch die Bauabsperrungen etc..

streiksaecke

Meine Theorie ist nun folgende: Durch den Umzugsstress im Rathaus hat 1.) jemand die Jahreszahlung für den Bauunternehmer vergessen und 2.) ist das gleiche mit der Firma passiert, welche die gelben Säcke holt.

Danach ist das Rathaus umgezogen, und von dort aus merken Sie natürlich erst recht nicht, dass unser Dorf langsam gelbstichig wird. Also kümmert sich keiner.

Und das Bürgerbüro ist natürlich nicht zuständig.

Baustellen…

Ich hab ja generell keine Ahnung. Aber:

Warum wirkt es beim Bau eigentlich immer so, als würde da unglaublich ineffizient gearbeitet oder wenigstens geplant und koordiniert?

Ich will gar nicht darauf hinaus, dass die einzelnen Arbeiter dort zu wenig machen, aber in Summe passiert einfach kaum was. Wenn ich richtig informiert bin, kauft der eigentliche Auftraggeber von irgendwelchen Baufirmen doch eigentlich die Kapazitäten etc. für einen definierten Zeitraum bzw. eben Bauauftrag. Nun wird zum Beispiel bei mir im Dorf gerade offenbar die komplette Kanalisation ausgetauscht. Das heißt seit ca. 4 Monaten ist eine der beiden „Hauptstrassen“ kontinuierlich in Bebauung.

Und jetzt kommt mein Problem: Täglich von 6 Uhr früh bis nachmittags arbeiten da geschätzt 8 bis 10 Herren eifrig vor sich hin. Einer bedient den Bagger der die Löcher in die Strasse macht, einer bedient den Bagger der den Abraum weg schafft. Zwei basteln an den neuen Gehwegen, zwei Basteln in dem Loch das der Bagger geschaufelt hat, zwei machen irgendwas anderes.
Ohne relevant größeren Kapitaleinsatz müsste sich hier die Geschwindigkeit doch vervielfachen lassen, oder?

Milchmädchen:
10 Bauarbeiter + 2 Bagger kosten für 4 Monate 100.000 Euro also kosten 20 Bauarbeiter + 4 Bagger für 2 Monate auch 100.000 Euro. 40 Bauarbeiter und 8 Bagger, ein Monat – genau.

Da der zurzeit bebaute Straßenabschnitt sehr lang ist, wird von dem anwesenden Personal sowieso immer nur ein Bruchstück beackert, die würden sich also nicht mal im Weg stehen. Und nach meiner Beobachtung sind die Einzeltätigkeiten auch immer relativ klein. Jeden Tag an einer anderen Stelle „Loch auf, Krempel darin machen“ am nächsten Tag „Loch wieder zu, neues Loch woanders auf, Krempel darin machen“.

Ich versteh es nicht. Mir ist natürlich klar, dass das da oben eben wirklich ne Milchmädchen-Rechnung ist, aber zumindest zum Teil sollte sich so was doch in der Praxis umsetzen lassen. Und es scheint ja üblich zu sein, dass nicht eine Baufirma sondern mehrere an so einer Baustelle beschäftigt werden, also gilt auch das Argument nicht so richtig, dass die Baufirma zu wenig Personal hat.

Naja, laut Buschfunk soll die Kanalisation im Dorf wohl bis Frühjahr 2008 fertig gestellt sein. Ich lasse mich überraschen.