Rückzugsgefecht?

Als bekennender Atheist hat man naturgemäß ein eher skeptisches Verhältnis zur Religion als solche. Von daher habe ich Richard Dawkins „The God Delusion“ vor einigen Monaten mit Begeisterung verschlungen (inzwischen auch auf Deutsch übersetzt erhältlich: „Der Gotteswahn“).

Dank Kardinal Meisners Aussage zu „entarteter Kultur“ ist die Kirche ja derzeit wieder gut im Gespräch. Spannend daran finde ich, dass inzwischen selbst die größten Agitatoren der Kirche scheinbar das Bedürfnis haben ein Gefecht zu führen, dass für mich immer mehr wie ein Rückzug wirkt.

Sollte der Gläubige, eigentlich jeder Mensch, nicht glauben, weil er damit das Richtige tut? Sollte er nicht glauben, weil es die Wahrheit ist, an die er glaubt? Weil in der Bibel Gottes Wort zu lesen ist? Eben weil all das an das er glaubt wahrhaftig ist? Eigentlich weil er weiß anstatt zu glauben?

Und dann kommt von Kardinal Meisner dies:

Wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus, und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte
Nachzulesen u.A. bei SPON

Wo also eine Gesellschaft sich Säkularisiert und von der Kirche entfernt, wird sie Kulturlos, verliert ihre Werte.

Anders gesagt: Wir brauchen eine Religion um unsere Kultur und unsere ethisch-moralischen Werte aufrecht zu erhalten. Glaube also nicht mehr des Glaubens wegen, sondern um ein bestimmtes System zu stabilisieren.
Religion nicht mehr weil sie wahrhaftig ist, sondern weil wir sonst amoralisch, rituell, kultisch handeln würden. Weil wir sonst ‚entarten’ (die Diskussion über diesen Begriff überlasse ich gerne anderen).

Früher kam es mir so vor, als hätte die Kirche selbst ein ausreichend großes ‚Ego’, um offen dazu zu stehen, dass sie „Die Wahrheit“ spricht:

„Glaube, was wir dir erzählen, denn wir wissen was wir sagen und was wir sagen ist wahrhaftig!“

Inzwischen fühlt man sich aber scheinbar genötigt, darauf hinzuweisen, dass Religion ja auch kulturell wichtig sei, dass der Gesellschaft etwas fehlen würde.
Nur ist dies keine offensive Argumentation wie einst, sondern eine rein defensive. Es scheint, als gingen der Kirche langsam aber sicher die Argumente aus.
Denn dies ist die krampfhafte Suche nach einem Sinn eines Glaubens, genau so wie viele Gläubige wohl vor allem deshalb glauben, weil sie sonst keinen Sinn in ihrem Leben sehen.
Es ist der Versuch Religion einen neuen, einen zusätzlichen Nutzen aufzupfropfen um Ungläubige zurück zu gewinnen oder wenigstens davon abzuhalten eine Institution die sich im säkulären Westeuropa gewissermaßen überlebt hat, noch weiter in die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit zu drängen.
Und leider findet die Kirche mit so was immer noch viel zu oft Gehör, auch bei Nichtgläubigen.

Es ist ein Irrglaube, dass die Religion wenn schon nicht wahr, dann nützlich sei, weil sie die Moral stärke. Solange auch Nichtgläubige dem etwas abgewinnen können, haben die Meisners leichtes Spiel.
Robert Misik in der TAZ

Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr Menschen zu ihrem Atheismus stehen.
Es bleibt zu hoffen, dass es immer mehr Menschen gibt, die wie Dawkins den Finger in die Wunden legen und darauf hinweisen, dass es überwältigend viele Argumente gegen einen Gott wie ihn die drei großen Religionen definieren gibt, und nach aktuellem Wissenstand keine dafür.

In diesem Sinne

Baustellen…

Ich hab ja generell keine Ahnung. Aber:

Warum wirkt es beim Bau eigentlich immer so, als würde da unglaublich ineffizient gearbeitet oder wenigstens geplant und koordiniert?

Ich will gar nicht darauf hinaus, dass die einzelnen Arbeiter dort zu wenig machen, aber in Summe passiert einfach kaum was. Wenn ich richtig informiert bin, kauft der eigentliche Auftraggeber von irgendwelchen Baufirmen doch eigentlich die Kapazitäten etc. für einen definierten Zeitraum bzw. eben Bauauftrag. Nun wird zum Beispiel bei mir im Dorf gerade offenbar die komplette Kanalisation ausgetauscht. Das heißt seit ca. 4 Monaten ist eine der beiden „Hauptstrassen“ kontinuierlich in Bebauung.

Und jetzt kommt mein Problem: Täglich von 6 Uhr früh bis nachmittags arbeiten da geschätzt 8 bis 10 Herren eifrig vor sich hin. Einer bedient den Bagger der die Löcher in die Strasse macht, einer bedient den Bagger der den Abraum weg schafft. Zwei basteln an den neuen Gehwegen, zwei Basteln in dem Loch das der Bagger geschaufelt hat, zwei machen irgendwas anderes.
Ohne relevant größeren Kapitaleinsatz müsste sich hier die Geschwindigkeit doch vervielfachen lassen, oder?

Milchmädchen:
10 Bauarbeiter + 2 Bagger kosten für 4 Monate 100.000 Euro also kosten 20 Bauarbeiter + 4 Bagger für 2 Monate auch 100.000 Euro. 40 Bauarbeiter und 8 Bagger, ein Monat – genau.

Da der zurzeit bebaute Straßenabschnitt sehr lang ist, wird von dem anwesenden Personal sowieso immer nur ein Bruchstück beackert, die würden sich also nicht mal im Weg stehen. Und nach meiner Beobachtung sind die Einzeltätigkeiten auch immer relativ klein. Jeden Tag an einer anderen Stelle „Loch auf, Krempel darin machen“ am nächsten Tag „Loch wieder zu, neues Loch woanders auf, Krempel darin machen“.

Ich versteh es nicht. Mir ist natürlich klar, dass das da oben eben wirklich ne Milchmädchen-Rechnung ist, aber zumindest zum Teil sollte sich so was doch in der Praxis umsetzen lassen. Und es scheint ja üblich zu sein, dass nicht eine Baufirma sondern mehrere an so einer Baustelle beschäftigt werden, also gilt auch das Argument nicht so richtig, dass die Baufirma zu wenig Personal hat.

Naja, laut Buschfunk soll die Kanalisation im Dorf wohl bis Frühjahr 2008 fertig gestellt sein. Ich lasse mich überraschen.

Aufräumen

Was genau haben wir eigentlich gegen Aufräumen?

Ich mein, am Ende braucht man, wenn man das regelmäßig macht ne
Stunde einmal im Monat. Evtl. auch weniger.
Trotzdem bin ich offenbar zu doof einfach regelmäßig meinen
Krempel einzusammeln oder gleich mit zu nehmen und weg zu schaffen.

Ich unterstelle mir ja eine gewisse Grundintelligenz, aber das –
seit über 30 Jahren- no way.

Weiß jemand ein Patentrezept dass hilft? Ich wäre begeistert 🙂