You never know what you’ve got…

Ein Teil dessen, was Fußball so emotional macht ist sicherlich das stetige Nebeneinander von Gewinn und Verlust. Von Besitz und Hinterher trauern. In 90 Minuten die volle Bandbreite der (Fußball-)Emotionen erleben, gute wie schlechte.

Und das geht so: FC St. Pauli gegen TuS Koblenz.
Nach 10 Minuten geht St. Pauli mit 1:0 in Führung. Klingt erstmal gut, ist aber für den alten St. Pauli-Fan gleichzeitig ein Warnsignal. So Spiele sind fast nie entspannt, weil die eigene Mannschaft es leider quasi nie schafft, dadurch Sicherheit zu gewinnen und das Spiel mal kontrolliert durchzuspielen. Trotzdem: Freude, 3 Punkte.

Nach 40 Minuten dann auch wie zu erwarten das 1:1, ausgerechnet durch Vata, über den vorher noch eifrig gelästert wurde. Der fällt wenn man ihn anguckt… aber Tore schießt er offenbar trotzdem. Frust. Wir haben gerade gefühlt 2 Punkte verloren.

Übrigens schießt er dann auch “gleich” – also ne halbe Stunde später – das 2:1 für Koblenz. Zuhause, 2:1 Rückstand und die Mannschaft spielt.. nun sagen wir mal optimierungsfähig. Großer Frust. Kein Punkt und das in einem Heimspiel.

Der Kommentar im AFM-Radio ist auch eher negativ, was das Spiel angeht, wenn auch chronisch optimistisch. Nagut, ich ja auch. Also warten auf den Ausgleich. Ich glaube ja meist doch bis zum Ende an mein Team.

Und irgendwie schaffen sie es dann auch. Ausgleich in der 84. Minute durch Sako, den Sako, der irgendwie immer so um 20 Minuten vor Schluß kommt, und dem gefühlt fast nie was gelingt. Gut, neulich den Elfmeter rausgeholt, aber sonst? Hatte der vorher schon Mal für uns in der 2. Liga getroffen? Ich glaube nicht. Jubel. Verhalten, trotz dem einen Punkt der grade wieder uns gehört. Irgendwie bin ich ja mit dem Wunsch nach 3 Punkten in den Spieltag gegangen. Ich meine. Hallo? Heimspiel? Und wer ist Koblenz überhaupt? Gefühlt das Mönchengladbach der zweiten Liga.

Als Eger dann in der 91. Minute das 3:2 für uns macht, fällt alles durcheinander. Die Herren im AFM-Radio drehen völlig durch, ich falle nur fast um, weil der Weg aus dem Schneidersitz in Jubelpose etwas kompliziert ist. Egal. Jubel! Großer Jubel. 3 Punkte.

Abpfiff.

Objektiv betrachtet ein relativ normales 3:2, 3 Punkte für St. Pauli eben. Der Sieg war irgendwo erwartbar, immerhin ist St. Pauli ziemlich Heimstark und Koblenz nicht wirklich die Übermannschaft.
Subjektiv aber – dank emotionalem auf und ab ein großartiges Erlebnis. Der Sieg ist – dank des zwischenzeitlichen Rückstands so viel “mehr Wert” irgendwie.

You never know what you’ve got ‚til it’s gone.

Stimmt schon. Sieg, Unentschieden, Niederlage, Unentschieden, Sieg. Nach 10 Minuten wissen, was man hat, und nach 70 Minuten wissen was man hätte haben können. Am Ende ist es dann meins. Unseres.

Das ist Fußball.

2:2 am Millerntor

Mal wieder durfte ich mir ein Spiel meiner Helden live ansehen. Diesmal durfte ich freundlicherweise den Stehplatz von Frau Jekylla vertretungsweise blockieren, die mir Ihre Dauerkarte geliehen hatte. Mit mir im Stadion war zudem Herr Textundblog, mit dem ich mich vor dem Spiel traf. nach ein paar gescheiterten Heimspielanläufen haben wir uns nun also doch einmal in “echt” getroffen.

Was soll ich sagen, mit zwei Tagen Abstand ein wirklich tolles Spiel eigentlich.

Nach den ersten 20 oder 30 Minuten machte sich bereits Verzweiflung breit. St. Pauli spielte unüberlegt panisch (und ich fluchte durchgehend darüber, dass alle Angriffsversuche durch die Mitte erfolgten) und Ahlen schaffte es sehr effizient seine Chancen zu nutzen. Wobei.. Das 0:1 nach einem Freistoß der meiner Meinung nach keiner war, das 0:2 nach dem unser Torwart sich nicht entscheiden konnte ob er hingeht oder doch lieber auf der Linie bleibt. Naja, Herr Textundblog meinte dass da noch was ginge, immerhin hatte er eine ungeschlagene Heimspiel-Serie zu verteidigen. Aber so wirklich überzeugt von sich wirkte er dann auch nicht. Naja.

Aber – das geht wohl wirklich nur am Millerntor – Sankt Pauli kam zurück. Anschlußtreffer und Ausgleich fielen noch vor der Pause. Ui meine Nerven. Sowas macht natürlich Spaß, ist allerdings zugleich auch äußerst aufreibend. Naja, wie der geneigte Leser merken könnte, ich lebe noch.

Nun gut, in der zweiten Hälfte flog ziemlich schnell Ebbers vom Platz. Formal wohl zurecht (Trikotziehen im Mittelfeld), aber im Prinzip .. ARGH. Sankt Pauli ist wohl in der zweiten Liga das Team, mit der größten Erfahrung in Unterzahl und langsam macht sich das sogar bezahlt. Nach dem Platzverweis waren wir schon recht überlegen, Ahlen wirkte überraschend eingeschüchtert. So kam Sankt Pauli auch zu mehreren Chancen, die leider alle vor oder neben dem Tor landeten. Selbst der Elfmeter kurz vor Schluß wurde vergeben (was ich vorher ahnte und deshalb den Schuss mit dem Rücken zum Spielfeld erlebte). Elfmeter sind wahrlich nicht die Stärke St. Paulis.

Alles in allem ein sehr unterhaltendes Spiel mit leider einem Tor zu wenig für die Richtigen. Trotzdem: Die Serie von Herrn Textundblog sowie meine eigenen (Jeweils 2 Tore für St. Pauli pro Heimspiel, keine Niederlage) hielten.

Aufstiegspanik

Es gibt Momente, da habe ich den Eindruck ich bin einer von fünf, vielleicht sieben St. Pauli-Fans, die sich wünschen dass ihr Club in der ersten Liga spielt.

Wovor habt ihr eigentlich alle Angst? Ja, klar, ein Aufstieg diese Saison wäre einigermaßen absurd. Gerade das zweite Jahr wieder in der zweiten Liga angekommen und dann weiter hoch? (Mal ab von der wohl doch sehr geringen Wahrscheinlichkeit dass dies überhaupt passiert, hey, wir sind ausnahmsweise mal vierter)

Was ich aber nicht verstehe ist diese weit verbreitete Ablehnung gegen die Vorstellung es könnte klappen. Ja, wenn sie jetzt aufsteigen ist der Kader sicherlich nicht der stärkste Aufstiegskader den je ein Zweitligist hatte. Ja, wenn sie jetzt aufsteigen ist die Chance nicht klein, dass sie im Jahr darauf wieder absteigen.

Und?

Ich glaube ehrlich nicht, dass wir in der Lage sind uns in der zweiten Liga einen erstligatauglichen Kader zusammenzustellen und mit dem dann aufzusteigen. So funktioniert das nicht. Nicht für uns. Hoffenheim kann das vielleicht in ansätzen, aber St. Pauli? Von welchem Geld? Die wirklich guten Spieler gehen doch früh genug wieder, weil sie auch ohne uns in der ersten Liga spielen könnten.
Also wird es das Risiko geben, egal wann ein Aufstieg passieren sollte, dass man nicht konkurrenzfähig genug ist, um die Klasse zu halten.

Nur – mal ehrlich: Das hätte uns nach dem Aufstieg in die zweite Liga auch passieren können. Und da wollten noch alle mit.

Ja, wir werden in der Bundesliga auf die Fresse kriegen. Sicher. Aber das ist doch kein Grund nicht da hin zu wollen? Irgendwie fällt mir dazu immer der Spruch ein “Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren”.

Und das ist es mir einfach wert. Einfach mal wieder gegen Bayern spielen, oder gegen Werder. Oder ein richtiges Derby gegen HSV I. Toll. Und wenn wir verlieren? Pech. Aber trotzdem, lieber da oben verlieren, als in Liga 2 kontinuierlich fünfter werden. Und hey, die Drittligatruppe hat im Pokal Bundesligisten besiegt (Bochum, Bremen), da wird eine verbesserte Zweitligatruppe die sich den Aufstieg erarbeitet hätte ja auch eine Chance haben.

Jetzt geht’s jedenfalls nach Freiburg. Wenn wir da gewinnen, sind wir dritter. Hallo? Cool, oder? Und wenn wir dann tatsächlich aufsteigen sollten.. Yay! Und wenn wir am Ende siebter werden? Auch Yay!

Nochmal: Wovor habt ihr eigentlich Angst? Wenn die Verantwortlichen nicht zu viel Mist bauen, sind wir schlimmstenfalls ein Jahr später wieder Zweitligist. Na und? Das ist nicht besser oder schlechter als jetzt. Aber wir wären ein Zweitligist mit einem Jahr Bundesliga zwischendurch.

Und nur zur Sicherheit: Ich werde jetzt sicherlich nicht auf die Mannschaft einprügeln, wenn sie es nicht schafft, sich da oben (meint jetzt Platz 4) zu halten. Ich erwarte keinen Aufstieg. Aber ich freu mich trotzdem drüber. Ganz einfach.