Die alljährliche Heimniederlage…

Ich sag ja gar nicht, dass alle Spiele gewonnen werden sollten. Echt nicht. Aber Heimspiele gegen das Hansa Rostock Südwestdeutschlands sollte mein FC St. Pauli doch bitteschön erfolgreich gestalten. Ich meine hallo? Die Region? Viel ekliger geht in Fußballdeutschland ja nun echt nicht. Das ist ja nix neues.

Natürlich verlieren wir so Spiele dann. Zuhause. Ist ja klar.

Ich würd mich hier nun wirklich gern über den Schiri auskotzen (naja) oder den brutalen Gegner beschimpfen (hmmm…), dummerweise ist das nicht wirklich der Realität entsprechend. Oder über die unfairen Fans meutern, aber die haben ja nichtmal nach dem 2:0 ernsthaft den Mund aufbekommen. Rote Teufel und so? Not really, das war eher LR-Aalen-Style.

Verloren haben wir dummerweise völlig verdient. Wir waren einfach schlechter. Wie sagte Stani vor dem Spiel? Wenn wir mehr richtig machen, als der Gegner, gewinnen wir? Eben. “Richtig machen” wäre mal so ein Thema des Tages. Ich meine…

Hallo, Passspiel?!?
Dieses “den Ball mit einem Fuß dem Mitspieler zuschieben, damit der ihn bekommt”…
Hallo, Beweglichkeit?!?
Dieses “sich möglichst vom Gegner weg bewegen und auf den Ball zu”…
Hallo, Defensivverhalten?!?
Dieses “Wenn der Gegner im Ballbesitz ist, versuchen ihm den wieder weg zu nehmen”…

Nix.

Die ersten 20 Minuten gabs noch sowas wie Druck auf das Tor der roten Heinis, danach war’s Gewürge. Von unserer Seite.

Besonders hervorheben möchte ich irgendwie Fabian Boll, der es geschafft hat auf 15 Ballkontakte 20 Fehlpässe zu spielen.
Oder doch lieber Davidson Drobo-Ampem, der gefühlt jede Flanke dem Gegner zuspielte und beim Versuch den Ball zurück zu erobern, die eine oder andere gefährliche Aktion einleitete. Für Hansa Rostock Kaiserslautern.
Oder vielleicht doch Carsten Rothenbach, über dessen sonst so starke rechte Seite erschreckend oft Gegenangriffe liefen, die regelmäßig zu Torschüssen führten.
Oder eher Deniz Naki, der mit großer Kontinuität glänzte, wenn es darum ging vier Lauterer auszuspielen um sich dann in den fünften zu werfen und keinen Freistoß zu bekommen.
Möglicherweise auch Florian Bruns, der ein Schatten seiner Selbst war? Entweder Festlaufen, Fehlpass oder die Flanke ins Leere ist nicht wirklich gut.

Aber eigentlich haben alle es verdient, hervorgehoben zu werden. Irgendwie.

Und das war alles gar nichts, verglichen mit den Fußballexperten hinter mir, die nach 30 Minuten anfingen zu fordern lang & hoch nach Vorne zu spielen. Die sich über jeden Pass hintenrum beschwerten, weil “das Tor gegenüber steht”.
Klar, ist ne Superidee, wenn der Gegner mit massiver Verteidigung glänzt das Spielen einzustellen und einfach zu gucken, ob man den Ball nicht von der Mittellinie direkt verwandeln kann. Wenn man keine Ahnung von Fußball hat, sollte man wohl doch am besten einfach nicht ins Stadion gehen.

Die Interviews nach dem Spiel zeigen, dass die Spieler verstanden haben, was für’n Brei sie gespielt haben.
Gut so.
Mund abwischen, nächstes Spiel besser machen. Die Jungs haben die Saison schon mehrfach und deutlich gezeigt, dass sie wissen, wie es richtig geht.
Und bei allem Geschimpfe, wir haben diese Saison eine tolle Mannschaft. Das ist mal klar!

Ich hoffe einfach, dass Fabian Boll recht hat, wenn er sagt, dass das jetzt die eine alljährliche Heimniederlage war, die wir in jeder Saison am Millerntor erleben.

Außerdem geht’s ja nun erstmal wieder Auswärts. Da fällt es uns ja traditionell diese Saison leichter.
Mittwoch. Quasi zur Region der ersten Liga. DfB-Pokal in Bremen. Klingt nach einer lösbaren Aufgabe. Immerhin haben die heute nichtmal ein Tor geschossen (auswärts… wir machen da im Schnitt vier Tore pro Spiel) und sind in der Liga auch nur auf Platz 8.
Und deren stärkster Spieler ist ja angeblich auch verletzt. Ich bin optimistisch. Wie eigentlich immer.

Von daher: Bremen putzen! Wir lesen uns nach dem Spiel.

Und ich so: Yeaahh!

Das war also mein erster Flashmob. Und dann gleich ein so äh.. prominenter. Also so mit live Kanzerlin gucken und so. Naja.

Frau Merkel stand jedenfalls vorn und erzählte irgendwas ziemlich triviales (“und dann war ich 35 und der Herr Kohl sagte zu mir”) und wir standen ziemlich weit hinten und schafften es scheinbar ganz gut mit “Alle so YEAAHH!” für Verwirrung zu sorgen. Ich hab jedenfalls ganz eindeutig den Eindruck gehabt, dass die meisten Anwesenden (die mitgemacht haben) großen Spaß hatten. Besondere Highlights kamen natürlich immer dann zustande, wenn die da vorne irgendwas sagte, wo das Yeaahh wie die Faust aufs Auge passte.

Und dann haben sie die Mauer gebaut

…und alle so Yeaahh!.

Ich fands vor Ort unglaublich schwer, zu beurteilen, wie laut wir wirklich waren. Aber dem genervten Blick den Frau Merkel zwischendrin aufsetzte nach zu schließen, laut genug.

Wobei ich für mich sagen muß, dass die Reaktion bzw. Ignoranz von Frau Kanzlerin mir recht egal war, da hab ich nichts erwartet. Aber ganz großartig waren die anfangs wirklich hasserfüllten Blicke von irgendwelchen Anti-AKW-Heinis, die da munter ihre (nutzlosen, weil wirkungslosen) Plakate hoch hielten.

Mal ehrlich: Glaubt Ihr echt, dass Ihr damit IRGENDWAS ändert?

Das war für mich auch irgendwo mein persönlicher Hintergrund des ganzen. Wobei der mir viel später erst bewußt wurde. Nonsense. Weil das ganze Prozedere Nonsense ist. Die da vorn, die nicht mal mehr was programmatisches erzählt, sondern krampfhaft versucht sympathisch und lässig rüberzukommen (was ihr – oh wunder – mißlang), die da unten, die entweder sowieso schon wissen, dass sie CDU wählen, oder schon wissen, dass sie nicht CDU wählen und – wohl egal was passiert wäre – ihre Meinung auch nicht geändert hätten.
Und wir, die nicht dort waren, weil wir in dem Fall was politisches sagen wollten, sondern weil irgendein Kasper auf irgendein Wahlplakat einen blöden Spruch geschrieben hatte. Ich glaube nicht – im Gegensatz zu den Artikeln die ich so gelesen habe – dass es den Motivator gab, der uns alle dahin brachte. Ich glaube, jeder hatte seine eigenen, kleinen, persönlichen Motive. Die Piraten, die sicher auch “Wahlkampf” machten, die Protestler. Und eben die Nonsense-Fraktion.

Auch völlig egal, eigentlich. Ich hatte eine Stunde lang großen Spaß. That’s it. Und ich bin trotzdem nicht unpolitisch.

Wer es nicht verstanden hat: Spiegel online (“Flashmob-Terror” – is klar)

Wer es eher verstanden hat: Mopo

Und alle so „Hin da!“

Manchmal liebe ich das Internet noch etwas mehr, als normal. Das sind so die Momente, an denen man die Dynamik mit der Tausende Menschen handeln besonders intensiv mitbekommt. Vor allem, wenn es sich dabei eigentlich um gigantischen Blödsinn handelt.

Das erste Mal tauchte das ganze „Yeaahh!“-Thema bei Nerdcore auf. Und ich fands lustig. Sehr. Irgendwie.

Wobei ich den Witz nicht erklären könnte.

Aber das kann Johnny bei Spreeblick auch nicht.

Macht ja auch nix, Witze erklären ist eh doof. Heute früh merkte ich dann, dass das Poster 20 Meter von meinem Büro entfernt steht (Twitpic!).  Inzwischen schon etwas ramponierter.

Und vorhin hab ich dann mitbekommen, dass sich da wohl gerade sowas wie ein Flashmob (nochmal Spreeblick) formiert… Wie großartig wäre das denn bitte? Ich glaub, ich guck morgen Abend mal am Gänsemarkt vorbei. Frau Merkel gucken und äh.. anfeuern! Yeaahh!

Mal schauen, was geht 😀