Du hast die Karte weggeworfen! In Aachen.

Ich war ja letztens in Aachen. Urlaub. Also.. Kurzurlaub. So.. Von Sonntagabend bis Dienstagmorgen. War aber sehr schön, Sonnenschein, laaange spazierengehen und dabei entspannt das schöne Städtchen angucken, und Montagabend halt Fußballgucken im neuen Tivoli. Ich erzählte davon.

Für Sightseeing ist Aachen aber echt gut geeignet, klein genug, dass man zu Fuß gut rumkommt, genug zu sehen für sechs oder sieben Stunden Abwechslung beim rumrennen, und das alles ohne Eintritt. Für einen Kurztripp echt zu empfehlen.

Los ging’s für mich direkt am Hauptbahnhof, eigentlich wollte ich mir noch einen Stadtplan kaufen, aber irgendwie hab ich das dann Montagfrüh gepflegt vergessen. Naja, ging auch ohne. Praktisch, wenn man ein Telefon dabei hat, dass sowohl den Stadtplan, als auch die Touristeninfo ersetzt.

Twitter-Tourist-Info

Dank Twitter und Dirk wußte ich also sofort, wo ich hinwollte. Okay, bis auf den Lousberg hatte ich das ähnlich geplant, aber ein Ortskundiger Tippgeber schadet ja nicht. Erstes Ziel war der Dom am Marktplatz (und gegenüber das Rathaus). Genau. Der Dom ist irgendwie sehr… unpraktisch eingebaut in Aachen, ich hab es nirgends geschafft das Riesending auf ein Foto zu kriegen, ohne das irgendwas im Weg war.. Nicht sehr Fotosafarifreundlich. Beweis:

Der Aachener Dom

Aber hübsch ist der schon. Muß ich zugeben. Das tolle wetter seht ihr auch schon, knallblauer Himmel mit wenigen, weißen Flecken. Fein. Vom Dom ging es dann langsam weiter Richtung “Stadtauswärts”. Erstmal zur Pontstrasse (die quasi nur aus Lokalen besteht) weiter zum Ponttor, bei dem ich mich erstmal damit beschäftigte es ungefähr 20 Mal ohne Bewegung der Kamera mit verschiedenen Blenden zu fotografieren, um ein HDR-Bild draus zu machen (ist bei FlickR drin). Naja, da hab ich dann das erste Mal auf meinen Telefonstadtplan geguckt. Wo ist der Lousberg? Eigentlich nur geradeaus weiter. Irgendwann ging es dann in einen Wald und plötzlich kräftig Bergauf. Und die Aachener sind komisch, die haben in Ihrem Wäldchen jedenfalls mitten im Nirgendwo komische Gebilde im Geäst hängen.

Creepy Forrest

Ich hab mich spontan an Blairwitch Project erinnert gefühlt. Bitte kurz panisches Kreischen – “DU HAST DIE KARTE WEGGEWORFEN!?” – denken. Vielleicht glauben die Aachener auch einfach, dass sonst niemand in ihren Wald latscht. Ich weiß es nicht. Praktischerweise gab es auch im tiefsten Wald Handyempfang, so dass ich nie den Kontakt zur Welt da draußen (via Twitter) verlor. Und notfalls hätte wohl auch die Karte funktioniert 😉

Anyway, als ich gerade anfing darüber nachzudenken, warum ich hier munter Bergsteige, und was ich da oben eigentlich soll, wenn doch überall nur Bäume zu sehen sind, kam ich endlich ganz oben an. Und die Aussicht hat dann doch gezeigt, was ich hier oben wollen könnte. Von hier oben hatte ich eine fantastische Aussicht auf das Gebäude in Aachen, das für die Masse gebaut wurde. Dort, wo man meistens Sonntags hingeht um zu beten, gemeinsam zu singen und zu huldigen.

Tivoli Richtig mitgedacht, das Stadion der Alemannia – der neue Tivoli.

Und sehr praktisch, nach einer 180°-Drehung konnte ich den Dom auch nochmal sehen und diesmal dann doch fast ganz fotografieren. Man sieht die Entfernung ganz gut finde ich.

Dom vom Lousberg

Aber warm wars schon. Nach ein wenig Entspannung beim Wassertreten und Rumgeliege auf irgendeiner Wiese ging es dann langsam zurück Richtung City.

Wobei ich vorher noch mal feststellen durfte, dass Aachen wirklich mal irgendeinen Bezug zu den Römern gehabt haben muß…

Römische Säulen

So ein bisschen hab ich ja darauf gewartet, dass ein Wildschwein zwischen den Bäumen hervorbricht und kurz dahinter ein dicker Kerl mit Blau-Weißer Hose versucht es zu fangen. Aber Obelix kam nicht. Schade, irgendwie.

Eine halbe Stunde Fußmarsch später gab es dann ein Wässerchen in der Pontstrasse, und ein bisschen Leutegucken. Die ersten St. Pauli-Fans gaben sich dank Trikots oder Shirts zu erkennen. Ich ging nochmal über den Marktplatz und hab diesmal in die andere Richtung fotografiert und marschierte dann weiter durch die Altstadt zurück zum Hotel.

Aachener Rathaus

Noch schnell in Vereinsfarben geworfen und dann los zum Tivoli, wo es dann ja das schon beschriebene 5:0 für uns gab.

Selbst wenn wir nicht gewonnen hätten – schön wars. Danke Aachen für zwei schöne Tage! Gerne wieder (und möglichst wieder mit 5 Toren für den FC St. Pauli :-))

Spitzenreiter, Spitzenreiter, Hey! Hey!

Wenns um Fußball geht, denke ich immer noch überwiegend in Großbuchstaben und Ausrufezeichen. Ich meine.. sowas hier:

FÜNF ZU NULL!!!!

Aber irgendwie trägt das keinen ganzen Blogbeitrag. Okay, ich würde mich vermutlich immer dran erinnern, was ich gemeint habe, nur ein bisschen was zu erzählen gibt es ja auch.

Mein erstes Auswärtsspiel seit ich weiß nicht wie lange. Und dann sowas. Alles fing ganz harmlos an, indem ich den Sonntagabend und den Montag damit verbrachte bei zauberhaftem Sommerwetter durch Aachen zu schlendern (und vermutlich werde ich davon auch noch ausführlicher berichten).

Dabei fielen mir dann auch direkt die ersten Dinge mit Bezug zum Spiel auf. So zum Beispiel, dass die Aachener tatsächlich der Frau Pleitegeiger die Hummel Hummel quasi abgeschaut haben.

hummel_fake

Ja, das ist das tolle Öcher Maskottchen “Al-Aix”. Sieht irgendwie sehr.. grauslig aus. Ich bin ja eh nicht so der Maskottchen-Typ, aber.. der rannte auch in groß im Stadion rum und ich fand das ganze doch eher zum wegsehen. Naja. Ich glaube den Aachenern geht es wenigstens zum Teil wohl ähnlich.

Gen Abend ging es dann langsam in Richtung neuer Tivoli, ich hatte ein Hotel direkt am Hauptbahnhof, und dachte mir dass es nicht so schwer sein sollte, das hinzubekommen. Falsch gedacht. Am Busbahnhof mußte ich drei Aachen-Fans nacheinander fragen, um herauszubekommen, das keiner wußte, wie genau es zum Tivoli geht. Spannend, weil die alle mit dem Bus dahin wollten. Naja, ging dann doch irgendwie. Was auffiel war, mit wie viel Respekt die busfahrende Aachenmeute von St. Pauli sprach. Die meisten spekulierten darauf, dass entweder Lehmann oder Ebbers das erste Tor am neuen Tivoli schießen würden. Für uns.

Optimismus geht anders. Andererseits hatten sie ja recht, Ebbers schoß ja sogar die beiden ersten Tore dort.

Apropos neuer Tivoli… bei der ersten Annährung hat das ganze schon arg was von Parkhaus.

parkhaus_tivoli

Und auch wenn man reinwill. Als Gästefan darf man vom Parkplatz durch den gemütlichen Tunnel da rechts unten. Übrigens auch, wenn man von der Bushaltestelle vor dem Stadion kommt. Also von vor dem Stadion einmal gaaaanz ums Stadion rum, dann ungefähr 200 Meter den Weg entlang zum Parkplatz, dann 200 Meter vom Parkplatz – jetzt hinter dem Zaun – zurück, dann durch die Kontrolle, dann durch den Tunnel, und dann ist man wieder ungefähr dort, wo man vor 10 Minuten schon vorbeigegangen ist. Also ungefähr.

Die Eröffnungsfeier selbst war… eine “offzielle Feier”. Entsprechend langweilig fand ich das ganze. Endlose Interviews mit Leuten, die mir nix sagte. Ich hoffe mal, die Aachener Fans hatten mehr davon.

Das Spiel selbst war – siehe oben – einfach genial. 20 Minuten Abtasten, 20 Minuten (vier!) Tore schießen, 5 Minuten erstaunt sein. Pause. Eine Halbzeit feiern und kurz vor Schluss für Rouven Hennings freuen, dass er endlich mal das Tor trifft. Und singen. Viel singen.

spiel_am_tivoli

Und ich war wirklich erstaunt, wie gut St. Pauli Fußball spielte. Ja, am Anfang gab es zwei recht dicke Chancen für die Aachener, die Hain entschärfte, aber St. Pauli spielte mit. Man hatte fast immer den Eindruck, dass jeder Pass überlegt war, dass die Spieler immer versuchten, nicht nur den Ball los zu werden, sondern tatsächlich schnell und direkt zu einer guten Offensivaktion zu kommen. Okay, nach den Toren lief der Ball dann natürlich sowieso wie von selbst. Für mich besonders auffällig: Die Mannschaft spielt unglaublich variabel. Naki, auf Links angefangen stand plötzlich rechts außen. Thorandt, eigentlich Abwehrspieler, plötzlich im offensiven Mittelfeld, während Lehmann hinten blieb.  Toll. Tolltoll! Wenn das so weitergeht, kann das eine wirklich schöne Saison werden.

Großartig auch, wie wir am Ende der Halbzeitpause anfingen auf die Situation angepasst zu singen. Wer auch immer sich den Song auf die Schnelle ausgedacht hat: Danke!

Alemanniaaaaa!
Ihr verliert, das ist doch klar!
Hier am Tivoliiii
siegt der FC St. Pauli

keine Ahnung, was die Melodie darunter war, aber es war genau das richtige Lied zum richtigen Zeitpunkt.

Und jetzt sind wir Spitzenreiter.
Zweiter Spieltag, zweite Bundesliga, erster Platz: FC St. Pauli.
Alle bisher möglichen Punkte geholt. Und dann dieses Torverhältnis!
Von mir aus könnte die Saison schon vorbei sein. Dann dürfte ich auch das A-Wort in den Mund nehmen, ohne mit sozialen Konsequenzen der anderne Südkurventwitterer rechnen zu müssen. Samstag geht’s weiter gegen Duisburg. Ich bin jetzt schon ganz hibbelig.