Ost-Ampeln

All die Jahre hab ich mich gefragt, was die Berliner so besonderes mit ihren Ampelmännchen haben… Endlich.
Ich weiß es. Heute fiel es mir wie Schuppen von den Augen

ampelmann

(hier bitte spannende, herzschlagsimulierende Gruselmusik vorstellen):

Jesusampeln!

Echt! Wirklich wahr!

Habt Ihr euch die roten Männchen mal angesehen?
Das ist Jesus am Kreuz.
Ganz bestimmt!
Und das grüne Männchen sieht, wenn man sich diesen Zusammenhang erstmal klar gemacht hat, auch aus wie ein Gelehrter Priester oder so, der gerade mit einem Buch in den Händen durch die Gegend rennt.

Und ich finde, es ist sehr offensichtlich, warum das so ist:

Bei uns im Westen waren die Männchen damals ja eigentlich sehr einfach zu übersetzen:

Stehendes Männchen=Bleiben Sie stehen!
laufendes Männchen=Los, gehen Sie!

Aber im Osten ist die Botschaft viel weitreichender. Hier ist nämlich gleich der tägliche Zeigefinger, die Moral des Verkehrs und so mit dabei. Im Osten hatte nämlich alles einen Sinn. Nicht einfach profane Ampelmännchen. Nein! Viel mehr:

Das grüne Männchen sagt uns, dass wir immer eifrig die Schriften des Sozialismus studieren sollen.

Und das rote? Ist doch logisch:

Wer bei Rot über die Ampel läuft, wird gekreuzigt.

(Originalbild von Isphotos/FlickR)

Auf den Punkt…

Erschreckend, aber wohl vollständig auf den Punkt gebracht, warum „die“ (Politiker) „uns“ (Netzvolk) nicht verstehen.

Jörg Tauss bei Abgeordnetenwatch zum Thema.

Edit! Richtiger und wichtiger Hinweis von Ramses101: Das ganze wirkt sehr wie eine Werbeveranstaltung für Herrn Tauss/Piratenpartei.
Die Frage wäre sicherlich sinnvollerweise (auch) an jemanden gegangen, der bei der SPD ist.

Qualitätsblogger. Ein wichtiger Teil des Web2.0

Seit heute bin ich offiziell Qualitätsblogger und ein wichtiger Teil des Web 2.0. Ich bitte das zu berücksichtigen!

Wie man in Twitter mitbekam, haben heute wohl einige Blogger mit Fußballaffinität eine Mail von einer großen, deutschen Zeitung bekommen, Ziel: Bewerben eines Widgets, dass diese Zeitung uns anbietet, mit der Bitte, darüber zu berichten. Warum wir das machen sollen? In Kurzform: Links.

Dass man uns umgarnt, oder mit Werbung beglückt finde ich erstmal nicht schlimm. Klar darf man mich auf Produkte aufmerksam machen, die interessant sein könnten. Das Produkt *könnte* interessant sein, von daher hab ich damit kein Problem. Aber: Wenn man sowas macht sollte man – so man denn für einen Profi-Laden arbeitet – das ganze auch professionell machen. Schauen wir uns die Mail mal in Auszügen an:

Die Anrede

Guten Tag Sebastian Grandt

Hheißt es nicht entweder “Guten Tag Herr Grandt”, oder “Hallo Sebastian”? So klingt es für mich jedenfalls irgendwie abgebrochen.

Auf der Suche nach qualitativen nicht kommerziellen Fußballseiten habe ich Ihren Blog http://www.curi0us.net/blog/tag/fussball/ entdeckt.

Das freut mich natürlich. Aber mein Blog ist unter der Adresse http://www.curi0us.net/blog zu finden. Der Deeplink auf die Seite für den Tag Fußball ist zwar richtig gesetzt, aber so wirkt es nicht so, als hätte sich der Absender weitergehend mit meinem Blog beschäftigt, außer festzustellen, dass es Curi0usities gibt und dass es hier offenbar auch um Fußball geht.

Dann wird davon gesprochen, dass es das beworbene Widget bisher nur für Clubs der ersten Liga gibt, aber wir Zweitligisten-Fans könnten ja auf allgemeine Zweitliga-Nachrichten verweisen. Hmm… Also kurz für “Eigentlich haben wir gar nichts, was Sie wirklich interessiert, aber vielleicht machen Sie es ja trotzdem”?

Weiter im Text:

Es würde mich sehr freuen wenn Sie in Ihrem Fußball-Blog […] über des […] Widget [….] berichten würden.

Ich wußte gar nicht, dass ich ein Fußball-Blog habe. Wer sich hier umsieht merkt, dass es hier sicherlich auch um Fußball geht (und dass das sicherlich ein Schwerpunkt ist)… Aber na gut, wer über die Tagseite Fußball hier her findet…

Und dass er sich freut ist logisch, denn ich soll hier ja Werbung für das Widget machen, darum geht’s ja eigentlich. Natürlich könnte man das auch mal erwähnen. Oder zumindest halbwegs mit offenen Karten spielen. Aber nun denn, unterstellt, das Widget gefiele mir, vielleicht würde ich ja – mehr oder weniger auch aus Eigenantrieb – darüber berichten. “Hey, ich habe hier jetzt ein tolles, neues Widget integriert, guckt mal.. und kostenlos ist es auch noch”… Nur

Bitte informieren Sie mich kurz sobald Sie einen Beitrag veröffentlich haben, in Zukunft planen wir einen Artikel bei […] wie

Wieso soll ICH DIE benachrichtigen? Hey, die wollen was von mir, da könnten sie ja ausnahmsweise mal mein Blog lesen? So.. für 2-3 Wochen?

Wollen meine Glaubwürdigkeit, meinen Text und meine Arbeit (denn was anderes ist es nicht, wenn ich einen Bericht über deren Widget schreibe) und bieten mir dafür nicht einmal genug Aufmerksamkeit um selbst zu merken, wenn ich (freiwillig, als Hobby, in meiner Freizeit…) über sie Berichte?

Wir sehen Qualitäts-Blogger, wie Sie, als wichtigen Teil des Web2.0.

Juhu! Ich bin Qualitäts-Blogger. Mich würde gerade echt interessieren, wen die noch angeschrieben haben. Mit wem die mich (zertifizierter Qualitäts-Blogger) noch so in einen Topf werfen. Ich meine.. Hey! Qualitäts-Blogger sollte sich wirklich nicht jeder schimpfen dürfen.

Aber ehrlich, es freut mich. Also… das mit dem wichtigen Teil des Web2.0. Wir Blogger sind ja immer eher der Meinung, wir wären total Egal. Und Web2.0 wäre auch eher das, was die anderen da so machen. So wie.. Zeitungen mit Ihren Homepages…Wow.. ich…. bin fast sprachlos. Fast! Nicht!

Kommen wir zum Ende:

Herzliche Grüße aus [xxx]

[Name]

Okay, wie war das mit den Verabschiedungen? Liebe und herzliche Grüße nur bei Personen, die man – wenigstens etwas – länger kennt. Bei denen sich bereits ein gewisses persönliches Verhältnis aufgebaut hat?

Schön, dass ich weiß wie der Herr heißt, aber wer das ist wird mir nicht mitgeteilt. Wenn ich geschäftlich Mails schreibe, steht am Ende immer so ein schöner kurzer Text, in dem steht was ich für die Firma so tue, wo meine Firma sitzt, wie man mich erreicht… Sogar meine Email-Adresse (ja, man könnte auch einfach auf reply klicken)…

Footer sagen wir hier dazu.

Ich darf übrigens im Job keine externen Mails ohne schreiben. Bekommt mein Chef das mit, bekomm ich Schimpfe. Zurecht.

Hmmm, und? Berichte ich jetzt über das ach so tolle Widget? So mit Link und so? Was meint Ihr?

Euer Qualitätsblogger!

P.S.: Außerdem heißt es das Blog. Auch wenn der Duden behauptet, „der“ ginge auch. So.