Ich bin freundlich!
Neustens gibt’s hier in der Nähe einen Netto-Discounter. Kannte ich nicht.
Okay, denk ich mir, kann ich ja mal reingucken. Alles in allem auch.. “okay”. Nicht überragend, aber.. auch nicht schlechter als Plus früher. Egal, was mir auffiel: Die Verkäufer tragen alle ein süßes, kleines Namensschild, auf dem unglaublich klein geschrieben auch draufsteht wie sie heißen. Und darüber steht etwas, das offensichtlich viel, viel wichtiger ist…:
“ICH BIN FREUNDLICH!”
Kennt Ihr das von Früher? Auf dem Flohmarkt gab es oft Gesellschaftsspiele oder Puzzles, und ab und zu gab es Verkäufer, die auf (einige!) ihrer Spiele “Komplett” oder “Vollständig”-Aufkleber pappten. Ich hab dann immer überlegt, ob das heißt, dass alle Spiele ohne Aufkleber im Umkehrschluß nicht vollständig wären.
Bei “ICH BIN FREUNDLICH!” ist das so ähnlich. Aber auch ganz anders. Also.. es ist nicht so, dass ich davon ausgehe, dass die Verkäufer ohne Schild (z.B. bei Penny) automatisch unfreundlicher sind, aber… Freundlichkeit… das würde man ja merken, oder?
Ich meine, wenn man zu mir FREUNDLICH! ist bekomme ich das doch auch ohne Schild mit, nicht? So mit anlächeln, “guten Tag”-sagen, bitte und danke benutzen, also.. FREUNDLICH! halt.
Ich hab mal gelernt, ich soll am Telefon lächeln, weil mein Gesprächspartner an der Stimme hört, wenn ich lächle. Das wirke freundlicher.
Die Damen und Herren bei Netto lächeln nicht. Die haben ja auch schon das Schild. Das reicht wohl. So ein Schild sagt mir ja, dass die FREUNDLICH! sind. Muß ich mir merken.
Schild auf die Brust, “ICH BIN ZAHLUNGSKRÄFTIG!” und zur Bank, den Zehnmillioneneuro-Kredit klarmachen. Und wenn Fragen kommen? Aufs Schild zeigen!
Die Kassiererin hat mir nicht mal einen schönen Abend gewünscht (ich Ihr schon, ich bin ja freundlich… Hm, mist! Mir fehlt echt das Schild!)….
Der hätte aber eh ein ganz anderes Schild gut gestanden: “ICH BIN SCHNELL!” so langsam, wie die war, muß sie ihr Tempo nämlich echt auf irgendeinem Schild verloren haben.
Kuhdorfenhausen
Laut (N)ONLINER Atlas 2009 sind fast 70% der Deutschen online. 70% von 80 Millionen sind 56.000.000 Onliner. Und das Netz ist ziemlich unübersichtlich. Es gibt keinen “hier treffen sich alle-Ort”.
Keinen Dorfplatz auf dem man sich zwangsläufig über den Weg läuft.
Und trotzdem ist das Internet irgendwie ein Kuhdorf. Irgendwie trifft man sich immer zweimal. Selbst hier.
Früher hing ich viel im Usenet rum. Früher, also so… damals, 1996 oder so. Hauptsächlich – wie überraschend – in der Fußballgruppe “de.rec.sport.fussball”. Kurz DRSF.
Einen der anderen (vielleicht 50) Regulars, also regelmäßigen Nutzer, lernte ich ein Jahr später zufällig während meines ersten Studentenjobs am Packtisch kennen.
Einen anderen Regular traf ich dieses Jahr über eine gemeinsame (Onlien-)Bekannte bei Twitter wieder.
Hatte erst gar nicht die Brücke geschlagen zwischen damals und heute. Irgendwann später geblickt, dass ich den Klarnamen hinter dem Twitternickname von früher kenne.
Das Früher von oben war auch die Zeit der Blutgrätsche. Das war seinerzeit eine großartige Fußballseite. So ne Art Gruppen-Blog zum Thema Fußball, noch sehr Web 1.0, aber schon auf dem Sprung ins Web 2.0, wenn man so will. Die Beiträge der Autoren hab ich verschlungen, damals. Letztes Jahr hab ich bei Plurk einen der Autoren von früher kennengelernt. Zufällig. “Kennste Blutgrätsche? Da hab ich mal geschrieben”. Wow.
Mein erstes Zuhause im Netz war ja irgendwie das IRC, das muß auch sowas wie 1996 oder 1997 gewesen sein. Als ich gerade mit dem Bloggen angefangen hatte (auch grad mal knapp zwei Jahre her), las ich einen Beitrag woanders. Schrieb darüber und setzte ein Trackback. Et Voila:
Der Autor des besagten Beitrags ist ein alter Bekannter aus dem IRC. “Curi? Bist Du das?!”
Heute quatscht mich jemand in Twitter an “Sag mal bist Du nicht der Curi0us von damals?”. Ja, bin ich. Natürlich bin ich der Curi0us von damals. Knapp 10 Jahre muß das her sein, dass wir das letzte Mal sprachen.
Klar, die ganzen Web2.0-Junkies, die man überall im Web2.0 findet, die ganzen Netzwerke, die man überall repliziert, der “social Graph”.. Klar sieht man sich da häufiger. Die Leute bei Plurk, Twitter, Facebook, Posterous oder im Feedreader.
Aber dieses über längere Zeiträume wieder über den Weg laufen? Dieses “Hey, Dich hab ich doch im letzten Jahrtausend schonmal online gesehen”-Ding.
Geht euch das auch so?
Ost-Ampeln
All die Jahre hab ich mich gefragt, was die Berliner so besonderes mit ihren Ampelmännchen haben… Endlich.
Ich weiß es. Heute fiel es mir wie Schuppen von den Augen
(hier bitte spannende, herzschlagsimulierende Gruselmusik vorstellen):
Jesusampeln!
Echt! Wirklich wahr!
Habt Ihr euch die roten Männchen mal angesehen?
Das ist Jesus am Kreuz.
Ganz bestimmt!
Und das grüne Männchen sieht, wenn man sich diesen Zusammenhang erstmal klar gemacht hat, auch aus wie ein Gelehrter Priester oder so, der gerade mit einem Buch in den Händen durch die Gegend rennt.
Und ich finde, es ist sehr offensichtlich, warum das so ist:
Bei uns im Westen waren die Männchen damals ja eigentlich sehr einfach zu übersetzen:
Stehendes Männchen=Bleiben Sie stehen!
laufendes Männchen=Los, gehen Sie!
Aber im Osten ist die Botschaft viel weitreichender. Hier ist nämlich gleich der tägliche Zeigefinger, die Moral des Verkehrs und so mit dabei. Im Osten hatte nämlich alles einen Sinn. Nicht einfach profane Ampelmännchen. Nein! Viel mehr:
Das grüne Männchen sagt uns, dass wir immer eifrig die Schriften des Sozialismus studieren sollen.
Und das rote? Ist doch logisch:
Wer bei Rot über die Ampel läuft, wird gekreuzigt.
(Originalbild von Isphotos/FlickR)












