Spiessertum…
Gestern gelesen, dass Bionade-Trinker Spießer sind. Oder Spießer Bionade trinken. Eigentlich auch egal.
Makes me Wonder: Was ist eigentlich spießig?
Also was ist für mich spießig?
Ich finde Bionade toll. Nun ist da das lustige Bio-Siegel drauf, und der Name ist auch ziemlich Hippie. Deswegen habe ich das Getränk zugegeben als es raus kam auch erstmal aktiv ignoriert. Irgendwie kann ich mit Bio-Missionaren nämlich zugegeben genau gar nichts anfangen. Aber nur weil es Bio ist, wird das Produkt ja auch nicht schlechter.
Nur sucht es sich halt eine bestimmte Zielgruppe: Biohippies.
Wenn man die denn so nennen will. Andererseits finde ich Bioprodukte eigentlich auch nicht schlecht. Ich kaufe Bio-Eier, Biomilch (und schwöre drauf, dass die besser schmeckt), bin mit Biokartoffeln oft zufriedener als mit dem Standard-Zeug. Aber das ist mein Ding. Meine Sache. Wer Nicht-Bio kauft soll halt. Kann ich verstehen, denn es ist ja auch oft deutlich billiger. Und beim Käse hört bei mir dann der Spaß ja auch auf – eben zu teuer. Aber ich schweife ab.
Ist es nicht ziemlich spießig Bionade nicht zu kaufen, nur weil man glaubt dass es bestimmte andere kaufen? Wäre es nicht auch ziemlich spießig Tokyo Hotel nicht zu mögen weil sie von dreizehnjährigen Mädels geliebt werden und nicht weil einem die Musik nicht gefällt? Oder ist das einfach engstirnig? Was ist eigentlich Spießig?
Früher war Spießig für mich all das, was ich von der älteren Generation gerade nicht mochte. Mittagessen mit der Familie, in die Kirche gehen (was ich nie musste. Nur kurz meine Eltern in Schutz nehmen.), Haus mit Garten, Kinder kriegen, auf Beerdigungen Schwarz tragen. Was mir so in den Kram passte. Irgendwann bin ich älter geworden. Ein paar Dinge davon finde ich immer noch nicht in mein Lebenskonzept passend. Vielleicht sogar Spießig. Aber warum eigentlich? Soll doch jeder. Ich kann und will nicht für Andere entscheiden, was für sie in der Beziehung am besten ist. Solange sie niemandem Schaden. Wer mit zwei Kindern in der heilen Familie glücklich wird: Bitte. Wer jeden Morgen seinen Rasen mit der Nagelschere pflegt: Von mir aus. Spießig? Sicher irgendwie, aber doch harmlos. Schlimmer ist es doch eigentlich wenn man sich selbst einschränkt, weil man sich selbst von anderen dermaßen einschränken lässt. Ich kann Biohippies nicht leiden, aber Bionade ist toll. Ich werde doch nicht keine Bionade trinken, nur weil ich ein paar Konsumenten von Bionade nicht leiden kann. Konsequent müsste ich dann auch aufhören Cola, Fanta, Wasser zu trinken. Brot zu essen etc..
Spießig ist es, eingefahrenen Wegen zu folgen, einfach weil die Spuren schon da sind. Spießig ist es, etwas zu tun, weil es alle tun. Genauso Spießig ist es aber, etwas nicht zu machen, weil es alle machen; oder weil es einige bestimmte machen. Gerade dann, wenn das der einzige Grund ist. Nichtspießig ist es, zu machen was man mag, weil man es mag. Und zu mögen was man mag, weil man es gut findet, nicht weil andere es gut finden. Oder sagen sie fänden es gut.
Pressetweets
Twitter ist in.
Also jetzt nicht nur bei den üblichen Verdächtigen – all denen die neben dem hochkommunikativen 140-Zeichen-Blog Twitter auch noch ein richtiges Blog haben – sondern bei den traditionellen Medien.
Die Welt Kompakt twittert. Es gab sogar eine Geschichte im Heft, (die ich verpasst habe), aber Twitter war wohl sogar auf dem Titel.
Ich hab deren “Twitter-Auftritt” auch noch nicht völlig durchschaut, aber da scheint jeden Tag einer der Menschen aus der Redaktion seine Tweets abzusetzen.
Am Anfang des Tages sagen sie auch immer wer gerade am Twittern ist. Finde ich sehr vorbildlich. Neben kleinen Einblicken was gerade in der Redaktion passiert wird auch einfach persönliches gesagt (Kommentare zu Fußballergebnissen z.B.). Gefällt mir und macht glaube ich bei der noch kleinen Gruppe im Twitterversum sehr erfolgreich Imagewerbung. Aus der Gesichtslosen Redaktion könnte so relativ schnell jemand werden, mit dem man noch stärker Emotionen verknüpfen kann und über den man auch mehr weiß. Mich (!) motiviert so was auf jedenfall öfter mal die Welt Kompakt am Kiosk auszuwählen.
Die (Hamburger) Mopo twittert auch. Seit gestern. Der Einstieg war noch etwas ungelenk und wirkte mir noch etwas “zu professionell”. Auch was ich von anderen mitbekommen habe, waren die ersten Schritte etwas zu sehr mit dem Marketing- und Standard-Info. Genau wie mit Corporate- oder Medienblogs ist es einfach wichtig, dass man sich auch mit dem neuen Medium auseinandersetzt, nicht bloß rein setzen und losfahren. Jedes Medium hat seine Eigenheiten und die Zielgruppen können sehr sensibel sein. Aber klar, am Anfang sind kleine Schritte sicher auch erlaubt.
Und der Eindruck der im Laufe des Tages entstand war schon der, dass sich da jemand bemüht in Twitter anzukommen (witzigerweise weiß ich nicht, ob ich selbst in Twitter schon angekommen bin. Kommt man da überhaupt jemals an? Ich mein, ich bin auch erst einen Monat oder so dabei). Spannend auch, das inzwischen wirklich schon was „zwischen den Zeilen“ vermittelt wird. Mehr davon
Cem Basman hat – wenigstens was ich mitbekommen habe – als erster Blogmässig auf den Mopo-Tweet reagiert. In den Kommentaren finden sich diverse andere Einträge. Wer sich also Mopomäßig weiter informieren will, liegt da bestimmt nicht falsch.
Grundsätzlich eine wirklich schöne Entwicklung.
Vielleicht hat bei den Medien ja wenigstens ein Teil der Betroffenen gemerkt,
wie leicht es eigentlich ist, Web 2.0 zu leben, wenn man nur will.
Edit: Mopo twittert nicht als Redaktion. Das ist ein einzelner der das aus eigenantrieb macht.
Trotzdem bleibt der Kern dieses Posts für mich wahr und relevant. So kann man Sympathien etc. schaffen. Aber die Info hilft natürlich auch das Auftreten von Mopo in Twitter
einzuordnen.
Musikstöckchen
Frau JLT von „Evil under the Sun“ hat mir ein Stöckchen zugeworfen.
Zum Thema Musik.
Superidee Frau JLT, wo ich mich bei Musik ja auch so gut und einfach festlegen kann. ![]()
Und warum? Weil ich am Wochenende gezwungen wurde schlechte Musik zu hören. Toll. Ich höre schlechte Musik, beklage mich darüber, und als Dank so was.
Positiv denken. Ich nutze das um Mal wieder gute Musik zu hören (oder wenigstens darüber nachzudenken). Also los:
1. Nenne einen Song, der Dich vom Text ganz besonders berührt und begründe
Uff. Festlegen und so. Das ganze ist natürlich äußerst stimmungsabhängig. Bei Liebeskummer berühren mich andere Songs, als wenn es um Fußball geht und so weiter und so fort. Bei Fußball bekomme ich zum Beispiel immer wieder gerne Gänsehaut bei You’ll never Walk alone. Sowohl in der langsamen Fassung von Gerry and the Pacemakers bzw. wenn es der Kop singt, als auch bei der punkigen St. Pauli-Fassung von den Rubbermaids bzw. wenn es das Millerntor äh.. grölt.
Richtig berührt mich im normalen Leben sonst glaube ich „Darf ich das behalten“ von Wir sind Helden. Der schafft es mich sogar wenn ich gute Laune habe irgendwie traurig zu stimmen. Begründung? Ohne ins Detail zu gehen, kann ich das Gefühl das der Song vermittelt einfach enorm gut auf mich selbst und auf mir Nahestehende beziehen. Und was ich mit „darf ich das behalten“ verbinde ist dann einfach traurig *schnief*
Millionen Legionen von den Fanta 4 passt hier auch noch rein. Aber ich brauch nur ein Lied, oder?
2. Nenne einen Song, der Dich von der Musik ganz besonders berührt und begründe
Ha! Da kann ich dann das Fußball-Lied bringen: YNWA (siehe oben). Der Text.. naja, ist mir ziemlich egal. Nett, aber nicht überragend. Da macht es tatsächlich die Musik (und der Zusammenhang in den ich die Musik setze).
Song 2 von Blur wäre da auch gut. Läuft immer wenn St. Pauli das Tor trifft und ist entsprechend positiv besetzt. Der Abschnitt der das Tor äh.. begleitet ist eh Textfrei.
Ja, was Besseres fällt mir gerade nicht ein.
(Der Leser merkt das natürlich nicht, aber jetzt ist 20 Minuten später)
Doch! Piano Man von Billy Joel. Großartiges Lied. Total beliebiger Text, aber wunder-wunder-wunderschöne Melodie. Sing uns ein Lied, Klaviertyp! Sing! Gänsehaut.
3. Welchen Song hättest Du gerne geschrieben und warum?
Ich bin schlimm, unkreativ und so, aber hier klaue ich mal schamlos: Candle in the Wind von Elton John. Geld drucken. In kurzer Zeit (wobei ich die 37.000.000 verkauften Singles jetzt gar nicht sooo viel finde. Weltweit. Gefühlt hat doch allein jeder vierte Deutsche das Lied zuhause?). Furchtbarer Song übrigens. Ich bin als die Britin verstarb schreiend aus Räumen gelaufen, in denen das Lied lief. Aber die Kohle wäre schon attraktiv.
4. Nenne fünf Songs für dein Lebens-Best-of
Ohje. Wir haben vor Jahren mal so was im Chat versucht. Jeder musste 10 Lieder benennen, die für ihn persönlich die allerbesten Lieder überhaupt sind. Ist einigermaßen misslungen (ich glaube ich musste mich auf 20 einigen, um irgendwie damit zufrieden zu sein). Und ich weiß nicht mehr wirklich, was in der Liste war.
Problem heute wie damals: Wonach entscheide ich das? Einfach so geht nicht, also für jede Musikrichtung ein Lied? Oder unsortiert? Oder für sentimentale Momente? Oder… ihr blickt, worauf ich hinaus will, oder?
Ok, ohne IRGENDEINEN Anspruch:
Piano Man, Billy Joel.
Siehe oben. Für mich *das* *beste* *Lied* überhaupt. Kann ich immer und überall hören. Immer wieder.
The Beatles, Lucy in the Sky with Diamonds (LSD!).
Erstens weil die Beatles in so einer Liste nicht fehlen dürfen, zweitens weil das Lied toll ist, drittens hört’s euch einfach an.
(Auch schön von The Beatles: Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band, When I’m 64, ….).
Queen, Brighton Rock (von der Live, Killers)
Überragendes Gitarrensolo von Brian May. In der zweiten Hälfte. Stellvertretend für viele tolle Songs.
Jan Delay, Klar
Stellvertretend für die Hamburger HipHop-Szene der späten neunziger. Cooles Lied, gut eingesetzte Stimme, alles toll. Ja, ich mag deutschen HipHop. Also die älteren Sachen. Fanta 4 dürften hier auch stehen, aber ich hab mich jetzt für Jan ausgesprochen.
Seeed, Aufstehn
Chillig.
Ich könnte hier noch gefühlte Stunden weiterschreiben, weil es so viele tolle Lieder gibt. Das hier sind fünf sehr tolle. Keinen, wirklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit (ich weiß, ich wiederhol mich).
5. Und zum Schluss: Welche Musikscheibe beschützt Du wie Deinen Augapfel?
Gar keine. Ich war früher bei CDs äußerst materialistisch. Wichtig das original haptisch, fühlbar etc. zu besitzen. Auch gerne irgendwelche Special Editions, die schick waren. Alu-Case oder so was. Ist mir inzwischen fast völlig egal. Bei DVDs nicht, aber bei Musik?
Ich habe in den letzten 33 Jahren jetzt 4 signifikante Formatwechsel mitgemacht. Ganz jung hatte ich einen Plattenspieler (mit den großen, schwarzen, runden Dingern namens LP). Kurz darauf dann Audiokassetten. Irgendwann, da war ich so 12 dann den CD Player und seit ein paar Jahren dann eben mp3 und Co…
Klar kaufe ich mir ab und zu noch CDs, aber benutzt werden sie dann meist in konvertiert als mp3. Praktischer. Tragbar.
Soll heißen: Ich hänge eher an der Musik als an dem Datenträger. Und da hilft meine grenzenlose Naivität jugendlicher Optimismus mir zu glauben, dass ich das dann irgendwann auch in $nächstes Format wieder bekomme.
Ich werf das Stöckchen mal weiter an
- Nik von Lost-Moon, der mich ja neulich in die Disko geschleift hat die an dem hier schuld ist.
- Kiki von e13, weil wer selber komponiert bestimmt auch was spannendes dazu zu sagen hat und weil sie beim iTunes Stöckchen mit dem Thema ja schon mal angefangen hat.
- Dirk von dhaunsch, weil ich nicht will, dass er aus Mangel an Inhalten wirklich Schluss macht.
- NiSi von Beissholz, damit man bei ihr auch mal wieder was anderes findet außer Interviews ;-) Und weil das Blog im Prinzip ja eigentlich ”Stöckchen” heißt.










