Wie im Mittelalter…

Sind wir schon wieder so weit?

Soweit, dass sogar (was das ganze Blog-Konzept angeht) extrovertierte, offene Bloggerinnen wie das blonde Alien sich „freiwillig“ einschränken, und nicht über Religion schreiben wollen, weil die Konsequenzen für sie nicht akzeptabel sind.

Ich persönlich finde die Schere im Kopf, die Katja in dem Zusammenhang offenbar hat eigentlich fast schlimmer als gesetzliche Einschränkungen. Denn wenn wir uns so leicht von den, wie Sie sagt Freaks, Spinnern und Geisteskranken einschränken lassen. Wenn wir deretwegen unsere Meinung zu dem Thema nicht mehr äußern können oder wollen, dann haben wir alle uns schon viel zu weit von unserem eigentlich säkulären Staat entfernt.

Ich wünsche mir, dass sich viel mehr Menschen über diese Widerstände hinwegsetzen und das genaue Gegenteil machen. Ich hatte neulich ja schon auf die Blogparade von JLT hingewiesen, in der es genau darum geht:

Flagge zeigen!

Solange von ihrem Gott beseelte es nämlich schaffen andere Meinungen zu unterdrücken, so lange wird sich die Gegenöffentlichkeit der nichtreligiösen unglaublich schwer damit tun ihren Standpunkt zu vertreten.
Solange wir uns von den Spinnern, Geisteskranken und Freaks vorschreiben lassen, welche Meinung wir vertreten dürfen, solange wird man unsere Meinungen nämlich nicht hören, nicht lesen, nicht wahrnehmen.
Aber nicht wahrgenommene Meinungen existieren leider nur für sich.

Und gerade bei diesem Thema ist es sehr wichtig, dass andere unreligiöse sehen können, lesen können, dass sie mit ihrer Meinung lange nicht alleine sind.
Wir sind viele, in Deutschland sogar die Mehrheit. Und deswegen soll und muss man uns auch wahrnehmen!

Ich kann verstehen, dass es die Betreiber größerer Blogs stört, dass die Kommentare anstrengend sind, der Aufwand, damit umzugehen (zu) groß wird. Aber in dem Moment, in dem wir alle uns dem Unterwerfen, haben sie eigentlich genau das erreicht, was sie wollen. Meinungen die nicht ihrer entsprechen verschwinden im privaten. Und solange wir alle unsere Meinungen zurück halten, so lange ist dieses wunderbare Zitat von Katja richtig:

„Meine nicht-religiösen Gefühle werden tagtäglich durch religiöse Spinner verletzt. Nur interessiert das keinen Arsch.“

Lasst uns also alle was dafür tun, dass sich nicht mehr lange so fühlt. Lasst uns alle den Arsch hoch kriegen und unsere Meinung sagen. Lasst uns das Feld nicht immer denen überlassen, die am lautesten jammern. Denn sonst bleibt es so, wie es auf T-Shirts steht:

„Wenn immer der klügere nachgibt, regieren am Ende die dummen“

P.S. Außerdem, liebe Katja, will ich „Endlich ficken – die Bibel hilft“ lesen.
Bitte nicht unterkriegen lassen!

Der Grand Prix wird viral…

Früher war es irgendwie wohl so, dass Schlagersänger aller (europäischen) Länder sich darum rissen beim Grand Prix Eurovision de la Chanson mitzuspielen.

Früher.

Irgendwann wurde der Wettbewerb langweiliger, die Musikgeschmäcker änderten sich, die Teilnehmer blieben zunächst aber die gleichen. Es gab wohl in Deutschland immer eine „Community“ dafür, die sich das jedes Jahr anschaute (eine Freundin von mir hatte sich – früher jedenfalls – auch immer notiert welches Land für welchen Kandidaten welche Punkte vergab – keine Ahnung warum eigentlich), aber eigentlich war das ganze Format (gefühlt) abnehmend erfolgreich. In Deutschland kam der Wandel wohl mit Guildo Horn und Stefan Raab, der das ganze unter dem Künstlernamen Alf Igel produzierte. Zu der Zeit gab es auch so was wie eine Schlagerbewegung, in Hamburg gab es als Klatschkopie der diversen Techno-Feten mit dem Wörtchen „Move“ den Schlagermove. Und irgendwie fand das ganze dann plötzlich hier wieder Publikum. Inzwischen gibt es auf der Reeperbahn eine institutionalisierte Feier jedes Jahr, die Vorausscheidung wird (meist) in der Presse breitgetreten etc.. Vielleicht hängt das ganze zusätzlich noch mit dem Veränderten Modus (Televoting) zusammen, ich weiß es nicht.

Nun sind scheinbar die Iren auch auf die Idee gekommen, dass hier Absurditäten eine Chance haben. Anders kann ich mir das nicht erklären. Irgendwie ist die aktuelle Sau, die durch Klein Bloggersdorf (allein im Feedreader heute u.A. bei den Herren Niggemeier, Tom oder Knüwer gefunden) getrieben wird jedenfalls eine Pute ein Truthahn.

Und ich treibe mit.

Zugegeben.

Wild Turkey sozusagen:

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese Performance aussichten auf Erfolg in der Endwertung hat, aber zurzeit wird da kräftig Lärm gemacht und das ganze dürfte sich – natürlich – auch auf die Verkaufszahlen auswirken. Im Prinzip ist das so was wie eine virale Kampagne, nur dass diese so dermaßen offensichtlich nicht viral ist, dass das ganze irgendwie noch seltsamer wirkt.

Übrigens hat der „Hype“ nicht nur Klein Bloggersdorf erfasst – laut dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel steht der Sieger des diesjährigen Grand Prix bereits Fest, man beachte die Tabelle im Bild.

Irgendwie ist es ja Lustig, auch wenn ich den Auftritt ausreichend schockierend finde um schreiend den Raum zu verlassen.Aber nun denn, siehe oben, im Sauentreiben halte ich mich ja auch nicht zurück.