Wir sind ja so anders

Wir sind sooo anders!

Wir spielen vor dem Spiel das Lied der Gäste und freuen uns sogar auf und über die Gästefans. Wir wollen mit ihnen gemeinsam ein schönes Spiel erleben. Wollen Fußball feiern. Während des Spiels natürlich gegeneinander, aber vor und hinterher gerne gemeinsam. Das schöne am Fussball sind doch gerade auch die Begegnungen drum herum. Das gemeinsame Bier mit dem noch unbekannten Fan der anderen. Und verlieren? Gehört dazu. Damit können wir umgehen.

Wir sind sooo anders!

Wenn die Anderen Ihre Rauchtöpfe zünden protestiert das ganze Stadion. Wenn Pyros abbrennen skandieren wir “Ihr seid doof”, ist doch klar. Wer schon mal neben so einem Ding gestanden hat, weiß wie unangenehm das ist. Ganz zu schweigen von den Risiken, damit jemanden zu verletzen. Risiken, die man nicht eingehen sollte, ohne Not.

Wir sind sooo anders!

Destruktiver Support ist so gar nicht unser Bier! Wir singen lieber kreative Lieder, um unsere Mannschaft nach vorn zu pushen. Was kümmert uns der Gegner? Primitives Geschimpfe ist nicht nur doof, sondern auch noch langweilig. Das können wir besser. Das können wir kreativer.

Wir sind sooo anders!

Toleranz schreiben wir groß. Diskriminierungen im Stadion sind schon seit Ewigkeiten per Stadionordnung verboten. Wir waren die ersten, die das in Deutschland gemacht haben und sind stolz darauf. Wer Menschen aufgrund Ihrer Herkunft oder Hautfarbe, Ihres Geschlechts, oder Ihrer sexuellen Ausrichtung beschimpft, diskriminiert, hat bei uns im Stadion nichts verloren. Das ist Konsens.

Wir sind sooo anders!

Wenn man mit uns auswärts fährt ist die Reise ein Erlebnis. Wir begegnen uns untereinander und anderen Menschen mit Respekt. Wir respektieren sie. Wir verhalten uns so, wie wir es auch von unseren Mitreisenden erwarten würden. Wenn Kinder im Zug sind, geben wir auf sie acht. Wir wissen, wie Zugtoiletten funktionieren und wie eklig vollgekotzte Gänge sind. Und wenn sich doch einmal jemand daneben benimmt, dann sind seine Freunde nicht weit, die ihn kurz ins Bild setzen.

Warum so spießig?

Wenn uns der Gegner nicht gefällt, warum sollen wir die dann noch höflich behandeln? Ich meine, mal ehrlich, wer Fan von HSV, Rostock, Rapid Wien, Bayern, Dortmund, Hannover, Stuttgart oder den Rangers ist… wer Fan von Osnabrück, Hoffenheim, Frankfurt oder Berlin… die sind doch selber Schuld? Wie kann man nur? Und wenn wir verloren haben, gibt’s erstrecht ne Ansage. Soweit kommt es noch, dass wir das hinnehmen. Das ist unser Stadtteil, hier habt Ihr nix verloren.

Warum so spießig?

Wenn wir Pyros abbrennen sieht das doch super aus? Das gehört zum Fußball dazu. Und solang man durch die rechtliche Situation dazu gezwungen wird, die Dinger illegal abzubrennen geht es halt nicht anders. Wenn es verletzte geben sollte.. wir können da nichts für, das liegt nur daran, dass man uns zwingt, die illegal abzubrennen. Scheiß Recht. Und wenn man den Rauch nicht mag? Ey, das ist Fußball, geh doch zum Hallenhalma. Oder kauft euch nen Sitzplatz!

Warum so spießig?

Scheiß doch drauf. Ich kack echt auf euren pseudokreativen Mist. Die anderen beschimpfen uns, dann kriegen sie es mit gleicher Münze zurückbezahlt. Oder besser noch extra einen drauf. Wobei, auch wenn sie nicht schimpfen. Alles Arschlöcher, die haben das verdient. Und Niveau? Ey, Nivea ist Blau-Weiß, das sind die HSV-Farben. Das geht mal nicht, ja? Wir sind St. Pauli!

Warum so spießig?

Der Homo im gelben Trikot da vorne, dem gibt’s nach dem Spiel auffe Fresse. Und guck mal da hinten, da hat einer irgendwas von nem anderen Verein unter seinem Shirt. In unserem Block. Ich glaub, ich sammel erstmal meine Kumpels und dann erklären wir dem, dass er seinen dummen Arsch hier aus dem Block bewegt. Das ist unser Revier. Ich kann das echt nicht haben. Und wenn der neben mir an der falschen Stelle jubelt, gibt’s halt Backenfutter. Ich meine.. sorry, das ist Fußball, das ist Emotion. Da passiert das halt mal.

Warum so spießig?

Auswärtsfahrten sollen doch Spaß machen. Party alder. Erstmal kräftig druckbetankung und dann geht’s los. Scheiß doch auf die Kinder, die haben hier nix verloren, ist Fußball. Und wenn die im falschen Zug sitzen.. mein Problem ist das ja nicht, nä? Uh, mir wird schlecht, gib mir mal die Brötchentüte… Und vorm Klo ist die Schlange solang, aber der Mülleimer tuts ja auch. Danach mach ich munter den Ghettoblaster an, dann kann der ganze Wagen Musik hören. Geil, oder? Rauchverbote im Zug ignorier ich eh, und zum Bierchen gehört das ja auch dazu. Geruchsbelästigung? Ey, kauf Dir lieber selbst mal nen anderes Deo.

Ihr kotzt mich an!

Ihr kotzt mich an, weil ihr anders sein wollt, weil ihr über die anderen lästert, das, was ‘uns’ mal ausgemacht habt nutzt, um euch selbst besser zu fühlen, während ihr genauso seid wie die anderen. Vielleicht sogar noch schlimmer. alles unter dem Deckmantel der Toleranz.

Ihr kotzt mich an!

Ihr kotzt mich an, weil ihr – selbst wenn ihr es selbst doof findet – Gewalt gegenüber anderen erst mal hinnehmt. Ist halt das Lebensrisiko, dass im Stadion welche ausrasten gehört wohl dazu. OHNE zu hinterfragen. Ohne Kritik. Man geht nicht in Fanwear von sonst wem in unsere Kurve. Selber Schuld. Der der Ausrastet? Naja, im Eifer des Gefechts.. passiert halt.

Ihr kotzt mich an!

Ihr singt “HSV ist scheiße”, wenn wir gegen Hoffenheim spielen. “HSV ist scheiße” beim Spiel gegen Dortmund. Hauptsache singen, egal was. Aber in der kurzen Pause zwischen den Gesängen kurz über die anderen lästern. Und merkt es nicht mal.

Ihr kotzt mich an!

Wenn der Teenie im Bus seinen Handyklingelton vorführt wird die Nase gerümpft. Je nach dem bekommt er (zurecht!) sogar ne Ansage. Aber wenn St. Pauli-Fans unterwegs sind, ist das was anderes? Wir wollen doch Musik hören. Rücksichtnahme? Wozu? Wir sind St. Pauli!

Ihr kotzt mich an!

Weil sich gegen Recht und Bestimmungen durchzusetzen zum Selbstzweck geworden ist. Und weil immer die anderen Schuld sind. Nie man selbst. Pyro ist verboten. Na und? Und wenn der Verein dann die (absehbare) Strafe bekommt, dann ist das System schuld.

Ihr kotzt mich an!

So schnell seid ihr mit ausgestrecktem Zeigefinger dabei, wenn ein Lokalrivalenfan Mist baut, so schnell kann man gar nicht gucken. Aber wenn es um Mist bei uns geht… wird relativiert, wird verteidigt, immerhin passiert das ja unter Alkoholeinfluss mal. Und überhaupt, das ist ja einer von uns. Solidarität und so. Wir sind die Guten.

Ihr kotzt mich an!

Der etwas andere Verein? Keine Ahnung. Ich kenn keinen anderen Verein auch nur annähernd so gut, aber vieles, was bei meinem, bei unserem Verein passiert, geht mir, geht vielen von uns gegen den Strich. Dieses ewige “gehört halt dazu”-Argument. Dieses ewige “wir sind die guten, daher kann das nicht schlecht sein, wenn es von einem von uns kommt”. Dieses ewige “Solidarität um der Solidarität willen”.

Denkt mal drüber nach. Denn nur das Nachdenken ist das, was uns von einigen anderen früher mal unterschieden hat. Nur weil wir den Kopf nicht am Stadioneingang abgegeben haben, konnte das entstehen, was uns mal ausgemacht hat.

Denkt mal drüber nach.

Bitte!

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95 Gedanken zu „Wir sind ja so anders

  1. Und was willst du tun?
    Also ein Bitte! reicht da wohl nicht aus, oder?

    Ich finde es gut, Dinge anzusprechen die einem nicht gefallen, aber was tust du dagegen?

    Das meine ich nicht provokativ, ich habe das an anderer Stelle (bei Frau Jeky im Blog) auch mal gefragt.

    Wenn du daran was ändern willst, mußt du was tun.

    Mich stören viele Dinge, die du kritisierst nicht. Deswegen meine ich die Frage tatächlich ernst: Was willst du dagegen tun? Was kannst du tun?

  2. @nedfuller tja, das ist die große Frage. Hm.. zwei Antworten:

    1. Das hier ist als Blog für mich ja erstmal auch ein Ventil um meinen Frust & Co rauszulassen. Um Zustände zu beschreiben. Auch wenn mir klar ist, dass ich diejenigen, bei denen es nötig wäre, eh nicht erreiche.

    2. Was *kann* man überhaupt im Rahmen des üblichen Tun? Man kann es je nach Fall ansprechen (nach Kosten/Nutzen-Rechnung. Allein gegen ’ne Horde ergibt vermutlich wenig Sinn). Man kann im Stadion Unmut äußern (z.B. Pfeiffen bei Pyros…). Und irgendwie kann man sicherlich auch dadurch, dass man seine Meinung veröffentlicht ein kleines bisschen tun.. Das ist dasselbe wie mit Demos (von denen ich oft nichts halte, Stichwort Effizienz), wenn alle die es scheiße finden, das auch sagen, vielleicht ändern dann wenigstens ein paar ihre Meinung… Oder denken mal über das eine oder andere Nach…

    (und mich stören einige Dinge mehr als andere, und mich stört glaube ich am meisten diese Bigotterie bei einigen, die sich für anders und vor allem besser halten, aber alles genauso machen, wie alle anderen).

  3. Danke, mir aus der Seele gesprochen. Und ja, Herr nedfuller, selbst so ein Blogbeitrag ist was dagegen tun, nämlich sich zu positionieren. Denen, die ähnlich denken, das Gefühl geben, das sie nicht alleine sind, wenn sie die Pyromanen auspfeifen oder die Rassisten zur Ordnung rufen.
    Nicht alles klaglos und resignierend hinnehmen und das Feld kampflos überlassen.
    Das Netz hat viele Möglichkeiten des Meinungstransports. Selbst wenn wenige kommentieren, lesen viele. Und hoffentlich auch die, die ansonsten alle über einen Kamm scheren, die Zugvollkotzer, die besoffenen Homophoben, die erkenntnisresistenten Zündler, die „HSV-ist-scheiße“-Skandierer.

    Was heute alles mit dem Label „Rebellion“ versehen wird, ist wirklich erschreckend. Dabei ist es nur rücksichtsloses, respektloses und hirnlosgelöstes Getöse. Für keinen hehren Zweck, sondern allein der Selbstbelustigung und Selbstpreisung gewidmet. „Mein Verein“ ist doch bei vielen nur noch die Legitimation für geplante Bewusstseinsstörungen.

  4. Pingback: „Wir sind ja so anders..“ Echt? Nee, oder? « Fabulous Sankt Pauli

  5. @Jekylla Danke. Und das ist es halt. Rebellion reicht inzwischen als Label für viele ja schon aus um irgendeine Handlung argumentativ zu rechtfertigen…

  6. Dieser eine Kommentar von einem weiblichen User „drüben“ ist für mich eigentlich die bedenklichste Entwicklung. Weil ich auch glaube, dass es mnittlerweile so ist.

  7. Sehr gut geschrieben, Dinge ganz klar auf den Punkt gebracht. Ich höre mir oft die Kommentare von Bekannten an wenn in unserem Block die Pyromanen zündeln „Ihr seid ja doch nicht besser als alle anderen“.

  8. @juergen Genau das. Und wenn man selbst über zündelnde Gäste wettert, der gleiche Kommentar. Und schon ist man mundtot.

  9. Hab gerade wenig Zeit, dennoch Dank und Zustimmung zu diesem Artikel!

    Soweit ich sehen konnte, gab es übrigens (stand im selben Block weiter oben, konnte aber leider nicht erkennen, wer da gezündelt hat) eine Menge „Ihr seit doof“-Rufe zzgl. Stinkefinger. Ob das bei den Idioten auch angekommen ist (also nicht nur akustisch), wer weiß…

    (Kurzen Gruß auch an Frau J. an dieser Stelle).

  10. @Piet
    Der Diskussion im Forum nach zu urteilen, kommen Missfallensäusserungen diesbezüglich nicht wirklich an. Mag es an den psychedelischen Gesängen liegen oder am grundsätzlichen Unglauben, etwas falsch machen zu können… man weiss es nicht.

  11. Werd da bei Gelegenheit mal vorbei gucken. Die Frage ist ja, ob es „alte“ waren, oder Gelegenheitsfahrer-Modefans, die Pyro als Folklore betrachten, oder solche Leute, die Scheiß Pyro wieder etablieren wollen. Sollte von denen einer Mitlesen: So etwa 10m über ihnen gab es massenhaft Stinkefinger und viel Wut über diese bescheuerte Aktion in einem Stadion, in dem ich mit Ärger seitens der Hannoveraner gerechnet hatte (das komplette Gegenteil war der Fall!), aber nicht mit St. Paulianern (das Gegenteil war leider der Fall, s. Pyro, s. Rückfahrt im ICE, u.a.m.). Sehr beschämend.

  12. Die Bilder lassen zumindest einen Rückschluss auf den Standort zu. Pyrofolkloristen ganz sicher.

    Über die Rückfahrt im ICE habe ich auch von der Bezugsgruppe gehört.

    10 Meter weg? Das ist ja eine ganz andere Welt…

  13. @Piet meine Wahrnehmung (Sitzplatzblock vorne, links vom Fanblock mit den Pyros) war auch die, dass es einen sichtbaren Teil gab, der das ablehnte. Aber eben auch genug, die das cool fanden…

    Das mit der Rückfahrt kenn ich nicht im Detail, da privat unterwegs, aber es gibt halt so oder so gewisse Gründe, warum ich ungern in Fanzügen reise… Offenbar ja immer noch zurecht.

  14. Du hast recht. Geh doch bitte zu den öffentlichen Treffen mit USP und halte ihnen den Text unter die Nase. Würde mich interessieren, was sie sagen…
    (Ich weiß natürlich, dass USP nicht allein und an allem Schuld ist, aber es ist nun mal die größte Gruppe.)

  15. @Stefan als informative Maßnahme könnte man den Text auch mal im Forum verlinken. Ich habe so eine Ahnung, wie die Reaktionen so ausfallen könnten.

    Aber grundsätzlich ist das eine sehr gute Idee. Herr Curi0us, was sagen Sie? Ich komm mit.

  16. @Stefan puh. Ich hab jetzt mal bewußt nicht USP genannt, weil ich keine Ahnung habe, ob die (vor?) Urteile zutreffen.

    @Jeky das wäre mal ein Happening, wobei ich vermute das ginge auch ohne Textvorlage.

    Allgemein: Es geht mir hier echt nicht um USP-Bashing. Ich kann mir bei einigen der Themen da oben durchaus vorstellen, dass die Jungs und Mädels aus der Südkurvenmitte dazu differenzierte Ansichten haben. Ich betrachte das ganze sehr Gruppenneutral.
    (Ob nun usp, irgendein anderer Fanclub oder unorganisiert: Scheißverhalten ist Scheißverhalten).

  17. @Curi0us Sicher ginge das auch ohne Textvorlage, aber eine sehr gute Diskussionsgrundlage, die man als Rahmen benutzen kann, ohne in tausend Nebenkriegsschauplätze abzudriften, schadet nie.

    Auch ohne bewusst eine Gruppe zu nennen, gebe ich Stefan Recht, es ist nun mal die grösste Gruppe mit nicht gerade geringem Einfluss. So oder so.

  18. Ich möchte auch kein USP Bashing betreiben. Ganz im Gegenteil. Ich habe nämlich Respekt vor den Leistungen dieser Gruppe. Mein Beitrag war eher so gemeint, dass Du IMHO eine Veränderung nur mit USP hinbekommst – niemals dagegen. Daher hilft meines Erachtens nur die Kommunikation untereinander.

  19. Hi,

    ein wirklich sehr guter Artikel, der mir in vielen Dingen aus der Seele spricht, Respekt! Lob von Seiten eines HSV-Fans ist vermutlich hier nicht so gewünscht, aber was soll’s 😉

    Ich würde zwar statt „Ihr kotzt mich an“ eher eine andere weniger beleidigende Überschrift wählen (z.B. „das geht mir auf den Geist“), das ist aber nur eine winzige Anmerkung.

    „Ihr singt “HSV ist scheiße”
    => waaaaaaaaas…??? 😉

    @Stefan: Tolle Fotos!

    Schoenen Gruss von einem Fussballfan aus H A M B U R G nach H A M B U R G!!!

  20. Lautrer Fans sind verrufen weil wir (während) der 90 Minuten den Gegner als Feind ansehen und schmähen und hassen was das Zeug hält. Danach und davor gibts Respekt (außer vielleicht für Hoppenheim oder Mainz).
    Die Pyros aus den 90ern (schau mal http://www.betzebub.de/?p=497 ) werden heute noch in Zeitungen und Fernsehen als tolle Stimmung gelobt, heute ist man Schwerverbrecher.
    Und vieles was Dich stört ist bei anderen Vereinen fast genauso. (außer daß wir niemals das Lied des Gastvereins spielen würden :-))
    Also schöner Artikel aber das ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, deswegen mach Dir nichts draus. Ändern kannst Du es nicht.

  21. @Stefan okay, ich war mir zugegeben zunächst nichtmal sicher, ob bei Dir Ironie im Spiel war 🙂 Und Du hast sicherlich recht, dass sowas mit USP einfacher ist, als gegen USP!

    @Super_HSV hier ist jeder willkommen, egal von welchem Verein (und Lob und Kritik gleichermaßen..) Das mit dem Ankotzen.. naja, es ist halt de facto so, dass mir das nicht ’nur‘ auf den Geist geht. Von daher…

    @Betzebub ich MAG Pyros. Optisch. Ich fand das sah damals in den 90ern im Stadion auch wirklich toll aus, Flutlichtspiel am Millerntor, Pyro über der ganzen Gegengerade. Ich hab das oft genug live erlebt.

    Und jetzt kommt das große ABER: Ich hab es schon immer gehasst, daneben zu stehen, und – völlig unabhängig von gut oder schlecht – es ist verboten und nicht ganz risikoarm.
    Und solang das so ist führt das abbrennen von Pyros (zusammen mit vielen anderen Dingen) mittelfristig mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu stärkeren Restriktionen, zu Einlasskontrollen bei denen man sich komplett entleiden muss etc. pp. Und DAGEGEN sind dann wieder alle, aber keiner sieht, dass das eigene Handeln dazu die Legitimation gibt.

    Und.. kein Plan, ob es was ändert. Ich fühle mich besser, weil ich es geschrieben habe. Fühle mich besser, weil hier lauter Menschen kommentieren, die ich noch nie hier gelesen habe (und die ich hier herzlichst willkommen heiße), Menschen aus „aller Herren Länder“ (Gott, bin ich pathetisch :-)), die es scheints zumindest ähnlich sehen oder nachvollziehen können. Allein damit hat der Artikel schon mehr als genug erreicht. Das ist toll.

  22. «Die Pyros aus den 90ern werden heute noch in Zeitungen und Fernsehen als tolle Stimmung gelobt, heute ist man Schwerverbrecher.»

    Nicht Schwerverbrecher, nur scheiße. Was es auch in den 90ern schon war und Gott sei Dank zurückgedrängt wurde. Dass Medien sich in z.T. bigotter Art und Weise zum Thema Pyro äußern, macht den Sch** nicht besser!

    Meinen tiefsten Respekt im Übrigen Richtung Bruchweg (wenn auch dem magischen FC stets nachgelagert 😉 )!

  23. Nachdem ich im Forum auch meinen kleinen Diskussionsbeitrag geleistet habe, möchte ich auch hier ein wenig zum Thema Fanverhalten schreiben. Pyro in einem Stadion ist meiner Meinung nach ein Unding, welches auf Dauer nur zu englischen Verhältnissen bzw. alleinige Sitzplätze und personalisierten Tickets führen wird. Denn aus gesundheitlichen Gründen kann man derartiges nicht akzeptieren oder tolerieren. Jeder, der das anders sieht, hat ein Problem mit der Wahrnehmung und Verarbeitung der Realität – und der Toleranz gegenüber den Fans, die keine Lust auf gefährliche und verrauchte Situationen im Stadion haben.

  24. Meine volle Zustimmung.

    Und gerade beim Pyro geht es gar nicht drum, obs cool ist oder nicht. Fakt ist: Der Verein bekommt ne Strafe. Und die ist nicht zu knapp – wir sind ja inzwischen gut geübte Wiederholungstäter. Wenn ich dann sehe, wie die Fanräume um jeden Cent kämpfen, dass der Fanladen Geldnöte hat, dass die Mütter der C-Jugend Kuchen verkaufen, weil der Verein die Kosten nicht trägt … dann kriege ich einen ziemlich dicken Hals, wenn da eine kleine Gruppe meint, über dem Gesetz zu stehen, und UNSER Geld aus dem Fenster jagt.

    Gruß, Kiesel

  25. zum glück bin ich anders als z.b. die gestalten am freitag im ice von hannover nach hamburg.

    märchen fangen an mit…es war einmal vor langer zeit, da waren wir so anders….

    am freitag umringt von hannover fans war für eine kurze zeit in der 1. halbzeit annerkennung und respekt für die fans vom fcsp deutlich zu spüren. nach der pyroshow mußt ich mich bei wildfremden menschen entschuldigen und genau das geht mir auf die nerven.

  26. Das, was KleinerTod sagt, dürfte im Endeffekt bei unverdrossenem Weiterzündeln rauskommen. Noch mehr Restriktionen. Anreise der Gästefans mindestens zwei Stunden vor Spielbeginn, um gründliche Durchsuchungen vornehmen zu können. Leibesvisitationen gar, ist ja auch keine Utopie mehr. Und dann wird rumgeheult und wieder nach Fanrechten gerufen und schon schliesst sich der Kreis wieder.

    @Betzebub: dass Pyro super aussieht, bestreitet auch keiner, ich auch nicht. Pyronalen zum Beispiel sind was ganz großartiges. Aber eben mit den entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen, von Profis gezündet. Es gibt extra Feuerwerkerforen, aber wir haben da jugendliche Dilettanten am Start, die meistens noch gut betankt sind – Risiko galore.
    Aber das schlagendste Argument ist, dass es kostet. Und wie Kiesel sagt, das Geld an anderen Ecken und Enden fehlt. Und auch da ist dann das Argument „tja, wir müssen ja für die Zündeleien immer immens rauslegen“.

    Auf der einen Seite spende ich für Fanräume und in der Vergangenheit für Choreos auf der Süd (!) und darf dann u.a. mit meinem Mitgliedsbeitrag für den Unfug noch nachlegen.

  27. Ich liebe den FC St. Pauli. Ich liebe die Mannschaft, die Trainer, die Stimmung im Stadion, die Freiheiten, die der Verein den Fans zugesteht (wo sonst darf man sonst Blumen vor seinen Sitzplatz pflanzen?), und so platt das nun klingen mag, ich kann mir nicht vorstellen jemals so für einen anderen Fußballverein zu empfinden.

    Ich denke, dass ich mit diesen Gefühlen nicht so ganz alleine bin. Und ich denke, dass es doch dann nicht so schwer sein kann, sich so zu benehmen, dass der eigene Verein sich nicht für seine Fans schämen muss.

  28. @Piet @Kleinertod @Kiesel @Sparschaeler @TantePolly Danke! Das zeigt mir doch sehr deutlich, dass ich oder wir bei weitem nicht allein sind mit der Perspektive.

    @nedfuller – das vielleicht noch als Ergänzung zu meiner Antwort an Dich – es zeigt, dass man nicht allein ist, dass es noch nicht sinnlos ist, seinen Standpunkt zu vertreten…

  29. @Tante Polly: fahren Sie öfter mal auswärts?

    @nedfuller ich werde es Ihnen wahrscheinlich nie erklären können, glaube ich, aber mit der Einstellung „was soll man denn machen“ und einem abschliessenden Achselzucken könnte ich nicht klarkommen. Also für mich jetzt. Wenn alle so dächten, wäre das fatal, oder?

  30. Danke. Du greifst ziemlich genau das auf, was mein „Zuhause“-Gefühl unter St.Pauli-Fans ausmacht. Was mich von diesem Verein und seinen Fans überzeugt hat. Ich höre mir oft genug „Gutmenschverein“-Pöbeleien an, sehe aber gern darüber hinweg, dafür, dass ich nicht (wie in anderen Stadien) mein Hirn am Eingang abgeben oder mir das ganze Spiel von rassistischen, aggressiven, homophoben, bis zur Unkenntlichkeit betrunkenen „Fans“ verderben lassen muss. Und ja, es ist jede Zeile wert, zu wissen, dass ich damit nicht allein bin. Ich werde mich weiterhin mit den o.g. „Fans“ verbal anlegen. Kein Applaus für Scheiße.

  31. Dann bereiten Sie sich auf Alkoholleichen am Tribünenrand bereits eine Stunde vor Spielbeginn vor, die von Sanitätern versorgt werden müssen oder welche, die es nicht mal aus dem Bus schaffen, weil sie schon so zugerußt sind. Sehr unterhaltsam auch die, die unter Absingen von sexistischem Liedgut oder Anwendung volltrunkener Handgreiflichkeiten in Zügen ihre St. Pauli Zugehörigkeit lauthals demonstrieren.

    Sagen wir mal so: es empfiehlt sich die Einzelanreise. Oder in einer entsprechenden Bezugsgruppe, sonst könnte das unschön werden. Wo es eigentlich auch so schön sein kann.

  32. Na das ja ma‘ ’n Standpunkt der gefällt.

    …hate the Volksparkbastards…
    …and beat the fu**in’…

    …wir sind ja so anders…

    Mund aufmachen, tue ich auch, bei jeder Gelegenheit, leider zu oft ungehört und nicht verstanden….

    Doch irgendwie wird das Unterfangen immer aussichtsloser. Leider.“Ihr kotzt mich an“ finde ich angebracht und passend, da es mir aus der Seele spricht. Was, abgesehen von den Pyro’s Mitte/Ende der 80er fast 12 Jahre gelebt & gepflegt wurde, steht auf der Kippe. Leider machen sich zu wenig „Old Schooler“ gerade, beugen sich zum Teil dieser „neuen Euphorie“ mit der die „Jung Skull Träger“ daher gehen, das Anders propagieren, es aber nicht leben.

    Es ist wieder soweit: Ein Teil gibt den Kopf vor dem Betreten des Millerntor bzw. dem Einsteigen in einen Fanzug ab.

    Danke für die Zeilen!

    Vorüt Bruun Wit!

  33. @Janaberlin Danke!

    @TantePolly bei allem negativen, was Frau @Jekylla hier zurecht beschreibt… Es gibt mehr als genug positives, was das (zum Glück. Noch!) ausgleicht. Und Frau @Jeky fährt wie ich aus uninformierten Kreisen weiß trotz allem immer noch mit Begeisterung auswärts. Aber ich bin sicher, sie wollte das auch gar nicht madig machen.

    @Jekylla danke für die Links. Den Fanladen-Link hatte ich auch schon im Auge. Und völlig egal, was man von der Polizei hält, ist es sicherlich nicht unklug, deren Perspektive auch mal aufzunehmen, vor allem, wenn diese so differenziert daher kommt.

    @Quotenrocker dem ist nichts hinzuzufügen. Danke!
    Toleranz gegenüber den jüngeren, anderen ist ja auch völlig okay, aber alles mit Schulterzucken und „wir waren früher auch Aussenseiter“ abzutun.. ich weiß nicht.

  34. Klar ist das Aufschreiben und Ansprechen ein Weg. Aber die Unmutsäußerung reicht dann wohl nicht aus, sagst du ja selber.

    Und was „man“ tun kann wollte ich nicht wissen, sondern was du tun willst.

    Ob „man“ überhaupt was tun kann? Vielleicht nicht. Aber wenn „man“ es nicht versucht, dann ändert sich auch nichts.

    Also nochmal die Frage: Was willst du tun?

    Ich gehe mal davon aus, daß du zumindest die angesprochenen Punkte selber nicht tust. Das ist schonmal ein erster Schritt. Aber wie veränderst du die anderen?

  35. @Curi0us Ich bin jetzt schon sicher, dass das nicht ernstzunehmen ist, weil die Polizei das sagt. Nur sagt sie nichts anderes als die, die davon als Fans genervt waren. Aber man ist da gern pipi-langstrumpf-esk und macht sich die Welt….

    @TantePolly er hat Recht, ich fahre immer noch mit Begeisterung auswärts, aber seine Begleitung sollte man sich gut aussuchen und den Steh-/Sitzplatz auch.
    😉
    Ob diese Begeisterung langfristig aufrechtzuerhalten ist, bleibt allerdings abzuwarten.

  36. @Jekylla Keine Sorge, ich halte es so oder so für den falschen Weg auf etwas zu verzichten, nur weil ein paar Spacken ihr Hirn zu hause gelassen haben. Außerdem halte ich mich für gut genug erzogen, als dass ich zur „Aufwertung“ des Bildes, das andere von St. Pauli-Fans haben, beitragen könnte.

    @nedfuller Ich denke, viel mehr als Position beziehen, immer wieder deutlichen machen, dass einige Aktionen doof sind, kann man fast nicht tun. Wobei ich spontan Lust hätte, @Curi0us Blog-Beitrag ein paar mal auszudrucken und vor dem nächsten Heimspiel vorm Stadion zu verteilen, falls er damit einverstanden wäre.
    Aber vielleicht hast du noch andere Ideen?

  37. @TantePolly gute Idee! Wir müssen ja eh da vorbei 😉

    @nedfuller auch in einem Forum die Diskussion mit denen aufrecht zu halten, die der Meinung sind, die Mehrheit findet das super, kann sinnvoll sein, wenn sich nach und nach mehr und mehr Leute trauen, sich auch zu äußern, dass es vielleicht doch nicht die Mehrheit ist, sondern die Mehrheit nur schweigt?

    Und wie Tante Polly sagt, Unmut kundtun. Auch im Stadion. Im Gästeblock. Manchmal reicht einer, der damit anfängt…

  38. Aaaaaaah – puuuh. Mir gehen da ja verschiedene Aspekte doch zu sehr durcheinander. Daß sich die Diskussion auf die Pyro-Frage zuspitzt, was schade ist, weil zumindest ich die Frage nach dem „Wir sind anders“ daran nun als allerletztes aufhängen würde, die ist doch überall anders genau so kontrovers, kann das nicht daran liegen, daß die Fragen falsch zugespitzt sind?

    Was mich persönlich, kurz zutiefst ehrlich, immer rasend macht, seitdem ich hier und bei Jeky lese, ist, daß die Diskussion als „Benimm Dich!“-Diskussion satter Bildungsbürger geführt wird ( das mit dem Bildungsbürger muss ich gerade schreiben). So daß ich nach der Lektüre des Textes schon aus reinem Trotz Lust hatte, sinnentlehrt mit Pyros zu schmeißen, mich noch besinnungsloser zu besaufen und HSV-Fans sinnlos zu beschimpfen.

    Da stimmt was an der Fokussierung nicht, weil das eigentlich Bedenkenswerte hinter diesem „Benimm Dich!“ verschwindet. Fragen nach dem Kampf gegen Homophobie und Sexismus und Rassismus, meiner Ansicht nach auch einer gemäßigten Kapitalismuskritik und einem historischen Bewusstsein, sind ja solche, die die Forderung nach wechselseitigem Respekt nicht im Sinne einer Benimmlehre, sondern viel fundamentaler stellen. Ob da nun lautes Musikhören oder Pyro oder Saufen nun in den Mittelpunkt der Diskussion gehören, wäre dann erst die Anschlußfrage, weil das Millerntor als überdimensionierter Langnese-Familienblock, mit braven Parolen gespickt, denen auch Herr Ahlhaus problemlos zustimmen kann, nun auch nicht das ist, was die Historie des FC St. Pauli besonders macht. Womit ich die Frage einfach anders gestellt habe, egal.
    Und weil die Punkrock-Wurzeln als Ästhetik des Widerstandes, somit auch gezielte Regelverstöße, mir zumindest maßgeblicher erscheinen als Plädoyers, die auch in evangelischen Kirchengruppen gehalten werden könnten.

    Zum Glück schwappt langsam eine St. Pauli sich aneignende Hip Hop-Kultur „migrantischer“ Jugendlicher ins Stadion, die das alles eh bald aufmischen wird. Zum Glück deshalb, weil die Alternative zwischen Komasaufen und „Benimm Dich!“ uns letztlich nur noch langweiliger machen würde als den HSV. Das kann es ja auch nicht sein.

  39. @momorulez
    „Da stimmt was an der Fokussierung nicht, weil das eigentlich Bedenkenswerte hinter diesem “Benimm Dich!” verschwindet. Fragen nach dem Kampf gegen Homophobie und Sexismus und Rassismus, meiner Ansicht nach auch einer gemäßigten Kapitalismuskritik und einem historischen Bewusstsein, sind ja solche, die die Forderung nach wechselseitigem Respekt nicht im Sinne einer Benimmlehre, sondern viel fundamentaler stellen.“

    Natürlich ist die Pyro-Benimm-Diskussion nur das kleinste aller Probleme, aber nicht mal einfachste Zusammenhänge sind da begreiflich zu machen, was erwarten Sie bitte bei komplexen Themen, wie Sie sie gerne diskutieren würden?
    Das ist doch gerade das Problem, das interessiert diese Klientel doch mittlerweile gar nicht mehr. Saufen, Böller, Bierbecher, Sing-a-long – das kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass das das neue St. Pauli ist.

    Und sexistische Ausfälle sind genau da auch erstaunlich oft anzutreffen. „Die Punkrock“-Wurzeln als Ästhetik des Widerstandes“- das sind langsam auch ausgeträumte Träume. Ich war dem Punkrock und dem, was er symbolisierte, seinerzeit -und das ist lange her- sehr verbunden, das, was ich heute sehe, ist wenn überhaupt ein kümmerlicher Rest. Zumindest das, was sich bei St. Pauli abspielt. Rebellion war früher.

  40. Und im Übrigen: wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich wahrscheinlich eher für die Hippiescheisse entscheiden als für nur Scheisse. Aber das wissen Sie ja.

  41. Na, dann sind wir alten Säcke vielleicht auch einfach dazu da, daran zu erinnern, was Punkrock mal bedeutet hat? Wenn ich z.B. die Verlautbarungen von USP lese, dann sind die zudem nun wirklich alles andere als blöd.

    Ich hoffe, ich erinner mich nach meinem Youtube-Ausflug gerade nicht falsch: Nate 57, z.B. mit „Blaulicht“, einfach mal eingeben – das wird uns intensiv beschäftigen. Ich find das gut 😉 …

  42. Zumindest die, die die Verlautbarungen schreiben, sind nicht blöd. Das ist ja das Gruselige, wenn man sieht, was dann dabei rauskommt.
    Das erinnert mich an was, was hier aber zu weit führen würde.

    Glauben Sie wirklich, dass das noch ernsthaft die jungen Wilden in den betroffenen „Sektoren“ interessiert, was Punkrock mal bedeutet hat? Als es noch keine Fanrechte gab, für die man demonstrieren gehen konnte?

    Ich bin da nahezu komplett desillusioniert. Und wenn die Alternative zu Scheiss-Verhalten (ich zitiere mal von weiter oben) HSV-Langeweile ist (ich zitiere mal Sie sinngemäss), dann entscheide ich mich in all meiner bourgeoisen Benimm-Dich-Attitüde für das zweite. Weil, wie Curi0us es in seinem Text ausführt, das, was St. Pauli ausmachte und besonders machte, langsam dahinsiecht. Siehe Teil 2 und Teil 3.

  43. Und irgendwann geh ich dann auch ins Stadion, konsumiere Fussball auf einem Sitzplatz weit weg oder leiste mir ein Sky-Abo mit Astra und Chipstüte auf der Couch. Manchmal bin ich so müde. 🙁

    Jetzt zum Beispiel. Und raus.

  44. @momorulez Blöde Frage: Wieso müssen Revoluzzer zwingend rücksichstlos sein? Seit wann sind Punks nicht mehr fähig sich zu benehmen? Und wenn dir Curi0us‘ Fragestellung nicht gefällt, wieso stellst du dann nicht in einem anderen Beitrag andere Fragen? Gegen Homophobie und Sexismus und Rassismus zu sein ist zumindest für mich nirmal und hat IMHO dermaßen wenig mit Fußball zu tun, dass es mir schon sehr an den Haaren herbeigezogen vorkommt.

    Sehr viel mit Fußball hat aber der Aufenthalt in den Stadien, die Hin- und Rückreise in öffentlichen Verkehrsmitteln und der Umgang mit gegnerischen Fans vor und nach dem Spiel zu tun. Und wenn jemand meint, er müsse da rumpöbeln oder gar andere Leute gefährden, meckere ich – bei unseren Fans mehr als bei anderen. Und wenn ich so besoffen wäre, dass ich in den Zug kotze, würde ich mich in Grund und Boden schämen und schäme mich fremd, wenn es andere St. Pauli-Fans tun. Sowas ist nicht Rebellion, sowas ist einfach nur peinlich und prollig. Und es kotzt mich an, dass Fußball immer wieder als Ausrede für rücksichtsloses und dummdreistes Verhalten benutzt wird. Dagegen rebelliere ICH, oder ich versuche es zumindest. Denn dazu gehört gewiss mehr Intelligenz als sich an den alten Punkrockidealen festzuhalten. 😉

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