Gedankenspiele RTL Interactive/FC St. Pauli

Nun gibt es also offenbar einen neuen Partner beim FCSP: RTL-Interactive.

Dazu ein paar Überlegungen.

Wer zu wem?

RTL Interactive gehört in die “RTL-Group” zu der auch die zu Recht vielkritisierten Fernsehsender gehören. Also RTL und RTL 2 und so.

Zur RTL-Group gehörte aber bis zum Mai 2015 auch UFA-Sports, die seit 2009 mit unserem Herzverein verbandelt sind.
Ich kann mich nicht erinnern, dass es damals gejammer gab, dass UFA Sportszu RTL gehört.

Interessanterweise hat UFA-Sports im Mai den Besitzer gewechselt und gehört jetzt zu Lagardère. Ein französischer Medienkonzern, zu denen übrigens auch Upsolut gehört, die ja unser Merchandise betreuen. Für mich offen ist, ob das ein “noch” ist. Da gab oder gibt es ja gewisse Unstimmigkeiten über den Vertrag – wobei ich nicht weiß, wie das unser aktuelles Präsidium bewertet.

Wozu?

Wenn man sich dann anschaut, was RTL-Interactive bisher so gemacht hat, könnte man auf die Idee kommen, dass es vielleicht eher nicht vorrangig darum geht braun-weiße Tiefkühltorten und den FCSP-Grill für den Fanshop zu entwickeln (was ja Upsolut auch schon leidlich erfolgreich macht), sondern eher darum sich einen Partner ins Boot zu holen, der mit einer Kernkompetenz “Video On Demand” in der Lage sein könnte die Telekom bei FCSP-TV abzulösen. Die stecken nämlich z.B. hinter Clipfish und RTLNow.

Schaut man sich die letzten Monate bei FC St. Pauli-TV um, fällt nämlich ins Auge, dass selbstproduzierter Content derzeit kaum dort sondern oft eher im Vereinskanal bei Youtube zu finden ist.

Das war mal anders. Woran das liegen könnte? Persönlich würde ich es auf die technisch angestaubte und ziemlich fehleranfällige Plattform bei FCSP-TV schieben. Mir jedenfalls stürzt Flash browserunabhängig gefühlt in 3 von 4 Versuchen dort was anzuschauen ab. Vielleicht gibt es bestimmte Vertragliche Details, die dazu führen, dass trotzdem zwischendrin “bunter” Content – also Interviews o.ä. “exklusiv” dort veröffentlicht werden muss. Vielleicht kommt hier ja zur kommenden Saison dann eine neue Lösung (ich weiß nicht, ob das nur mein Wunschdenken ist. Ich spekuliere hier nur wild.)

Solange der Verein eine konkurrenzfähige Plattform anbieten will, bei der es lizensiertes Material (also Spiele und Ausschnitte!) gibt, brauchen wir vermutlich einen Partner, zumal sich da ausreichend know how zu erarbeiten nicht ganz einfach – vulgo nicht ganz preiswert sein dürfte.

Und man muss eben die Rechte (!) an dem Material auch besitzen. Die Rechte liegen, soweit ich weiß, im Moment komplett gebündelt bei SKY. Auch für Online! Das heißt im Gegensatz zu früher, als die Telekom die Online-Rechte selber hielt, müssten die jetzt auch für St. Pauli-TV schon vom Betreiber (also wohl die Telekom) zugekauft worden sein.

Von daher wäre hier ein Wechsel wohl auch mit Blick auf die Rechte evtl. unproblematischer als früher. Übrigens basiert HSV Total – das HSV-Pendant zu FCSP-TV auf der selben Plattform. Vielleicht könnte man sich ja so wieder mal abheben…

Was noch?

Dazu dann eben Lizensing – also das, was wir neulich schon mit diesem St-Pauli-Krabbensalat hatten.RTL Interactive findet Partner, die die St. Pauli-Backmischung auf den Markt werfen wollen, oder so. Finde ich je nach Partner zwar persönlich etwas seltsam und käme wohl eher nicht auf die Idee die Braun-Weiße St. Pauli-Milch mit Schokogeschmack zu kaufen, aber solang es Geld bringt… wer das doof findet, muss es ja nicht kaufen. Zumal ich mir vorstellen kann, dass gerade Kinder sowas großartig finden. Und ja, neue “Zielgruppen” und damit irgendwann vielleicht mal Fans für den Verein begeistern ist keine schlechte Sache. Und ja, das erreicht man auch mit profanem Merchandising, selbst wenn uns aus der Mitte des Vereines vielleicht merkwürdig vorkommt.

Nur ist auch unsere politische Botschaft ja deutlich leichter weiter zu tragen, wenn Mensch uns schon mal sympathisch findet. Ob nun wegen der Schokomilch oder wegen des Stadionerlebnisses oder sonstwarum.

Edit: Weil das bei Facebook in der Diskussion war:

Ich bin ausdrücklich nicht dafür, alles, was Geld bringt zuzulassen. Ich bin auch ausdrücklich nicht dafür, alles, was theoretisch möglich oder von wem auch immer vorgeschlagen wird an Kooperation oder Lizenzprodukten auch zu machen. Ich hab aber mit der (konstruiert) HanSano St.Pauli-Schokomilch keine Probleme, genausowenig wie ich mich am St. Pauli-Duschgel aus dem Fanshop störe. Aber natürlich gibt es Grenzen. Ich gehe aber einfach mal davon aus, dass sowas in den relevanten Gremien im Verein auch diskutiert wird. Man wird nie vollständige Einigkeit erzielen zwischen allen. Klar ist, dass es Von “mir alles ganz egal” bis zu “eigentlich sollten wir nix verkaufen” alle Positoinen im und um den Verein gibt. Das heißt aber natürlich auch für mich nicht, dass ich es total supi finde, wenn nächste Saison wieder Wumbo als Maskottchen über den Rasen hüpfen würde. 

 

Die Null muss stehen

Reden wir über Fußball

FC St. Pauli : Eintracht Braunschweig. 1:0.

Bemerkenswert für mich drei bis sieben Dinge:

Zu Null. Und zwar völlig zurecht. Braunschweig mit gefühlt 1,5 ernstzunehmenden Torchancen, die Tschauner in der aktuellen Form fast schon entspannt einsackt.
Sonst war da wenig, was mir Sorge machte.

Zugestellt. Das war der Haupt-Grund für das zu Null: Die Viererkette und je nach Situation drei bis fünf Mittelfeldakteure standen in der Defensive einfach auch verdammt gut. Die Passwege in die relevanten, weil torgefährlichen Zonen waren meist sicher zugestellt. Okan Kurt, Dennis Daube und Flo Kringe harmonierten meist gut im zentralen Mittelfeld. Zwei der drei meist vor der Viererkette, einer (meist Kringe, später Aloushi) auf den ballführenden Braunschweiger. Parallel Verhoek, der half und gerade bei Ballbesitz Braunschweig sehr viel ackerte, Anspielstationen zulief, oder eben auch versuchte direkt auf den Ballführenden oder den Ball zu gehen.

Zusammen: Natürlich ist es leichter, das Gefühl zu haben, da steht eine Mannschaft auf dem Platz, wenn es läuft. Und 1:0 hatten wir halt länger nicht mehr so richtig. Aber trotzdem da wurde gemeinsam was versucht. Anders klappt das mit dem Zustellen ja auch gar nicht. Immer wieder Szenen, in denen es unaufgeregte Kommunikation gab, die von den Gesten das Gefühl gab, es ginge um die Spielsituation.
Kringe, der immer wieder aufpushte, forderte auf die ballführenden Braunschweiger zu gehen. Tschauner, der gerade die jüngeren (welche Älteren wären überhaupt noch da gewesen? Eben) immer wieder anspornte, Aktionen lobte.
Nöthe und Rzatkowski die immer wieder defensiv dabei waren, geradezu hinter den jeweiligen Spielern hinterher jagten.

Kopfbälle: Sobiech und Ziereis. Die erste Innenverteidigung in dieser Saison, bei der ich mich „sicher“ fühlte. Thorandt und Ziere wirkten unkoordiniert. Gonther und Sobiech vielleicht noch nicht eingespielt genug. Gestern passte das. Einer war immer, wenn es hätte brenzlig werden können in Ballnähe und warf sich in den Zweikampf. Einer stand meist etwas weiter weg. Aber die zentralen Kopfballduelle in der Mitte wurden gefühlt fast alle gewonnen.

Tschauner: Das was kam gehalten. Was mir schon die ganze Saison gefällt ist, dass er mehr und mehr versucht aktiv das Spiel mitzugestalten. Gerade bei Ballbesitz.
Und das ist im Zweifel auch genau das, was zu seiner immer schon vorhandenen Reaktionsschnelligkeit und Stärke  auf der Linie und im 1:1 noch fehlte. Auch bei Ecken und Flanken geht er (glaube ich) direkter auf den Ball, fing diesmal auch zwei, drei Dinger direkt ab, bevor da ein Feldspieler zwischen kommen konnte.
Dazu fühlte es sich für mich so an, als würde er seine Kapitänsbinde dadurch rechtfertigen, dass er sein Team auch neben dem fußballerischen Unterstützte.

Noobs: Okan Kurt und Andreij Startsev. Richtig gut gespielt. Okan gefiel mir von Anfang an. Wollte den Ball oft, und gab ihn dann auch nicht mehr zurück. Viele Pässe, gute Ideen, und in den Nicht-Risikopässen sehr sicher. Wurde nach und nach immer sicherer und besser.
Startsev in den ersten 15 noch irgendwie etwas unsicher, sah 2, 3 Mal so aus, als hätte da was auf seiner Seite anbrennen können – brannte es aber nicht, wohl auch dank dem Support aus der IV. Trotzdem: Großes Spiel. Inklusive guter Impulse nach vorne.

Dazu Dennis Daube mit einem prima Spiel. Auch hier in den ersten Minuten ein paar irgendwie ärgerliche weil nachlässige Ballverluste, danach immer stabiler. Ein paar richtig schöne Pässe in die Schnittstelle. Schön.

Nicht so gut war der Schiri, der irgendwie „schief“ pfiff. Viele Aktionen der Braunschweiger ließ er laufen. Viele der Braun-Weißen pfiff er ab. Paar für mich klare taktische Fouls der Braunschweiger ohne Karte, dafür Ziereis (zurecht) gelb für Trikotziehen (auch taktisch, aber in meinen Augen richtig von Ziere, in der Situation die Gelbe zu ziehen. Der Gegner wäre ihm sonst enteilt und er selbst hätte hinten gefehlt.).

Verhoek fällt viel. Ich hab ja gar nichts dagegen, wenn Spieler ab und an mal versuchen, Situationen in unserem Sinne zu gestalten, aber das sieht mir noch zu „gewollt“ aus. So wird das nix.

Ja, ich weiß, „Du kannst das doch nicht gut finden, wenn Du über $sonstwen meckerst“. Doch, kann ich. Ich mache nämlich immer noch Unterschiede zwischen “unseren” und “den anderen”. Wenn der Schiri für uns pfeifft, ist er zwar schlecht, aber mir egaler, als wenn er für die pfeifft. Isso. Ich will, dass “wir” gewinnen. Nicht die.

Erinnert Ihr Euch noch an das Düsseldorf-Spiel vor zwei Jahren? Wo wir naiv und brav von schlitzohrigen und dreckig spielenden Fortunen abgezockt wurden? Alle waren sich einig, dass wir zu naiv sind. Verhoek könnte einer der Spieler sein, der genau das nicht ist. Der da Kontrapunkte setzt.

Gefiel mir übrigens auch gut, wie Kringe, Daube, Sobiech und Ziereis bei Freistößen für Braunschweig immer wieder den Ball zustellten und so das Momentum raus nahmen. Genau so musst Du das spielen.

Oder am Ende, als der Ball mehrfach schnell nach links vorn gespielt wurde. Vier St. Paulianer in Ballnähe. Ball halten, Fuß drauf stellen, Uhr runter spielen. Das ist nicht schön, aber genau so was ist einfach immer mal wieder nötig.

Torausbeute: Das ist jetzt das Luxusproblem – aber da ging mehr. Drei, vier Kontersituationen hätten sauberer zu Ende gespielt werden können, dann wäre es auch am Ende weniger spannend gewesen. Egal. Gewonnen!

Und schließlich: Der Trainer. Schulle jetzt mit 3 Punkten aus zwei Spielen an der Linie. Besser, als Meggle. Was will uns das sagen?

Danke an die Mannschaft und das Team. Bester Auftritt seit Monaten. Trotz (oder wegen?) diverser verletzter Stammspieler. Weiter so. Das war noch nicht alles gülden, aber immerhin schon mal wieder nicht nur Blech.

Und finally: Trybull? War was die Einsatzzeiten anging eigentlich auf dem Weg zum Stammspieler. Jetzt komplett aus dem Kader? Hm. Das sah ja letzte Saison schon teilweise sehr lustlos aus. Zusammenhänge? Ich unke nur.

Gastbeitrag: Auswärtsfahrt in die Heimatstadt – FCSP:SGD

Das hatte ich auch noch nie. Eine befreundete Twitterin fragt mich, ob sie mein Blog als Plattform nutzen könne um über das Dresden-Spiel zu schreiben, weil sie selbst kein Fußballblog hat. 

Konkreter: Die Mandy Matz vom Buchblog um die Ecke war in Dresden dabei und hat sich etwas aufgeregt. So wie sich das liest zurecht. Aber lest selber: 

Ich wurde vor 25 Jahren in Riesa geboren. Seit beinahe sieben Jahren wohne und studiere ich in Leipzig. Trotzdem sehe ich Dresden als meine Heimatstadt an. Hier habe ich den größten Teil meines Lebens verbracht, hier bin ich aufgewachsen. Mein erstes Fußballspiel war ein Dynamo-Spiel. Mit meinem Opa. Ich glaube, gegen Hertha, auch wenn ich nicht weiß, ob die beiden Vereine überhaupt jemals in einer Liga gespielt haben.

Die fussballinteressierten Mitglieder meiner Familie sind nicht unbedingt Dynamo-Fans, aber sie fiebern mit. Es sind eben Dresdener. Ich selbst bin mittlerweile seit ca. fünf Jahren St. Pauli-Fan, letzten Mai war ich bei meinem ersten Spiel. In Hamburg. Bei der Verabschiedung von Ebbers und Bruns. Fünf Tore. Ich habe die ganze Zeit geheult. Es folgten drei weitere Spiele: FSV Frankfurt, Aue und eben heute Dynamo Dresden. Jedes Spiel war auf seine Art aufregend und emotional für mich, aber Frankfurt und Aue konnten natürlich nicht mit der Aufgeregtheit und Emotionalität bei Dynamo schon im Voraus mithalten.

Und dann waren wir da. Zu viert. Drei Männer und ich. Ein bisschen spät, deshalb gab’s nur einen Platz auf der Treppe. Ein Stehplatz auf einer so steilen Treppe vermittelt einem übrigens ein gutes Gefühl für römische Arenen. Die Stimmung war von Anfang an gut: spannungsgeladen und laut.

Als jedoch kurz nach dem Anpfiff ein St. Pauli-Fan den Dresdener Poté „Niggerschwein“ nannte, dachte ich kurz, ich stehe im falschen Block. Von den üblichen Provokationen und Schmährufen von beiden Seiten abgesehen, kam es – von meinem Standpunkt aus gesehen – zu keinen größeren Problemen, sieht man davon ab, dass ich „Scheiß Dynamo!“-Rufe für absolut unangebracht halte in einer Fankultur die Wert darauf legt, anders und kreativer zu sein.

Am Ende wurde es dann hitziger. Die drei Minuten Nachspielzeit gingen in gegenseitigen Provokationen unter. Was einige der Dynamo-Fans unseren „Alerta Alerta Antifascista“-Rufen entgegensetzten, kam bei mir nicht an, doch da zwei von ihnen unter beifälligen Rufen und Applaus unsererseits im Polizeigriff abgeführt wurden, kann es nichts Gutes gewesen sein. Leider mischten sich unter die Antifaschismusrufe auch andere Gesänge („Kühe, Schweine, Ostdeutschland“), die ich so nicht hören will, erst recht nicht von Fans eines Vereins, der sich für gegenseitige Toleranz stark macht.

Mit Polizeieskorte ging es im Shuttle-Bus gen Hauptbahnhof. „Sicher ist sicher“, wie mir ein Polizist erklärte.

Direkt hinter dem Eingang des Hauptbahnhofs spukte ein Dynamo-Fan vor mir aus. Da bis dahin nichts passiert war, nahm ich das nicht so ernst, zeigte ihm eine lange Nase und weigerte mich stur, den Schal abzunehmen oder den Pullover zu verdecken. In der komplett gelben Bahnhofshalle begann der Spießrutenlauf, mir wurde langsam mulmig zumute. Leider zu Recht.

Ein weiblicher Dynamo-Fan pappte mir einen SGD-Aufkleber auf den Arm, verhinderte das sofortige Abrupfen desselben und nannte mich „Votze“. Beim Durchqueren der Halle nahm ich noch einige abwertende Blicke zur Kenntnis und hörte gelegentliche „Zecke!“-Sprüche, nichts allzu Dramatisches. Auch vor den Gleisen wimmelte es von Dynamo-Fans, alle in Erwartung der Züge und ob des Spielausgangs entsprechend angefressen.

Einer wollte seinen Frust offensichtlich an einer „Hure“ und „blöden Schlampe“ auslassen – an mir. Pech für ihn, dass er seine durch nichts zu verzeihenden Beleidigungen direkt vor einer Gruppe Polizisten mit laufender Kamera abließ. Ein Polizist ging direkt auf ihn zu und fing an, seine Personalien aufzunehmen, ein anderer fragte mich, ob ich Anzeige erstatten wollte. Ich wollte – so viel Dämlichkeit gehört einfach abgestraft.

Und ehrlich gesagt nahm ich es mir ziemlich zu Herzen. In meiner Heimatstadt spuckte man vor mir aus. Fans eines Vereins, bei dessen Spielen mein Opa vorm Fernseher mit fiebert, nannten mich „Schlampe“ und „Hure“. Es waren gar nicht so sehr die Taten und Worte, die mich schmerzten, sondern die Umgebung, in der es passierte, die emotionale Komponente. Kurz und gut, ich stand heulend auf dem Bahnsteig.

Neben mir unterhielten sich zwei Dynamo-Fans über die Dummheit des eben von mir Angezeigten, beide kamen später auf unser Grüppchen zu. Mir graute etwas vor der nächsten Kollision, doch was nun folgte, versüßte mir den Nachmittag und zeigte mir, dass es auch andere Dynamo-Fans gibt.

Die beiden legten mir eindringlich, aber freundlich ans Herz, den Schal abzunehmen und den Pullover zu verdecken. Endlich folgte ich schweren Herzens und leider immer noch heulend.

Mehrere befreundete Dynamo-Fans gesellten sich zu den beiden und uns, sagten mir, dass alles in Ordnung sei, dass ich schon heil nach Hause käme. Einer bewunderte im Nachhinein meinen Mut, offen im St. Pauli-Pullover durch die Bahnhofshalle gegangen zu sein. Ein kleines Lächeln schlich sich in mein Gesicht.

Bier wurde ausgepackt, Anekdoten wurden ausgetauscht. Der, der mich mutig nannte, lobte die Hamburger für ihre offene Art, ihre Gastfreundschaft, die guten Möglichkeiten, um die Häuser zu ziehen und zu trinken – auch in voller Fan-Tracht. Ehrlich gesagt konnte er gar nicht mehr aufhören, das „Gesindel“ zu loben, St. Pauli hätte einfach die besten Fans.

Als die Abfahrt des Zuges sich näherte, boten sie an, dass wir doch einfach als Gruppe fahren könnten – so würde mir nichts passieren. Himmel, was war ich froh! Wer könnte einen besser vor aggressiven Dynamo-Fans schützen als andere Dynamo-Fans? Es wurde eine sehr unterhaltsame Zugfahrt, in deren Verlauf wir am Ende sogar alle begeistert „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ sangen.

St.Pauli-Fan Mandy und Dynamo-Fan Ronny

St.Pauli-Fan Mandy und Dynamo-Fan Ronny

Mein Fazit des Tages? Nicht jeder St. Pauli-Fan hat das mit der Toleranz vollkommen verinnerlicht. Nicht jeder Dynamo-Fan ist per definitionem eine rechte Bratze. Nicht jeder Polizist schaut einfach weg. Schwarze Schafe gibt es überall. Das sind Sachen, die eigentlich klar sein sollten. Und die man dennoch nicht oft genug sagen kann.

Ich bin gern Dresdenerin. Und ich trage meinen Totenkopf mit Stolz.

Danke für den Beitrag.
Ich muss ja offen zugeben, dass ich mit “Scheiß XYZ” eigentlich keine größeren Probleme habe, auch wenn es nicht gerade kreativ ist. Und dass bei uns leider auch genug Vollidioten herum rennen ist ja leider auch nichts neues. Aber es ist immer wieder wichtig das auch zu thematisieren. Zumal auch andere aus meinem Umfeld sich schon im Stadion darüber begeisterten, was für Vollhonks mit ihnen im Block standen.