Moral, Gentrifizierung und Bessermenschen

Etwas über das ich schon länger immer wieder nachdenke, bzw. wo ich immer wieder drüber stolpere ist das Thema Gentrifizierung. Gentrifizierung meint die soziale Umstrukturierung von Stadtteilen (man könnte auch Yuppisierung sagen).

Also z.B. das, was in Hamburg in der Schanze passiert. Ein Stadtteil mit billigem (meist “minderwertigem”) Wohnraum zieht neben Schlechtverdienern aus den klassischen Milleus auch Menschen an, die zwar kein Geld haben, aber dies in Ihrer Zukunft unter Umständen haben dürften. Studenten. Immer mehr davon. Irgendwann so viele, dass der einst “heruntergekommene” Stadtteil “hip” wird, andere Menschen, meist mit mehr Geld als die Eingeborenen kommen hinzu, ziehen dahin. Die Studenten werden älter, gründen Familien, kriegen Jobs, werden wohlhabend. Der Stadteil passt sich an das neue Publikum an. Aus billigen Kaschemmen werden Designerlokale, aus Tante Ritas Kaffestube wird Starbucks. So ungefähr.

Sowas *passiert*. Das ganze ist in der Stadtentwicklung ein ziemlich normaler Prozeß. Das lässt sich in Hamburg z.B. auch in Ottensen, Eimsbüttel beobachten. Der Prozeß ist allerdings für die Alteingesessenen schmerzhaft, weil sie irgendwann da weg ziehen (müssen), weil sie sich entweder den teurer gewordenen Wohnraum nicht mehr leisten können, oder weil die gewandelte Infrastruktur ihnen keine Möglichkeit mehr gibt auf ihrem “Level” zu konsumieren.
Wer schon mal nen Kaffee bei Starbucks gekauft hat weiß, dass das für Hartz IV Empfänger zum Beispiel mehr Geld ist, als für einen Tag an Essensgeld einplanbar ist.

Wie gesagt, in Hamburg passiert das in den letzten Jahren sehr intensiv im Schanzenviertel. Menschen, die vom Flair des Viertels angezogen werden, ziehen dorthin, ziehen andere Menschen nach sich. Verändern das Flair. Ziehen neue, noch andere Menschen an.

Sowas passiert. Was aber dort anders ist, ist das einige Bewohner und einige, die nur gerne dahin gingen um zu feiern, sich versuchen zu wehren. Denn Schuld sind natürlich “die Anderen”. Schuld sind diejenigen, die besser verdienen und sich bei Starbucks wohlfühlen (ich bleib einfach bei dem Beispiel). Schuld sind die “Werbefuzzis mit ihren iPhones”. Schuld sind natürlich auch die Politik (die es den Werbefuzzis nicht verbietet, in die Schanze zu ziehen) und die Investoren (die glauben mit den Werbefuzzis gut Geld zu verdienen). Vor allem die Investoren die “Szeniges” bauen oder renovieren, was so nicht in die Schanze “gehört”. Weil es für die Zielgruppe Werbefuzzis mit iPhones und nicht für die Zielgruppe abgerissener Punk ohne eigenes Einkommen ist. Ich polemisiere.

Okay, der Meinung sein, dass die doof sind, da nicht hingehören, dass man keinen Starbucks sondern lieber Aldi möchte, alles okay. Was mich daran stört ist aber das allgemeine Vorgehen. Was mich tierisch stört ist die Perspektive auf die Werbefuzzis. Die “die gehören hier nicht her”-Perspektive.

Wer entscheidet das denn? Und mit welchem Recht? Merkt Ihr, die ihr so über die reden, denken, teilweise so handeln, merkt Ihr, dass Ihr genau das macht, was Ihr allen anderen vorwerft? Gerade in der Schanze, die sich als oh so “links” sieht. Gerade dort, wo Nazis zurecht gehasst werden. Weil sie “Ausländer? Die gehören hier nicht her!” denken. Weil Sie Menschen die anders sind, eine andere Kultur haben etc.. Merkt Ihr, dass Ihr Menschen, die eine andere Kultur als Ihr haben (und meist auch mehr Geld) so behandelt? Wie ihr sie behandelt? Blickt das mal. Merkt mal, dass das Menschen sind.

Was wollt Ihr eigentlich? Werberghettos, aus denen die nicht raus dürfen? Statik? Eine Welt, die sich nicht verändert? Schanzen-Eingeborenen-Ghettos, in denen sich nichts verändern darf? Statik? Die Welt von 1980? Ganz wichtig: Niemand, der euren komischen, romantischen Kosmos durcheinander bringt.

Ja, es ist scheiße aus seinem “Zuhause” wegziehen zu müssen, keine Frage. Aber… nochmal: Was wollt ihr? Leben, Welt, alles verändert sich. Glaubt ihr, dass ihr glücklich werdet, wenn alles so bleibt? Wie viele von Euch haben inzwischen ihre einzige Rechtfertigung im Kampf gegen “die”? Habt ihr noch andere Hobbys? Denkt mal darüber nach, was euer Leben ausmachen würde, wenn ihr nicht mehr euren Absurden Kampf gegen Windmühlenflügel hättet. Und kommt mal zu dem Punkt, dass Veränderung immer auch Chancen bedeutet.

Ja, ich bin eher Werbefuzzi als Punk. Na und? Ich bewerfe die Rote Flora nicht mit Farbbeuteln, weil eure Nasen mir nicht passen. Ich zünde auch nicht euren Besitz an, nur weil ich finde dass er meinen Stadtteil verschönert. Ich zieh auch nicht in die Schanze, weil ich es da so „hip“ finde.
Eigentlich glaube ich nichtmal an das Konzept “mein Stadtteil”. Leben ist Veränderung. Und Veränderung tut manchmal weh.

Werdet erwachsen. Findet euch damit ab. Und hört auf, wie im Kindergarten “das ist aber meine Schaukel” zu quengeln.

Ihr macht euch eure Welt, wie sie euch gefällt. In eurem Kopf. In eurer Fantasie.

Und ihr fühlt euch SO im Recht. Ihr glaubt ihr wäret diejenigen, die Moral gepachtet hätten. Die einzigen die eine wahre Rechtfertigung für ihr Handeln hätten. Aber in Wirklichkeit habt ihr keine. In Wirklichkeit seid Ihr scheinheilig, weil Ihr von allen erwarten, dass Sie eurer Meinung folgen, ohne je andere anzuhören. Weil Ihr von allen erwartet, sich wie Helden aufzuführen, nur von euch selbst nicht. Weil ihr “im Recht” seid. Glaubt ihr. Weil ihr von „Denen“ und „Der Gesellschaft“ fordert Menschenrechte zu achten, aber ihr selbst zündet sie an.

Wie war das? Freiheit ist immer auch die Freiheit Andersdenkender?

Die, die am lautesten schreien, sind offenbar meist diejenigen, die sich am wenigsten an Ihre eigenen Dogmen halten. Schade eigentlich.

33 Gedanken zu „Moral, Gentrifizierung und Bessermenschen

  1. So isses. Schlimm auch die Krawalle um die Schnöselboutiquen wegzujagen und alteingesessene zu erhalten. Ergebnis: Versicherungsbeträge steigen. Und nur wer kann sich die leisten? Bingo. Well done. Ich hab das mal „Trottelmob“ genannt.

  2. Ich glaube Du verkennst das Interesse derjenigen die nun ‚verdrängt‘ werden.
    Meine Stiefschwester hat Häuser in der Hafenstraße besetzt. Dort wurde sie verdrängt. Bei der gegründeten Genossenschaft wollte sie nicht mit dabei sein, das entsprach nicht ihrem Bild vom Leben. Also ab in die Schanze. Haus besetzen und das Leben leben, so wie sie es sich vorgestellt hat.
    Nun bricht auch dieses Bild zusammen. Die verhassten Werbefuzzis verdrängen sie. Sie wollte doch einfach nur alternativ leben. Wollte sich gegen ein Leben im Spießbürgertum (ja, alle die Arbeiten, auch die hippen Werbefuzzis sind Spießer) aussprechen und dieses Leben. Ab und an ein paar Polizisten oder Nazis (wobei, aus ihrer Sicht gibt es keinen Unterschied bei den beiden genannten) verprügeln, so ein bisschen Bambule halt und dann ist auch gut.
    Ihr verdrängt sie nun. Ihr nehmt ihr den Wohnraum, den Freizeitraum, den Raum zu Leben, wie sie es sich vorgestellt hat.
    Was denkt ihr eigentlich wer ihr seid? Diebe! Faschisten! So denkt sie. Und ist darüber frustriert. Ihr beraubt sie. So denkt sie.

    Kennst du noch das alte O-Feuer? Wo du neben Punks griechisch essen konntest? Wo du dich mit diesen Punks über Gott und die Welt unterhalten konntest? Ich kenne es noch. Und seit dem das O-Feuer umgezogen ist, ist ihm ein Stück Originalität verloren gegegangen. Ich gehe da nicht mehr hin. Die Schanze hat verloren, als aus dem Kurbad Rossi eine Bar wurde. Als plötzlich alle hin wollten. Ich gehe da nicht mehr hin.
    So denke ich.

  3. @Ramses Trottelmob trifft es. Schöner Begriff!

    @nedfuller was ich mich halt frage.. was ist denn „Spießig“?
    An alten Werten festhalten? Sich gegen Veränderungen sträuben?
    Ich kann die Gedanken Deiner Stiefschwester… Simulieren. Nachvollziehen sicher nicht.
    Hey, ich hab nichts gegen Menschen, die alternativ leben wollen. Sollen sie. Ich bin (tolerant) ignorant genug, damit mir das herzlich egal ist.
    Aber ich hab was gegen Menschen die sich für höhergestellt halten und für sich selbst die Ansprüche, die sie an alle anderen Stellen ignorieren.
    Und ich hab was gegen Menschen, die zwar ein System wollen, in dem sie, in dem alle „sozial abgesichert sind“ und allen ein „menschenwürdiges Leben“ ermöglicht wird (wie auch immer das definiert ist), die aber nichts dazu beitragen außer zu fordern.
    Und das sind leider sehr viele aus dieser Szene.

    Ja, ich kenn das alte O-Feuer und ich fand das damals auch entspannt in der Schanze. Ich hab auch schon in der Flora gehockt und mich betrunken. Aber schon damals hat mich dieser Dogmatismus abgeschreckt. Und der ist eher schlimmer geworden.

    Und nochmal: Veränderung ist Leben. Evolution.
    Stagnation ist Aussterben. Und was die oh so progressiven, die Gesellschaft verändern wollenden da machen ist genau das. Stagnation.
    Schlimmer als jeder CSU-Wähler. Polemisch gesagt.

  4. Deine Sicht der Dinge …. naja, respektiere ich. Kann es, weil ich weiss dass Du es nicht böse oder überheblich meinst.

    Aber was ist mit den „einfachen Menschen“ die dort VOR den STudenten schon lebten? Die sind dort hingezogen, weil die Mieten in diesem Stadtteil bezahlbar waren und der Stadtteil nett war. Keine Hochhaussiedlung a’la Osdorfer Born o.ä.. Eine 50m²Wohnung für vielleicht – mit altem Mietvertrag – 300.-€. Weil nun die „jungen Besserverdiener“ das Viertel okkupieren – sagst Du – müssen die Alteingesessenen eben wegziehen. Das dies auch eine höhere Kostenstruktur für diese Altbewohner bedeutet, blendest Du geflissentlich aus.

    Die Schanze HATTE einen Multikulti-Charme. DER wird nun geraubt und durch einen Yuppie-„Charme“ ersetzt.

    Weisst Du warum im Geldgeschäft Heuschrecken Heuschrecken heissen? Weil sie alles, was Ihnen in den Weg kommt – und ihnen (ihrem Geld) nichts entgegen zu setzen hat – wegfressen.

  5. @reizzentrum ja, die „einfachen Menschen“ sind die Verlierer. Das ist schade, aber das ist leider so. Übrigens sind diese „einfachen Menschen“ – meiner Wahrnehmung nach – nicht diejenigen, die Autos anzünden. Vielleicht eines der Dinge, die mich dabei so nerven. Diejenigen, die die Autos anzünden vertreten vielleicht ihre Prinzipien, aber mit großer Mehrheit vermutlich nicht die, der „einfachen Menschen“.

    Und.. der Charme wird nicht geraubt, damit würde man ein „Recht auf Charme“ postulieren. Die Schanze verändert sich, gefällt anderen, oder eben nicht. Es gibt kein „so ist es richtig“. Es gibt nur „so gefällt es mir“. Siehe nedfuller, es zwingt Dich niemand dahin zu gehen, wenn es Dir nicht mehr gefällt.

    Die Kostenstruktur für die Altbewohner blende ich nicht aus, ich sehe ja das Problem, ich weiß auch, dass es in Hamburg viel zu wenig günstigen Wohnraum gibt. Und ich hab leider auch keine einfache und schnelle Lösung dafür. Staatlich geförderter Wohnungsbau? Schafft Ghettos, die keiner will, aber wie dann?

    Und…ist Steine in Geschäftefenster schmeißen, Autos anzünden oder Yuppis „bedrohen“ die Lösung dafür?

  6. @Curi

    Du weisst, dass ich einen Leistenbruch bekomme, wenn ich versuche einen Pflasterstein zu heben oder eine Molli zu werfen. Also sind dieses für mich keine Wege der Auseinandersetzung.

    Natürlich ist es der Wanderzirkus der Gewalt (auf BEIDEN Seiten!), der die direkten Auseinandersetzungen exkalieren lässt.

    Was mich an der ganzen Sache wundert ist, dass Du ja vom herzen aus ein Pauli-Fan bist. Wie deckt sich dies mit deinen Betrachtungen was die Schanze angeht? Steht Pauli nicht eher für die Kleinen, als für die „Geldhaber“? Ist nicht der FCB mit den vollen Taschen der Erzfeind?
    Hier aber sprichst Du für die Bayern-Linie… Oder irre ich ein wenig?

    OK, ich bin garstig, aber der Name verpflichtet… 🙂

  7. @reizzentrum *g* Ja, ich wollte Dir auch nicht unterstellen, dass DU das für den richtigen Weg hältst. Und *natürlich* sind BEIDE Seiten hier gefragt. Die Eskalations-Strategie des Senats geht gar nicht!

    Zum Fußball… Ich muß ja nicht alle Standpunkte kritikfrei übernehmen. Wenn „Die St. Pauli-Szene“ jetzt plötzlich Mümmelmannsberg toll findet, heißt das für micht nicht automatisch, dass ich da hin ziehe.. 😉

    Und zum Geldhaber-Thema – mir geht’s nicht darum die zu verteidigen, weil sie Geld haben. Mir geht es darum, dass auch die Kleinen sich an bestimmte Regeln halten müssen, und vor allem, dass die Kleinen die ich meine doch bitteschön mal merken sollen, dass sie gar nicht so anders sind, wie die Welt, die sie stetig kritisieren. Und bestenfalls auch mal da drüber nachdenken.

  8. @Curi

    Die wirklich Betroffenen können sich kaum wehren. Die werden einfach untergebuttert – wie im richtigen Leben. Sie können – und sollen wie selbst Du schreibst – einfach nur wegziehen, sich in anderen Stadtteilen eine neue, teurere Wohnung suchen.

    Und genau DAS ist wahrscheinlich der Nährboden für den Frust.

  9. Bei allen Verschiedenheiten der Motivationen, wehren sich die Menschen doch gegen das Maßlose an dieser Gentrifizierung.

    Ich kann mich an eine Sozial- und Wohnungspolitik erinnern, bspw. in Altona, wo ich wohne, die bewusst Eigentums- mit Miet- und Sozialwohnungen nebeneinander duldete, förderte und politisch diskutierte. Dieser Konsens ist aufgekündigt, dass es in Innenstadtnahen Stadtteilen auch Platz für weniger priviligierte Menschen geben soll.

    Man hört stattdessen wenig verschleierndes BlahBlah, wie Du in der neuen St. Pauli-Doku sehr gut sehen kannst. Ich habe ebenfalls den Eindruck, dass sich eine, „was wollt ihr denn, dann zieht ihr eben weg“-Mentalität ausbreitet.
    Widerspruchsloses Hergeben des eigenen Lebensraumes forderst Du ja wohl nicht, oder? und wenn man das Gefühl bekommt ohne politische, mediale oder soziale Lobby zu sein, beginnt der Widerstand wütender zu werden.

    Ich kann das verstehen. Ändern kann das nur die Politik – und eine Einstellung, die städtische Lebenskultur nicht als Immobilienmarkt mißversteht!

  10. @ring2 ich finde sich wehren völlig berechtig. Ich kann jeden verstehen, der nicht „einfach so“ wegziehen will.
    Aber… dafür kann ich Gründe akzeptieren wie „Ich kann mir keinen teureren Wohnraum leisten“ o.ä.. Nicht akzeptieren kann und will ich „ich will aber das mein Viertel so bleibt, wie es ist“. Nicht „Werbefuzzis gehören hier nicht her“.

    Ich sehe ein großes politisches Problem was günstigen und bewohnbaren Wohnraum angeht. Und ich habe keine Lösung. Dazu bin ich auch einfach nicht informiert genug, was das Thema angeht. Das was in Altona/Ottensen läuft ist sicherlich recht positiv.

    Trotzdem: Wer sich selbst auf ein derart hohes Ross setzt, wie einige der Gentrifizierungsgegner darf und sollte hinterfragt werden. Das sind diejenigen, gegen die sich das hier richtet.
    Nicht gegen Mutti Schulz in ihren 2 Zimmern auf der Schanze, die verdrängt wird.

  11. Schön, dass das Thema hier angesprochen wird. Und was die sogenannten konservativen Linksradikalen (uh, sollte das nicht eigentlich ein Widerspruch sein?) angeht, so werden wir niemals solch einen Blog-Eintrag von ihnen lesen. Danke, Curi.
    „Es soll alles so bleiben, wie es ist!“
    Das ist eine ur-menschliche Reaktion, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Schließlich hat doch jeder, im Kleinen oder Großen, erst einmal Angst vor Veränderungen (besonders, wenn er nicht gelernt hat, damit umzugehen).
    Aber diese absolute Bigotterie von absoluter Intoleranz und proklamierter Toleranz kotzt mich nicht nur an (tatsächlich bin ich schon von oben bis unten mit grau-grüner Galle überzogen), es ist schlicht nervig, wenn man wie ich mit solchen Leuten zu tun hat, weil Freunde im neuen Planungsprojekt der Genossenschaften (Wilhelmsburg) wohnen. Und andere Freunde auf dem Kiez wohnen, wir eine Doku im Fernsehen über die Schanze-Krawalle sehen und eine gute Freundin sagt: „Ich finde es gut, was die da machen“ und damit die Steinschmeißer meint. Arrg.
    So lerne ich Toleranz. 🙂
    Wenn du von anderer Seite hörst, wie Anzugträger aus einer linken Bar geschmissen werden, dann verlierst du den Glauben an die so wichtige Annäherung der Menschen. Es stimmt mich traurig.
    Und „Kapitalismus“ ist zu einem Schlagwort verkommen, von dem sicher keiner mehr seine echte, also ursprüngliche Bedeutung kennt.
    Darum sage ich: „Ich habe einen Traum!“:
    Ich wünsche mir, dass Werbe- und Alternative Fuzzis, Nazis und Linke an einem Tisch sitzen und reden/ diskutieren. Gewaltfrei. Über Belange der Gesellschaft. Ach, warum bin ich Utopist?

  12. Hey Chris! Schön, dass Du hier auch mal aufschlägst 🙂

    Ich fühle mich verstanden! Gerade diese „konservativen linksradikalen“, wie Du sie nennst, finde ich äußerst anstrengend…

  13. @Reizzentrum Dich halte ich nicht wirklich für „linksradikal“.. Und mit Dir kann man diskutieren. Du hast zwar oft eine von meiner verschiedene Meinung, aber damit disqualifiziere ich mich (so kommt es jedenfalls rüber) nicht automatisch. (Stichwort Dogmatismus). Außerdem wirfst Du keine Flaschen und Steine. Vor allem nicht „weil Du Dich provoziert fühlst“. Ja?

  14. @Curi

    Ich werfe nur mir harten, scharfkantigen Worten und manchmal auch spitzen Worten um mich ….

    Ich bin einfach manchmal dein persönlicher Gegenpol 🙂

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  16. Es ist sehr einseitig, wenn man das Problem der Gewalt nur auf Steineschmeißer und Autoanzünder reduziert. Denn wenn Leute mit wenig Geld verdrängt werden, dann ist das auch eine Form der Gewalt.
    Gewalt bringt nunmal Gegengewalt hervor. Letztendlich beruht doch der Sozialstaat insgesamt auf einer Gewaltdrohung: wenn die Leute gar nichts mehr zu verlieren hätten, wäre der soziale Friede in Gefahr. Das mag man Scheiße finden. Aber eine Welt, in der die Prekären gar kein Drohpotential hätten, wär noch um einiges schlimmer.
    Daher halte ich es für normal, dass in sozialen Auseinandersetzungen auch Gewalt gegen Sachen eine Rolle spielt. Eine andere Form der Gegenwehr gegen die Gewalt der Verdrängung sehe ich nicht.

  17. Ah. Ich nenne das, wogegen ich mit Gewalt vorgehe, einfach auch Gewalt und schon bin ich aus dem Schneider. Super Argumentation. Dass ich keinen Werber aus der Schanze jage, wenn ich bei der Haspa die Scheibe einschmeiße, ist zwar egal, aber bisschen Lücke ist halt immmer.

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  19. @ramses101: Tja, früher oder später wird jemand kommen, der den monetär Abgehängten aus seiner Wohnung entfernt. Inwiefern ist das denn keine Gewalt?
    Was soll in diesem Zusammenhang „aus dem Schneider sein“ genau bedeuten?
    Steineschmeissen allein hält die Gentrifizierung ganz sicher nicht auf, das bezweifelt keiner.

  20. @Markus Steineschmeißen als „Teil einer Strategie“ schon?

    Diejenigen, die die Steine werfen sind ja in der Regel gar nicht die direkt von der Gentrifizierung betroffenen. Das ist ja nicht Omma Schulz, die da Steine wirft.
    Genauso kann man übrigens umgekehrt behaupten, dass die „Steineschmeisser“ (ich weiß, sehr verallgemeinernd) hier einem Stadtteil ihre Meinung aufzwingen. „Wir wollen hier kein Mc Donalds!“ …

  21. @Curi0us:
    „Steineschmeißen als „Teil einer Strategie“ schon?“

    Die Welt ist zu komplex, um die Auswirkungen solcher Handlungen genau vorhersagen. Was es halt kann ist Aufmerksamkeit erzeugen. Der Rest muss politisch passieren.

    „Diejenigen, die die Steine werfen sind ja in der Regel gar nicht die direkt von der Gentrifizierung betroffenen.“

    Ich finde es nebensächlich, wer genau sich berufen fühlt, den ersten Stein zu werfen. Tierschützer sind ja auch Menschen.

  22. @Markus aber das ist doch genau das, was ich kritisiere. Kämpfen um des Kämpfens willen. Wenn Du so willst Söldner eines Kampfes, den fast niemand (so) haben will. Und wenn es in der Schanze nix mehr zu kämpfen gäbe, geht’s halt woanders hin, woanders weiter.

    Und während Tierschützer wenigstens noch „hilflose“ Tiere „schützen“…..

  23. Ja, gut, diese Kritik sei Dir unbenommen.

    Nicht in Ordnung ist es aber, die Frage Verteuerung und erzwungenen Wegzug auf eine Frage lediglich der Toleranz von „Andersdenkenden“ zu reduzieren, wie Du es am Endes des Artikels machst.

  24. Markus, du rechtfertigst GEwalt damit, dass du etwas als Gewalt hinstellst, was man sich erst als Gewalt schönsaufen muss. Ich weiß nicht, was du beruflich machst. Aber angenommen, du bist Gärtner. Was du nicht bist. Und angenommen, ich hasste Gärtner, was ich nicht tue.

    Deiner Logik nach dürfte ich mich mit Gewalt dagegen wehren, wenn Du (böser Gärtner) neben mir einziehen und mehr als dein Vormieter (armer Bäcker) zahlen würdest.

  25. 1) Ich finde durchaus, dass da Gewalt im Spiel ist, wenn jemand seine Wohnung verlassen muss. Konkrete Gewalt sogar, wenn er geräumt wird. Und: das ist Gewalt gegen Menschen – und nicht Gewalt gegen Sachen, wie bei den Autoanzündern.

    2) Mögen sich Autoanzünder und Yuppies gegenseitig hassen. Aber das ist eher privat und hat wenig politische Dimension. Anti-Gentrifizierern geht es wohl eher um die Verdrängung der ärmeren Schichten, nicht um irgendwelche Privat-Fehden. Letzteres ist einfach kein politisch sinnvolles Thema in dem Zusammenhang.

    Um bei Deinem Beispiel zu bleiben: man wehrt sich nicht gegen einen konkreten Gärtner, sondern gegen eine Entwicklung. Wie mit Politikern: man wehrt sich nicht gegen die Schäubles, weil man sie für privat ganz üble Kerle hält. Man wehrt sich gegen die Schäubles in ihrer politischen Funktion.

  26. Markus: Nein, man wehrt sich gegen die Gärtner, nicht gegen die politische Entwicklung. Denn der Gärtner bzw. die Gärtner bekommen es ab.

    Ich glaube übrigens, dass die Yuppies die „Szene“, die inzwischen Autos anzündet nichtmal hasst, sonst wären sie kaum in derartige Stadtteile gezogen. Oft sind solche Menschen ja durchaus offen. Aber wenn dann so ein Wertekonservatives Milleu alles verachtet was „anders“ (weil unter Umständen wohlhabender oder einen anderen Lebensentwurf) ist….und dann anfängt deren Autos anzuzünden…

    Und meine Überlegung bleibt dieselbe: Man will „Freie Auswahl“, sich selbst seinen „Wohnraum“ suchen bzw. bestimmen dürfen, wo man lebt (in dem Fall: Auf der Schanze), aber gesteht dies anderen nicht zu (weil besserverdienend/nicht in irgendein Schema passend).

  27. Markus, in einem Punkt gebe ich dir Recht: Wenn eine Wohnung geräumt wird, passiert das mit Gewalt. Nur passiert das überall in der Stadt. Wo sind denn Deine Robin Hoods, wenn in Barmbek eine Wohnung geräumt wird?

    Die steigende Attraktivität eines Stadtteils hingegen ist keine Gewalt. Und auch die Erhöhung der Miete ist es nicht. Das mag in deinen Augen asozial sein, aber es ist keine Gewalt.

    Und was die Gewalt gegen Sachen und Gebäude angeht, kenne ich sogar zugereiste Werber, die das gutheißen, irgendwie „sexy“ finden und fast selbst dazu aufrufen. Wie passt das in dein Bild? Und wie lange muss man in der Schanze gewohnt haben, um da wohnen bleiben zu dürfen?

  28. @ramses101:

    Die „Robin Hoods“ versuchen eine Entwicklung zu bekämpfen, die Wohnungsräumungen im großen Stil zur Folge haben wird (bzw. diesen zuvorkommende „freiwillige“ Umzüge). Man versucht nicht die einzelne Wohnungsräumung zu bekämpfen, sondern die Prozesse, die dazu führen werden – ebenso wie es sinnlos wäre, den einzelnen Manager zu bekämpfen, wenn man eigentlich das ganze Wirtschaftssystem meint. Ob die Mittel tatsächlich tauglich sind oder ob die Entwicklung überhaupt bekämpft werden kann, das steht auf einem anderen Blatt und dazu hat natürlich jeder eine andere Meinung.

    Es soll im übrigen nicht die steigende Attraktivität eines Stadtteiles bekämpft werden, sondern die Tatsache, dass diese viele ausschliesst.

    Es geht auch nicht um die Frage, wie lange jemand dort wohnt oder ob er dort wohnen darf. Es geht um die Frage, dass andere da eben nicht mehr wohnen dürfen.

  29. @Curi0us:

    Ich glaube nach wie vor, dass es den Anti-Gentrifizierern um die gesamte Entwicklung geht. Wollen sie wirklich nur diejeenigen Leute vertreiben, deren Auto sie gerade angezündet haben? Wohl kaum. Sie wollen eher allgemein die Attraktivität des Viertels für diejenigen senken, die sich hohe Mieten und teure Autos leisten können und damit der Motor der steigenden Preise sind. Ich glaube, dass Dein Erklärungsansatz (sie wollen einzelne Menschen vertreiben) für die Motivation der Autoanzünder zu kurz greift.

    Was den letzten Absatz betriff kann ich mich nur wiederholen: nicht wer dort wohnen darf, sondern wer dort nicht wohnen darf ist das Problem. Hier wird sozusagen die Gewalt der Strasse gegen die Gewalt des Geldes gesetzt. Ob das von einer höheren moralischen Warte irgendwie „besser“ ist? Das muss man nicht so sehen. Ich persönlich sehe das z.B. eher als Gewalt-Gegengewalt-Phänomen, als das irgendwie moralisch gegeneinander aufzuwiegen.

  30. @Markus Puh. Wenn man das ganze auf der Gewalt-Gegengewalt-Schiene sieht… strukturelle Gewalt vs. Gewalt gegen Objekte…

    Mein Problem mit dem Komplex – auch wenn ich denke, dass das schon klar geworden sein dürfte – ist einfach, dass diejenigen, die hier … naja, sagen wir mal Handlanger struktureller Gewalt sind, also die Yuppies, Werber, whatever, diejenige, die Geld in die Schanze tragen… ja persönlich gar keine Gewalt ausüben, aber gleichzeitig Opfer der Gewalt der Gegenseite werden.

    Eigentlich müsste sich diese Gewalt jedoch gegen den Supressor richten – also gegen „Das System“ und da wird es natürlich schwer bis utopisch.

    Ich persönlich finde es generell schwer, moralisch „besser“ oder „schlechter“ zu bewerten. Moral ist genauso subjektiv, wie alles andere auch. Entsprechend bewerte ich eher… Handlungen und Aussagen und deren Verhältnis zueinander. Konsistenz vs. Inkonsitstenz. Und da sehe ich halt – siehe Beitrag – das große Problem in Handeln und Argumentation.

  31. @Curi0us:

    Ja, das ist natürlich paradox. Hinzu kommt, dass ja die Yuppies nur der Endpunkt einer Entwicklung sind, die mit armen Studenten beginnt. Genausogut könnte man also diese armen Studenten bekämpfen, die zuerst einziehen. Und zu denen vermutlich auch die Autoanzünder selbst gehören..

    Und ja, wie Du schreibst: das ist offenbar oft der Konflikt: bekämpft man irgendwas konkretes oder lieber gar nichts, weil ja eigentlich die ganze Struktur bekämpft gehört? Schwierig. Ich habe das Gefühl, in manchen linken Texten wird sich inzwischen richtiggehend dafür entschuldigt, wenn konkrete Probleme angesprochen werden (auch wenns nicht um Gewalt geht).

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