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Warum Atheismus keine Religion ist…

17. Februar 2008 · Abgelegt unter Kultur, Philosophisches 

In der Diskussion zum Thema “Gott” landet man als Atheist oft an dem Punkt, an dem das oder die Gegenüber darauf hinweisen, dass man ja die Nichtexistenz eines Gottes genau so glaube, wie sie eben dessen Existenz.
Darum sei die eigene (also atheistische) Einstellung maximal gleichwertig und dementsprechend dürfe man sich eigentlich auch nicht missionarisch zeigen, wie man das ja den gläubigen so oft vorwirft.

Ich persönlich sehe den Unterschied zwischen den beiden Gruppen darin, dass man als Atheist einfach das näherliegende “glaubt”. Jedenfalls wenn man von menschlicher Logik ausgeht, die ja auch die Gottgläubigen in der Regel nicht abstreiten. Und seien wir ehrlich, wenn 2+2=4 dann ist es eben auch leichter anzunehmen, dass 4-2=2 ist und nicht 7 oder 14 oder sonst was anderes…

Wie Dr. House sagen würde: “If you hear hoof beats, you should look for horses, not zebras.” (Occam’s Razor)

Wer sich damit intensiver beschäftigen will, kann mal bei Richard Dawkins (ja, ich mag den immer noch…) nachlesen, der listet die Argumente in fast schon epischer Breite auf.

Kurzgefasst: Weil es nach allem was wir wissen wesentlich wahrscheinlicher ist, dass es keinen Gott gibt.
Und ja, Dawkins ist teilweise polemisch bis aufs Blut, dummerweise nun hat er aber trotzdem Recht mit dem was er sagt.

Ein Beispiel: Die meisten Religionen die man so im Alltag mitbekommt behaupten ja, dass ihr Gott mehr oder weniger allmächtig sei. Und – vor allem – Gott ist der Schöpfer. Derjenige, der all das hier gemacht hat.

Nun ist das meinetwegen noch akzeptabel, von mir aus könnte ich so weit gehen und akzeptieren, dass die Evolution, das Leben auf der Erde und der ganze Rest von jemandem „geschaffen“ wurde. Mit all den Regeln und Gesetzmäßigkeiten.
Nur: Woher kommt der Schöpfer dann? Was die Theisten da gern übersehen oder aktiv verdrängen ist, dass die Erklärung „Gott wars“ die großen Fragen einfach nur auf eine höhere Ebene verschiebt.
Selbst wenn es Gott war, haben wir das Problem das aus dem Nichts kommenden Leben immer noch nicht geklärt. Es ist nur so, dass wir nicht mehr aus dem Nichts kommen sondern von Gott. Plump gesagt kann der sich dann ja auch selber um das Problem seiner eigenen Herkunft kümmern.

Grundsätzlich ist es so, dass je mehr wir wissen, dazu lernen, heraus bekommen, wahrnehmen und beobachten können, je weniger Bedarf gibt es, einen Gott zu haben. Wir können inzwischen vieles erklären, brauchen keinen Regengott und keine Heiligen mehr, die durch ihre Präsenz Wunder bewirken. Zudem können wir die „Wunder“ erklären, und dann sind es am Ende keine Wunder mehr.

Die inzwischen so oft gehörte Argumentation, dass man ohne Gott und Kirche ja primitiv, menschenverachtend etc sei, habe ich ja bereits in Rückzugsgefecht besprochen. An meiner Meinung zu dem Thema hat sich nichts geändert: Wenn das einzige Argument pro Religion ist, dass sie uns zu besseren Menschen macht (und nicht, dass sie wahr ist!), dann ist die Religion, dann sind die Gläubigen arm dran.

Warum ist Atheismus also anders als Religionen?

Weil Atheismus mit Argumenten arbeitet.
Weil Atheismus versucht Erklärungen zu liefern die weiter gehen als „Ich glaube es“.
Weil Atheismus die Augen nicht davor verschließt, was weiter hinten passiert, nicht aufhört zu argumentieren und zu fragen, wenn man bei der ersten – einfachen – Antwort angekommen ist.

Kein „Es gibt einen Gott und Gott ist der Schöpfer und damit basta!“.

Selber denken und so.

Disclaimer: Dieser Artikel ist motiviert durch “Eine gottlose Veranstaltung” bei Evil under the sun.
Die gottlose Veranstaltung hat zum Ziel atheistische Blogs stärker zu verknüpfen und auch in Deutschland eine sichtbare Gegenöffentlichkeit zu den sehr präsenten Religionen zu schaffen. Ich teile die Meinungen aus dem verlinkten Artikel größtenteils und finde die oben beschrieben Gegenöffentlichkeit wichtig, auch um zu vermeiden dass die Religionen – wie es scheinbar in den Vereinigten Staaten der Fall ist – wieder stärker in den Alltag zurückdrängen. Das mag undemokratisch sein, aber so bin ich dann nun mal.

Was ich sonst noch zum Thema geschrieben habe findet man unter anderem hinter dem Tag Atheismus hier im Blog.

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Kommentare

4 Antworten auf “Warum Atheismus keine Religion ist…”

        JLT am 17. Februar 2008 um 21:33

      Vielen Dank für’s Mitmachen! Schönes Post.

      Was meiner Meinung nach Atheismus zusätzlich zu den von Dir genannten Punkten von Religionen abgrenzt, ist, dass aus Atheismus per se keine Handlungsvorgaben folgen. Jedwede Religion beinhaltet ein “wenn Du dies glaubst, dann musst Du jenes tun und darfst dieses nicht” und darunter i. d. R. auch Handlungsvorgaben, die keine rationale Begründung (mehr) haben, wie verschiedene Regeln der Nahrungszubereitung, rituelle Reinigung, Kleidungsvorschriften etc.

      MfG,
      JLT

        Curi0us am 17. Februar 2008 um 23:56

      Danke fürs Lob :-)
      Und stimmt.. Ist sicherlich ein Teil dessen, was ich mit “selber denken” meine (auch wenn ich da beim Schreiben nicht direkt drüber nachgedacht habe…).
      Und wenn es im Atheismus “Handlungsvorgaben” gäbe, dann wären diese eben mit Sachargumenten begründbar…keine Ahnung, konstruieren wir ein “Du sollst keine gebrauchten Taschentücher essen”, das mit der Übertragung von Krankheiten begründet würde und eben nicht mit “Weil der Herr sonst böse ist”.

        sapere aude » Blog Archive » Eine gottlose Veranstaltung am 5. März 2008 um 16:11

      [...] Antwort an einen Evangelikalen auf seine Letzterklärungsansprüche 2. Warum Atheismus keine Religion ist. Ein gar wichtige Frage. Denn oft haben Gläubige von ihrer Religion ein so negatives Bild, dass sie [...]

        Florian Möbius am 7. Juni 2008 um 20:19

      Ich muss sagen, in vielen Punkten hast du durchaus Recht.
      Ich möchte mich um Missverständnisse zu vermeiden gleich jetzt als überzeugter Christ outen und muss natürlich auch eine gewisse Kritik hier anbringen.

      Das Problem “wo kommt Gott denn her” ist natürlich eine rel. komplizierte philosophische Problematik, die zu erörtern kein Christ einfach unterlassen kann. Aber es ist nicht unbedingt die Frage die zu stellen ist. Die Frage ist vielmehr, ob die Erklärung der Welt überhaupt ohne das Vorraussetzen unerklärlicher Existenzen möglich ist. Die Antwort auf diese Frage muss aber Nein lauten. Es ist an diesem Punkt völlig gleich, ob ich Strings, die Singularität oder Gott vorraussetze, dass wir existieren setzt prinziliell vorraus, dass wir aus etwas entstanden sind. Wo dieses etwas herkam ist die nächste Frage, die wir wohl nie erklären werden können, zumindest nicht mit unserem menschlich begrenzten Vorstellungsvermögen.
      Den Kampf gegen die religiösen Vorstellungen und deren Früchte von Seiten der fanatischen Verfechter des Atheismus (als solchen würde ich Richard Dawkins bezeichnen) muss ich deshalb als unsinnig einschätzen, da die Problematik, die den theistischen Vorstellungen zur Last gelegt wird auch vor der atheistischen Denkweise nicht Halt macht.
      Ich persönlich betrachte den Atheismus als Religion, denn auch der Atheismus setzt vorraus, dass Mechanismen existieren, die über den Gesetzen unserer Natur stehen, so zum Beispiel, dass die Energie entstehen konnte, trotz der Existenz des Energieerhaltungssatzes o.ä.
      Natürlich ist mir bekannt, dass es dazu Hypothesen z.B. zur Erklärung dieser Problematik gibt, doch könnte man die nicht auch zu Gottes Existenz aufstellen? Wenn ich nun die Theorie vertrete (was durchaus der Fall ist), dass Gott ein zeitlos existierendes Individuum ist, dann ist die Herkunft Gottes in einen undefinierbaren Bereich gelangt, da es keinen “Zeitpunkt der Entstehung” mehr gibt.
      Zu dem Comment von JLT möchte ich noch anmerken, dass gewisse Handlungsvorgaben nicht unbedingt schlecht sind. Dass sie beim Atheismus fehlen ist einer der Hauptkritikpunkte, die ich an selbigem anbringe. Für einen atheistiscxh orientierten Menschen gibt es theoretisch keinen Grund auf Sklaverei bsp. zu verzichten. Es gibt keinen Grund einen schwächeren leben zu lassen, nein mehr noch, es würde sogar die natürliche Selektion fördern, wenn er es täte. Absolute Werte existieren im Atheismus nicht mehr. Moralvorstellungen sind nicht definierbar, da das einzige was völlig logisch aus der atheistischen Vorstellung folgen würde wäre der Egoismus. Das eigene Wohl zu fördern, oder viel mehr auch noch die eigene Art dominieren lassen.
      Und dies ist abgesehen davon auch keine Definition der Religion, dass sie Plichtvorstellungen hätte. Denn wenn du eine Religion danach definieren wölltest, dann müsstest du z.B. einige Naturvölker, die allein an die Existenz der Geister ihrer Vorfahren glauben aus den Religionen ausklammern.

      So viel von meiner Seite, ich stehe dem Verfasser des Beitrags zumindest über die angegebene Email-Adresse gerne bei Faregn und Kritik zur Verfügung.

      Florian Möbius

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