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Millerntaler continued…

22. Januar 2008 · Abgelegt unter Kultur, Marketing 

Wie ich gestern ja bereits vorhergesehen hatte, sind alle jetzt zu dem Thema von Vereins- oder Caterer-Seite abgegebenen Äußerungen defensiv. Das Thema wird von der Vorwurfshaltung der Fans dominiert, die das ganze Projekt für Blödsinn halten und zugleich verärgert darüber sind, in welcher Form die Information über dieses neue Zahlungsmittel am Millerntor kommuniziert wurde.

Nun wirken die bisherigen Statements doch arg wie relativ panisches Zurückrudern, weil man den „Fan-Mob“ schlichtweg falsch eingeschätzt hatte. Fokus der aktuellen Öffentlichkeitsarbeit ist die in den Statements mehrfach hervorgehobene fehlende Ausschließlichkeit, wegen der sich die Proteste hauptsächlich erhoben haben.
Der Präsident äußert sich in der Morgenpost und versichert, dass man „bis in alle Ewigkeit“ im Stadion auch mit Euro zahlen könne, nur eben ausschließlich an ausgewählten Ständen. Ich kann mir das nur so vorstellen, dass z.B. jeder zweite Stand dann ein Millerntaler- bzw. Euro-Stand wird. Das ganze soll angeblich den „Zahlungsverkehr vereinfachen und beschleunigen“. Wie genau das funktionieren soll ist mir – und ich glaube vielen anderen auch – äußerst schleierhaft. Wenn es ausschließlich Wertmarken mit definiertem Produkt-Gegenwert (Biermarke- Wurstmarke etc.) gibt, dann hat man zwar an den jeweiligen Ständen einen Vorteil, dafür müssen jedoch vorher ja auch entsprechende Geldmengen in die jeweiligen Taler umgetauscht werden. Und das führt dann zu genau demselben Aufwand wie vorher das Bezahlen am Stand. Dazu kommt aber eben auch noch der Rücktausch nach dem Spiel. Gerade Stadionbesucher die nur ab und zu mal im Stadion sind werden nicht zwingend Euroweise Taler mit Heim nehmen wollen, die sie vielleicht später mal nutzen können. Zudem ist der logistische Aufwand für den Fan wesentlich größer, da er sich im Prinzip vor dem Spiel bereits entscheiden muss, wie viel und was er später konsumieren will.

Die ganze Kommunikation ist jedenfalls ziemlich daneben gelaufen. Ich vermute allerdings, dass es eine Art Konzept gab, dieses jedoch nicht umgesetzt wurde. Gestern stand noch in der Zeitung, dass der Präsident verärgert darüber sei, wie das ganze öffentlich gemacht wurde. Das spricht sehr deutlich dafür, dass es eine Planung gab, von der nun abgewichen wurde.

Anyway, bisher gab es immer noch keine überzeugenden Argumente für den Millerntaler, aber es bleiben die Vorbehalte. Und die Aussage dass man ewig mit Euro bezahlen könne wirkt nicht vollständig glaubhaft. Denn so wird das ganze Konzept hinter dem Taler noch wackliger. Entsprechend halte ich das für die entsprechende Reaktion auf die sich formierenden Proteste.
Nur: Dann ist damit zu rechnen, dass über kurz oder lang die Euro-Stände immer weniger werden. Da bieten sich dann ja auch „Argumente“ aus der Praxis. Immerhin funktioniert es dann bestimmt an den Millerntaler-Ständen besser, die Eurostände machen weniger Umsatz etc.. Und schlimmstenfalls gibt es dann pro Stadionbereich noch einen kleinen Stand an dem man seine Euro los wird. Man hätte es doch versprochen Aber auch da ist die Akzeptanz dann unter Umständen schnell nicht mehr groß genug und im Interesse aller hat man dann eben auch dort nur noch Millerntaler.
Wohlgemerkt halte ich das nicht für „im Interesse aller“, aber ungefähr so stelle ich mir die aktuelle Strategie dahinter vor.

Gewünscht hätte ich mir bei dem ganzen vor allem etwas mehr Offenheit. Ich persönlich finde das Ding zwar grausam, aber wenn es denn nachvollziehbare Argumente dafür gibt wäre das ganze anders gelagert gewesen. Und für mich wäre selbst ein rein auf den Profit ausgelegtes Argument unter gewissen Umständen noch tragbar, aber dazu müsste ich es eben erst einmal kennen.

Von daher bleibe ich dabei – Marketing setzen, 6!

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Kommentare

4 Antworten auf “Millerntaler continued…”

        The Boys and Eve am 22. Januar 2008 um 11:12

      Halbe Währungsreform am Millerntor…

      Kurz blitzte die Idee auf, den Euro im Stadion des FC abzuschaffen und durch den Millerntaler zu ersetzen und schon brach der Zorn der Fans über ihm zusammen. Ob das heute veröffentlichte Konzept der Zweitwährung, also Euro und Millerntaler gleichze…

        Erik am 22. Januar 2008 um 23:11

      Viel mehr Sinn machte es doch, wenn man seine Millerntaler nach dem Spiel fröhlich im Lehmitz (noch) oder im Pauli Eck versöpen könnte. Dann ist der auch für Gästefans interessant :)

        Le Roi am 23. Januar 2008 um 12:56

      Auswärts kommt man ja auch nach Hamburg, weil es mehr als nur den Fussball gibt. Dann muss aber das Montagsspiel wieder abgeschafft werden.

        The Boys and Eve am 23. Januar 2008 um 13:07

      Niemand trinkt am Millerntor?…

      Mit Reverse engineering wird Produktipiraterie beispielsweise von Maschinenbauteilen bezeichnet, aber auch das Aushebeln eines Kopierschutzes. Wörtlich bedeutet es: rückwärts konstruieren. Und so könnte es auch den Offiziellen des FC St. Pauli gehe…

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