Atheistische Missionare? Mehr davon!

(Achtung, Rant, evtl. etwas unsortiert)

In letzter Zeit stolpert man immer mal wieder darüber, dass sich mehr oder weniger religiöse Menschen darüber beklagen, dass “die Atheisten” doch genauso missionarisch sein, wie die Kirchen und das gefälligst lassen sollten.

Warum eigentlich? Selbst wenn – warum dürfen wir – “Die Atheisten” – das nicht? Ich finde es nebenbei bemerkt super, dass Atheisten inzwischen als Gruppe wahrgenommen werden, und nicht mehr als vereinzelte Außenseiter. Gut so!

Aber nochmal: Warum nicht? Was spricht dagegen, nach Jahrtausenden religiöser Indoktrination und Missionierung (Toktok…“Wir würden gern über Gott mit Ihnen reden”) an der Haustür oder mit dem Schwert? Warum nicht? Wenn Ihr mit jemandem redet, der behauptet 1+1 wäre 3, versucht ihr dann nicht zu erklären, warum 2 vielleicht besser wäre?

Zumal der große Unterschied einfach ist, dass es auf einer Seite Argumente gibt, während die andere Seite eben glaubt. Einfach so.

Neulich sagte mir jemand, ich müsse es einfach zulassen, ohne Glaube wäre ich schließlich kein vollwertiger Mensch.

Und Ihr wollt mir sagen, dass ich nicht missionieren soll? Nicht aufklären?

Warum hieß das ganze nochmal Aufklärung?

Ja, wir “glauben”, dass wir Recht haben. Supergefühl. Kennt Ihr nicht? Dann solltet Ihr vielleicht doch noch mal darüber nachdenken, warum Ihr Sonntags in die Kirche geht. Warum Ihr Priester oder Pastoren zu Ratgebern idealisiert.

Ja, wir “glauben”, dass wir Recht haben. Wir glauben es, weil es ganz viele Gründe gibt, das zu glauben. Wir glauben das, weil wir seit mehr als 4.000 Jahren alle gemeinsam versuchen diese Welt zu verstehen, zu entdecken und Zusammenhänge zu begreifen. Und weil – je mehr Zusammenhänge sich auftun – wir immer mehr Argumente finden, die sagen “Ja, das was da in der Bibel steht.. hmmmm”.

Wenn ich mit religiösen Menschen spreche und frage, warum ich denn glauben soll…

”Weil es einen Gott geben muss”
“Damit Du später nicht in die Hölle kommst”
”Weil eine Welt ohne Sinn doch traurig wäre”

Was sind das denn bitte für Argumente? Weil St. Pauli nicht verlieren soll, gewinnen sie ab sofort jedes Spiel? Weil ich sonst traurig bin, stirbt ab sofort niemand mehr, der mir nahesteht? Genau. Weil ich das so will.

Wisst Ihr… Wissenschaft funktioniert. Das hat sie in den letzten Jahrtausenden permanent bewiesen. Sie passt sich an, sie lernt aus dem, was sie wahrnimmt und adaptiert ihre Ideen und Theorien. Sie probiert, macht Fehler, probiert wieder, macht es richtiger. Autos fahren nicht etwa, weil wir daran glauben, dass sie fahren, sondern weil wir – wir alle zusammen – verstanden haben, wie sie funktionieren und dadurch in der lage sind sie nicht nur zu bauen, sondern sogar zu verbessern.

Religion eher nicht.

Religion kommt mit einem Buch daher, dessen aktuelle Fassung quasi fast 2.000 Jahre alt ist. Und in dem “die Wahrheit” geschrieben steht. Oder stand. Je nach Perspektive. Gott schuf die Welt in 6 Tagen. Habt Ihr ganz lange geglaubt. Dann kamen irgendwann Wissenschaftler und hatten ja doch offenbar so gute Argumente warum das nicht so sein kann, und jetzt ist es plötzlich als Gleichnis zu verstehen.

JA HALLO?
Erklärt Ihr Euren Kindern so die Welt?

”Mama, wieso fahren Autos?”
“Weil der Wind weht!”
(*schnippsschnipps* äh nein, weil Explosionsmotoren für Energie sorgen die in Bewegung und so…?)
“Das ist doch nur ein Gleichnis mein Kind”

Das kleine Atheistenarschloch da in der Mitte hat zwar gerade Euer Gleichnis kaputt gemacht, aber ist es nicht super, dass das Kind jetzt sogar verstehen könnte, wie das funktioniert?

Und genauso geht es immer wieder.

“Die Erde ist eine Scheibe”
“Isse nicht, wir sind rumgefahren”
“Oh. Äh. Naja, das wussten die damals halt nicht so genau”

Ja, wie? Moment. Ich denke die Bibel sei ein Buch Gottes? Die schreiben doch keinen Mist?

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass Atheisten die Bibel im Durchschnitt besser kennen, als Christen. Wer glaubt, braucht die also gar nicht. Wer glaubt, ist halt ohne Argumente glücklichgläubig.

Man windet sich, um dem unausweichlichen zu entgehen. Findet Gründe,warum was wie gemeint gewesen sein muss, damit es heute noch zutrifft. Ich warte inzwischen eigentlich nur noch darauf, dass Gott auch nur ein Gleichnis ist.

Ich hab mich in der Steinzeit irgendwann tatsächlich konfirmieren lassen. Interesse, Neugier, und weil man als Vierzehnjähriger dann eben auch nicht mehr abspringt, wenn es ans Glaubensbekenntnis geht. Und unser Pastor hat seinerzeit etwas sehr eindrückliches gesagt: “Ich glaube an Gott,weil ich weiß, dass es ihn gibt. Und ich weiß, dass es ihn gibt, weil ich an ihn glaube”.

Ungefähr damit hört dann auch die komplette Argumentationskette auf. Ich weiß es, weil ich es weiß. Und in Frage stellen werde ich das nicht, weil ich ja weiß, dass ich es weiß, dass ich es weiß. Amen.

Und wenn man dann anfängt fragen zu stellen, dann versteht man das halt nicht. Und wenn ich man sage, meine ich “Die Menschheit”.

Gottes Wege sind unergründlich.

Ist das nicht super? Schon wieder dieses Eltern-Dings. “Das verstehst Du nicht mein Kind”.

Eigentlich “Das verstehe ich auch nicht mein Kind und ich habe nicht vor, es jemals verstehen zu wollen. Und niemand sonst.”.

Wenn man so will ist “verstehen” ja aus Sicht der Kirche auch eher böse und der Feind. Da sind wir dann wieder bei der Aufklärung, die immer weiter läuft und immer mehr wird. Ob nun der Weg von Geozentristisch über Heliozentristisch zu “Wir sind irgendwo am Rand einer Galaxis, die irgendwo im Universum ist” oder das Higgs Boson. Wir nehmen die Welt, die ihr auf 1000 Seiten Bibel glaubt erschöpfend zu behandeln auseinander, wir verstehen immer mehr und mehr und mehr. Zum Glück. Und wir finden keinen Gott.

Aber er muss da sein.

So? Echt?

Zurück zur Missionierung.

Warum ich atheistische Missionare super finde? Warum ich selbst oft genug meinen Mund eben nicht halte?

Weil es die Welt besser macht.

Weil in einer guten Welt scheißegal ist, wer mit wem welchen Geschlechtsverkehr hat.
Und weil ich bis heute nicht nachvollziehen kann, wieso es homosexuelle Katholiken gibt. (Mal ehrlich.. Ihr blickt schon, dass der Verein quasi seit 2.000 Jahren erklärt, dass Ihr böse unwerte Sünder seid? Und Ihr geht da trotzdem hin? Hang zur Selbstbestrafung?)

Weil Frauen in einer guten Welt die gleichen Rechte wie Männer haben. (Na klar, Patriarchat ist kein Vorrecht der Kirche, aber es würde schon enorm helfen, wenn nicht dauernd ein Christ oder Muslim oder.. ums Eck kommt, und erklärt, warum das nicht gut für Frauen sei). Übrigens.. hallo? Frauen? Euch versteh ich da auch nicht so ganz. Wie kann man “modernes Frauenbild” leben und gleichzeitig katholisch sein?

Weil Wissen in einer guten Welt was tolles ist, und nichts böses. (Wie war das doch gleich? Die Araber waren mit ihrer Wissenschaft vom Menschen unter anderem deshalb so viel früher gut, weil die Christen den Umgang mit dem Körper äh.. verboten?)
Weil Wissen zudem Veränderungen unterworfen ist.

Ganz banal: Weil Dogmen nichts in meiner Welt verloren haben.

Weil es einen nicht zum besseren Menschen macht, an Gott zu glauben, und DESHALB die 10 (teilweise völlig unsinnigen) Gebote zu befolgen. Ein besserer Mensch wird man, wenn man sich richtig verhält, nicht weil man Angst vor Strafe hat.

Oh, den noch, ich glaube, dann bin ich auch erst mal wieder Ruhig…

Gott setzt quasi seine Kinder in die Welt. Adam und Eva. Und erfreut sich an ihnen, lässt sie groß werden. Im Paradies ist es super (sagt die Bibel, für mich klingt es da eher öde), und Eva und Adam geht’s prima. Und dann kommt die Schlange der Verlockung und belabert Eva (die Frau.. natürlich die Frau. Männer machen doch keine Fehler), sie solle doch mal eine Frucht vom Baum der Erkenntnis futtern (was Papa Gott natürlich verboten hat). Und DAFÜR wirft Papa Gott seine “Kinder” aus dem Paradies. Haltet Ihr Euch eigentlich an die Bibel? Nehmt Ihr das als Vorbild für die Erziehung Eurer Kinder?

GENAU DESHALB finde ich atheistisches Missionieren super. Weil ich nicht möchte, dass Kinder aus ihrem Paradies fliegen, weil sie in einen Apfel beißen. Oder mal auf Gleichnis-Ebene: Die Gier nach Erkenntnis ist POSITIV ey. Eva macht genau das richtige. Wissen wollen. Und was kriegt sie dafür? Übertragen auf die Ömme. Geiler Vater, ey.

Man könnte übrigens auch noch mit Hiob um die Ecke kommen. Weil er eine WETTE annimmt ruiniert er das Leben seines Schäfchens Hiob. Einfach so. Um einen Punkt klarzumachen.

Christliche Werte my Ass.

(jaja, das ist doch alles der alttestamentarische Gott, der ist ja nicht mehr aktue-hell, denn er hat uns Christus geschickt, der für uns ans Kreuz genagelt wurde, für unsere Sünden gebüßt hat und jetzt gilt das neue Testament)

(Hä? Gott ist allwissend, aber ändert seine Meinung? Dauernd?)

Das Neue Testament ist allerdings auch super. Ich weiß gerade nicht wie viele, aber es gibt mindestens drei Varianten davon, wie das mit der Wiederauferstehung Eures Heilandes jetzt genau ablief. DREI. Was ist denn jetzt wahr, und was nicht? Ich denke, die haben das geschrieben, weil es Ihnen Gott sozusagen so diktiert hat? Kann der nicht deutlicher? Socken im Mund?

Und gaaanz am Ende (ich könnte noch stundenlang so weiter.. sorry, muss gerade mal raus) dann nochmal so ein Argument-Ding… Immer dann, wenn Ihr nicht weiter wisst, wenn Ihr was nicht erklären könnt, immer dann ist es “Gott”. Gott ist quasi die Antwort auf alle Fragen, die wir nicht beantworten können.

Aber damit lügt Ihr Euch so derbe in die Tasche.

“Was war vor dem Universum, dem Leben und dem ganzen Rest?”
“Gott!”

Warum um alles in der Welt stellt sich bei Euch eigentlich nie jemand ERNSTHAFT die Frage, was vor Gott war? Wie kann man, nur weil man eine Wand hat, die einem einigermassen gefällt, aufhören sich zu fragen, was hinter der Wand ist?

Echt ey.

 

* Ich bin etwas aus der Übung, daher jetzt einfach nur so runtergeschrieben. Ihr müsst es ja nicht bis hier lesen.

TL DR Religion ey

6 Gedanken zu „Atheistische Missionare? Mehr davon!

  1. Aber weisste was? Wenn mich jemand fragt, warum magste den curi0us, dann kann ich jetzt sagt: Wegen dieses Blogposts hier. Auch eine bemerkenswert einfache Argumentationskette. Ich könnte Missionarin werden.

    Ach ja, und: MEINE GÜTE, HAST DU RECHT!!! Die homosexuellen Katholiken machen mich immer ganz fertig. Ich kann mir das ohne viel internalisierten Selbsthass nicht erklären. Hast du eigentlich „The God Delusion“ von Richard Dawkins gelesen? Sehr empfehlenswert.

  2. Mensch, fast eine Woche und bis eben nur 1 Reply. Was ist los? Jesus und so? Alle müde? Was sagt Gott dazu?

    Mal ehrlich: Das Problem ist eigentlich nicht der Glaube. Das ist mehr ein Symptom. Wenn auch ein nerviges. Andere Symptome sind Homöopathie („Wenn ich meiner Kleinen die Kügelchen gebe, kriegt sie keine Beulen.“ „Wenn ich drei Kügelchen nehme, ist die Erkältung nach ein paar Tagen wieder weg.“) oder Astrologie („Ach, ein typischer Fisch!“ „Ne, ich bin Löwe“ „Achso, das hätte ich eigentlich auch vermutet!“).

    Manche Leute sind eben nicht besonders sport-affin und benutzer ihre Muskeln wenig. Andere benutzen andere Körperteile halt nicht so gern. Drüber nachdenken, Fakten abwägen usw. ist anstrengend. Einfacher ist es, das naheliegende zu übernehmen, was mir in meinem Umfeld gesagt wird, und nur das wahrzunehmen, was in dieses Bild passt („Jesus hat ihren Krebs geheilt!“ (Und die Millionen Krebstoten also nicht?)).

    Klar, unser Gehirn funktioniert so und jeder von uns hat seine Schubladen und Irrtümer. Gerade deshalb wäre Reflektion aber eben so wichtig.

    Und ansonsten sagt dein FB-Spruch „God made me an Atheist. Who are you to question his Wisdom?“ ja bereits alles, was man dazu sagen muss.

    Aber ich will doch noch ein wenig Differenzieren. Die ethische Grundtendenz, die die Autoren der diversen heiligen Bücher zumindest bei einigen ihrer Geschichten vermutlich hauptsächlich beabsichtigt hatten, ist durchaus nicht schlecht. Problematisch wird es eben dadurch, dass man religiöse Zwänge braucht, um diese zu legitimieren.

  3. Jaja, wenn Frauen sich mit Schlangen verbünden sind Männer und Götter machtlos. (Zitat aus: die Weltgeschichte der Lüge).

    Manchmal bewunder ich Menschen dafür, dass sie an Gott glauben. Dass sie bei diesem Thema ihre sonst so analytisch-wissenschaftliche Neugierde und häufig auch ihren gesunden Menschenverstand über Bord werfen können und auf das vertrauen, was in diesem dicken Wälzer steht oder auf katholischer Seite – was ihnen der alte Mann in seinem Panzerglasmobil erzählt.
    Die Bibel ist veraltet, da stehen Sachen drin, die damals aktuell waren, heute aber vollkommen nutzlos sind. Der Mensch hat sich entwickelt, seine Meinungen und Haltungen ebenso … nur der Glaube nicht.

    Ich kann mein Hirn in dieser Hinsicht nicht ausschalten, mein „christlicher“ Glauben besteht größtenteils auf Papier. Ich versuche ein guter Mensch zu sein, aber nicht, weil es da zufällig eine Schnittmenge mit den christlichen Werte sind, sondern weil es Werte sind, die ein möglichst konfliktfreies Miteinander ermöglichen. Im Wesentlichen besteht das ganze jedoch aus genau einem Gebot: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu bzw. von anderer Seite aus betrachtet: you get what you give.

    Allein die Frage „warum lässt Gott es dann zu, dass …“ müsste doch jeden Christen zum Nachdenken anregen. Warum lässt er es zu, dass in Syrien Menschen von einem Regime abgeschlachtet werden. Ach huch, ich vergaß, sind ja größtenteils Muslime, sorry Gott. Jaja bla, Gott stellt die Menschen auf eine Probe. Probe am Arsch!

  4. Hey, ich finde du schreibst super und ich finde du hast mit allem recht. Ich bin 13 Jahre alt und konnte nie alles ausdrücken, um zu sagen wie ich das alles sehe. Du kannst das, erstens daumen hoch und zweitens danke. Danke das du mir aus der Seele sprichts und dich auch traust das zusagen was du denkst.Das hilft mir sehr weiter. LG Chiara (13)

  5. „Wisst Ihr… Wissenschaft funktioniert“
    Mich würde interessieren, wie Du mir (einem aus Deiner Sicht dummen und unaufgeklärten Christen) erklärst, woher das Universum, der Urknall und die unbegreiflich große Menge an Energie kommt, die für die Entstehung des Universums nötig ist.
    Als kritischer Denker, sollte Dir die Frage kommen, woher diese Energie kommt. Oder hört Deine Kritik da auf, wo Dein „Glaube“ anfängt?

  6. Woher alles kommt, kann ich Dir nicht beantworten, aber das kann Dir eben auch keine Religion.

    Nimm für den Moment an, es gibt einen Gott, der unser Universum geschaffen hat. Dann hast Du eine Antwort darauf, woher unser Universum kommt. Aber woher kommt der Gott? Und woher kommt die Energie und Materie, aus der er dann Universen schafft?

    Was war vor Gott?

    Wissenschaft versucht diesen Fragen nachzugehen. Religionen postulieren einfach, dass es kein davor gibt. Gott ist ewig und damit ist Schluß. Bzw. eben nicht. Aber die eigentliche Frage bleibt: Woher?

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