Sponsoring vs. Schleichwerbung

Im Fernsehblog steht grade was darüber, dass Pro7 sich vor Gericht dafür rechtfertigt, bei den TV-Shows zur Wok-WM sehr offensiv mit den Sponsoren der Show umgegangen zu sein. Bzw. dass sie sich eben versuchen gegen das Label Schleichwerbung zu wehren.

Meine Frage ist jetzt – wo fängt Schleichwerbung an? Wenn das, was Pro7 da betreibt als Schleichwerbung gilt, was ist dann mit der Fußballbundesliga oder mit der Formel 1? Immerhin fährt da auch Red Bull gegen Ferrari…

Soweit ich das verstehe, was ich mir aus dem Artikel gezogen habe scheint das Problem zu sein, dass es sich bei der Wok-WM um eine Produktion von bzw. für Pro7 handelt, auch wenn der Sender das anders sieht. Aber – selbst wenn, wo ist der große Unterschied? Ob die DFL nun ein Fußballturnier ausrichtet (“Bundesliga”), dass sie an die Fernsehsender verkauft, oder das selbe mit der Formel 1 passiert. Vielleicht ist die Bundesliga dazu noch nichtmal das beste Beispiel, denn immerhin kann und muß man sich hier sportlich qualifizieren. Aber Formel 1?

Die Event Formel 1 wird von einer Produktionsgesellschaft veranstaltet, mit dem Ziel Geld zu verdienen. Und das geschieht über Sponsoring und TV-Einnahmen.

Der Event Wok-WM wird von einer Produktionsgesellschaft veranstaltet, mit dem Ziel Geld zu verdienen. Und das geschieht über Sponsoring und TV-Einnahmen.

Und das Sponsoring fällt ja auch nur so hoch aus, weil die TV-Präsenz dazu kommt. Oder ist “Sponsoring” nicht nur ein anderer Begriff, sondern auch ‘moralisch’ anders, als schnöde Werbung? Ist das hier das Problem?
Weil Formel 1-Sponsoren ihr Geld aus “liebe zum Sport” hergeben, während Wok-WM-Sponsoren das nur der Medienpräsenz wegen machen? Glaubt das irgendwer?

Formel 1-Autos sind fahrende Werbemittel. Die Wirksamkeit der Werbemittel hängt – wenigstens ist das die Theorie, aufgrund derer die Werbeetats vergeben werden – vom Erfolg im Rahmen der durch die Formel 1 gesetzten Regeln ab. Zumal natürlich, die Gewinner häufiger im Bild sind, mehr Screentime für die Werbetreibenden. Die Strecke ist dazu zugepflastert mit Werbebanden, Blow-Ups, und Menschen in gesponserter Kleidung. Wo ist der relevante Unterschied zur Wok-WM?

Und wo ist eigentlich überhaupt das große Problem mit der Schleichwerbung in solchen Zusammenhängen? Mal ab von “Ist nicht erlaubt”. Aber gute Regeln haben ja auch einen Hintergrund, einen Sinn, der über das reine Regulieren hinaus geht.

Wie auch immer, mir persönlich ist der Umgang mit Werbung in Deutschland sowieso viel zu unentspannt. Ich wäre ja für eine weitgehende Freigabe. Das reguliert sich hoffentlich von alleine.
Wer zuviel Werbung mit zu wenig Programm verknüpft, verliert irgendwann Zuschauer. So meine Theorie. Und wenn nicht, dann ist es für die Zuschauer ja offenbar auch wieder okay.

7 Gedanken zu „Sponsoring vs. Schleichwerbung

  1. Bei der Wok-WM gab es Werbung?

    Als geübter Internet-Nutzer habe ich dort keinerlei Werbung wahrgenommen sondern nur den Spass á la „Deppen auf Eis“ betrachtet.

    PS: Ich kann im Nachhinein wirklich keinen einzigen „Sponser“ direkt benennen -.-„

  2. Bei einer normalen Sportveranstaltung wie Bundesliga oder Formel1 hat der Sender doch normalerweise keinen Einfluss auf Bandenwerbung oder Namensgebung des Teams, des Stadions oder einer Rennkurve. Der Sender kauft ja nur die Senderechte für die Veranstaltung, die so oder so stattgefunden hätte.

    Das Problem bei der Wok-WM war aber, dass die Raab-Produktionsfirma von Anfang alle Sponsoren an Bord geholt hat. Die Team-Namen und die Werbeplakate auf der Strecke sind somit von einer Tochterfirma von ProSieben festgelegt worden. Hier hatte der Sender also sehr wohl Einfluss darauf, welche Werbung gezeigt wird und was nicht.

    Und ohne dass Pro7 nicht das WOK-Rodeln im Fernsehen gezeigt hätte, gäbe es wohl auch kein solches Rodeln (klingt doch irgendwie nach Vetternwirtschaft).

  3. @Karsten *g* Ja, ich hätte auch nix benennen können.

    @Daniel E. Ja, ist mir soweit auch alles bewußt. Nur: Wo ist da der Unterschied am Ende? Für den Zuschauer ist es völlig egal, wie die Vermarktungsstrukturen sind. Und der soll hier ja offenbar vor irgendwas geschützt werden…
    Und ohne, dass Formel 1 im Fernsehen liefe, gäbe es das auch nicht. Dazu ist das viel zu kostspielig.

  4. @Curi0us
    Stimmt, ohne das Fernsehen gäbe es auch kein Formel1, aber die Veranstalter sind nicht zwingend auf RTL angewiesen. Die Senderechte werden auf dem Markt angeboten und das Rennen könnte auch von 9Live übertragen werden.

    Wenn RTL die Aral-Kurve dreimal mehr als letztes Jahr nennt, bekommt es dafür keinen Cent mehr. Wenn Pro7 aber RedBull öfter einblendet als Warsteiner, vielleicht schon.

    Dass Pro7 also bewusst Einfluss auf die Werbung und indirekt auch Einfluss auf das Konsumverhalten des Zuschauers nimmt, ist verwerflich. Davor sollte der Zuschauer geschützt werden.

  5. Ohne Werbung würde es sehr wohl Fussball und andere sportliche Grossveranstaltungen geben. Dort hat das fernsehen durch seinen Einfluss, das Umfeld „versaut“. Die Raab-Produktionen(!!!!!) sind allerdings durch das Fernsehen initiert. Insofern müsste man sie als Dauerwerbesendung bekanntgeben. 🙂

    Raab produziert diese Veranstaltungen (als Grundidee!) – und da sind wir uns wohl alle einig – um im TV damit Geld zu verdienen.

    @Curi: Ich glaube nicht, dass 1950 (als die erste Formel 1 Weltmeisterschaft durchgeführt wurde) das Fernsehen schon solch Einfluss hatte. Oder? Wieviele Fernsehempfangsgeräte gab es denn da schon?

    Das Fernsehen hat den Sport verändert. Und nicht andersrum!

  6. @Daniel E ich denke das ist der Unterschied. Ich finde es nicht verwerflich. Es geht hier um eine Show, die Primär dazu durchgeführt wird um dem Veranstalter (hier Raabs Firma und Pro 7) Geld einzubringen. Das ist – @Reizzentrum wird sicher „leider“ sagen – heute aber bei der Bundesliga und vor allem bei der Formel 1 – nicht anders.

    @Reizzentrum Ich hab ja gesagt, dass der Bundesliga-Vergleich hinkt. Und klar wurde Formel 1 damals nicht fürs Fernsehen oder gar vom Fernsehen erfunden. Das ist – wie du ja auch sagst – eine Veränderung die stattgefunden hat. Nur ist heutzutage einfach *nach* der Veränderung. Und entsprechend finde ich das Show-Event Wok-WM (ohne sportlichen Anspruch) und das Show-Event Formel 1 (mit sportlichem Anspruch) einfach vergleichbar.

  7. @Curi:

    Wok-WM ist einfach die Pervertierung dessen, was Du als „nach der Veränderung“ bezeichnest.

    In meinen Augen war schon „die Veränderung“ ein grosser Fehler. 🙂

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