{"id":839,"date":"2009-06-26T23:51:54","date_gmt":"2009-06-26T21:51:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/?p=839"},"modified":"2009-06-26T23:53:59","modified_gmt":"2009-06-26T21:53:59","slug":"mut-zur-irrelevanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2009\/06\/26\/mut-zur-irrelevanz\/","title":{"rendered":"Mut zur Irrelevanz"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Vor gerade mal einer Woche hab ich selbst ja <a href=\"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2009\/06\/19\/wie-man-eine-generation-politisiert\/\" target=\"_blank\">darauf hingewiesen<\/a>, dass wir Web2.0er, wir Blogger, Microblogger, Podcaster und Vlogger, Social Network-Bewohner, wir Webcontent-Ersteller alle zusammen wichtig sind. Relevant.<\/p>\n<p>Wenn wir wollen.<\/p>\n<p>Und ich bin fest davon \u00fcberzeugt, dass das zutrifft. Wenn wir als gro\u00dfe Gruppe wollen, sind wir relevant. Aber als Einzelner?<\/p>\n<p>Die Zeit macht sich bei mir gerade sehr beliebt mit einer Reihe von guten Artikeln im Zusammenhang mit dem Zensursula-Themenkomplex, Internet, Web2.0. Der letzte davon ist von gestern: \u201c<a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/www.zeit.de\/online\/2009\/26\/twitter-revolution-medien?page=1');\"  href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2009\/26\/twitter-revolution-medien?page=1\" target=\"_blank\">Die Medien-Revolution, die keine ist<\/a>\u201d.<br \/>\nVermutete dr\u00f6lfmillionen klassische Pressetexte zu Twitter &amp; Co. sind bisher sinnloserweise zu dem Ergebnis kommen, dass wir ja alle nur und \u00fcberwiegend belangloses Zeug rauspusten. Und deswegen w\u00e4ren wir langweilig, \u00fcberfl\u00fcssig, unn\u00fctz und vor allem genau gar nicht journalistisch oder gar relevant.<br \/>\nUnd deswegen nat\u00fcrlich auch abzulehnen.<br \/>\nJetzt scheint die Zeit, bzw. Autor Fabian Mohr, es verstanden zu haben.<\/p>\n<p>Ja, wir sind meistens belanglos, langweilig, allt\u00e4glich. Und das ist kein Problem. Denn \u2013 trotz allem Sendungsbewu\u00dftsein, dass wir alle sicherlich haben, darum geht es uns, meist gar nicht. Mir definitiv nicht. Genausowenig, wie ich mit diesem Blog den Anspruch erhebe, gro\u00dfe Massen anzusprechen, zu informieren oder zu unterhalten.<br \/>\nKlar, ich freu mich \u00fcber jeden Leser, jeden Kommentar. Genauso wie ich mich in Twitter dar\u00fcber freue, wenn jemand meine Tweets gut findet und vielleicht sogar darauf reagiert.<\/p>\n<p>Aber eigentlich sind beide Kan\u00e4le erstmal nur Spielzeug. Meine ganz pers\u00f6nlichen Kan\u00e4le nach drau\u00dfen. In denen passiert, was mir durch den Kopf geht, was ich m\u00f6chte. Und wer mich lesen mag, darf das (in der Regel) gerne tun, und wer nicht\u2026 liest halt weg. Wem egal ist, dass ich mich morgens \u00fcber meinen Kaffee freue, egal ist, wenn ich mich \u00fcber Tore meines Vereins freue, mit Freunden oder Onlinebekannten rumalbere, bitte. Ich zwinge nicht dazu. Ich schreib n\u00e4mlich erstmal f\u00fcr mich. Nicht f\u00fcr euch da drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Aber offenbar gibt es einen Teil der Welt, den das interessiert. Auch wenn sie mich teils wirklich nur \u00fcber Twitter kennen. Genauso wie mich bei einem Teil der Welt interessiert, wenn sie ihren Kaffee trinken oder Mittagspause machen. Wenn sie traurig sind, weil Michael Jackson gestorben ist, oder dar\u00fcber Witzeln. Meine kleine, pers\u00f6nliche Online-Welt. Und wer mich langweilt oder nervt, wird halt unfollowed. Den lese ich dann nicht mehr. Fertig.<\/p>\n<p>Und seien wir ehrlich: So funktioniert Alltag. Das sollte auch jeder Journalist kennen, der meint, Twitter w\u00e4re bl\u00f6de und langweilig. Setzt euch in ein Restaurant, eine Kneipe, telefoniert mit euren Freunden, redet mit euren Kollegen. \u201cGestern hab ich das erste Mal Straussenfleisch gegrillt, war das lecker!\u201d. \u201cMeine Mutter kommt morgen ins Krankenhaus, ich werd wohl etwas fr\u00fcher gehen, will sie besuchen\u201d. H\u00f6rt Ihr da weg? Sind eure Freunde oder Kollegen dann langweilig?<\/p>\n<p>Und alle Jubeljahre bekommt Twitter dann \u00fcbergreifende Relevanz, zeigt, was sonst noch darin steckt. Vernetzung. Und damit zusammenh\u00e4ngend: Geschwindigkeit.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Minuten, nachdem TMZ spekulierte, dass Michael Jackson tot war, war die halbe Twitterwelt im Thema. Inklusive verlinkter Quelle (!).<br \/>\nUnd damit ungef\u00e4hr eine halbe Stunde, bevor die ersten \u201cklassischen\u201d Medien auf ihren Online-Auftritten reagiert hatten. \u00dcbrigens mit Berufung auf die selbe Quelle. Das ist genauso seri\u00f6s oder unseri\u00f6s. Kurz die g\u00e4ngigen Quellen abgrasen k\u00f6nnen wir n\u00e4mlich auch. Nur sind wir 10.000 oder mehr und finden damit notfalls auch schneller mehr Quellen.<\/p>\n<p>Protestierende im Iran vermitteln ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, was da gerade abgeht. Subjektiv, pers\u00f6nlich, ungefiltert.<br \/>\nO-Ton w\u00fcrde man wohl bei Journalisten sagen. Das ist nicht die ganze Wahrheit, aber es erhebt auch gar nicht den Anspruch. Wer das versteht, versteht auch Twitter.<\/p>\n<p>Niemand w\u00fcrde f\u00fcnf Demonstranten interviewen und darauf basierend einen Artikel ver\u00f6ffentlichen, der von sich behauptet das komplette Thema abzubilden. Aber genau das ist die Anspruchshaltung vieler an Twitter und Blogs. Jedenfalls wirkt es so.<\/p>\n<p>Wer so denkt, h\u00e4lt jeden Tweet, jedes Blogposting f\u00fcr eine Presseerkl\u00e4rung. Sucht krampfhaft in allem was als Text vorliegt Bedeutung oder Sinn, weit dar\u00fcber hinausgehend, was wir selbst da rein legen wollen oder k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>99% von dem was ich sage \u2013 und ich glaube das gilt f\u00fcr die meisten anderen auch \u2013 ist nur f\u00fcr mich und einige andere von irgendeiner Bedeutung. Wer sich f\u00fcr mich interessiert, findet es vielleicht auch sch\u00f6n zu sehen, dass ich morgens Kaffee trinke, oder um 12:30 Pause an der Alster mache. Lernt mich dar\u00fcber vielleicht etwas besser kennen. Den Menschen hinter dem Text. Und darum geht es erstmal. Menschen. Nicht Presseerkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p>Es geht um Menschen. Wer das versteht ist herzlich willkommen. Wer hier h\u00f6here Relevanz sucht m\u00f6ge bitte weitergehen.<\/p>\n<p>Hier gibt es nichts zu sehen.<\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor gerade mal einer Woche hab ich selbst ja darauf hingewiesen, dass wir Web2.0er, wir Blogger, Microblogger, Podcaster und Vlogger, Social Network-Bewohner, wir Webcontent-Ersteller alle zusammen wichtig sind. Relevant. Wenn wir wollen. 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