{"id":396,"date":"2008-12-05T17:53:16","date_gmt":"2008-12-05T16:53:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/?p=396"},"modified":"2008-12-05T17:57:07","modified_gmt":"2008-12-05T16:57:07","slug":"change","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/12\/05\/change\/","title":{"rendered":"Change!"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Ich wei\u00df ich bin lange nicht der erste, der sich mit dem Thema besch\u00e4ftigt. Trotzdem.<\/p>\n<p>Neulich in Twitter geisterte dieses \u201cMeme\u201d von der Beleidigung2.0 rum. Ist das \u00fcberhaupt ein Meme? Jedenfalls ist es ein Hashtag, der einen Abend lang ziemlich intensiv genutzt wurde. Beleidigung2.0 lief im Prinzip darauf hinaus, dass man\/wir\/die Webzwonuller in 125 Zeichen (15 gingen ja f\u00fcr den Hashtag drauf) Beleidigungen gegen\u00fcber anderen Ausspricht. \u201cDu hast eine Homepage\u201d. \u201cDu fragst nicht \u2018welche\u2019 wenn jemand deine Emailadresse haben will\u201d. \u201cDu \u2018gehst online\u2019\u201d. War lustig. Geekig aber ich hatte meinen Spass. Im Moment turnt &#8222;#opatwittertvomkrieg durch Twitter. Auch wieder mehr oder weniger lustig. Und wieder relativ viele Menschen, die mitmachen.<\/p>\n<p>Aber ich schreib das aus einem ganz anderen Grund auf.<br \/>\nIst euch mal <em>bewu\u00dft <\/em>aufgefallen, wie enorm das Netz uns, unsere Gewohnheiten, unser Verh\u00e4ltnis zu Menschen, die Art wie und wor\u00fcber wir Witze machen und f\u00fcr die Netzbewohner eigentlich fast alles ver\u00e4ndert hat?<\/p>\n<p>Der Achtzehnj\u00e4hrige Curi fand sein Leben damals glaube ich ganz gut. Der Vierunddrei\u00dfigj\u00e4hrige seins heute auch, aber trotzdem..<\/p>\n<p>Schon enorm:<\/p>\n<p><strong>Irgendwann, 1993. Sonntags, 10:00 Uhr: <\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Boah, ich bin wach, ich glaub ich nehme mir mal ein Buch und lese was. Danach stehe ich auf, geh ins Bad und hol mir was zum Fr\u00fchst\u00fcck. Vielleicht kommt ja was im Fernsehen. Oder ich spiel was am Amiga. Vielleicht treff ich mich nacher ja noch mit Freunden. Freunde, das sind die Menschen, die ich seit einer Weile kenne. Wir haben uns auf der Schule oder \u00fcber andere Freunde kennengelernt. Verbringen viel Zeit miteinander, viel Zeit hei\u00dft sowas wie 2-3 Stunden pro Woche. Die Schulstunden mal ausgeblendet. Mal sehen, ich versuche ob ich die mit dem Telefon erreiche. Immerhin haben meine Eltern ISDN. Das ist toll, ich habe meine eigene Telefonnummer und ich kann ganz ungest\u00f6rt in meinem Zimmer telefonieren. Das k\u00f6nnen nicht alle meiner Freunde. Lange nicht.<\/p>\n<p>Meine Freunde und guten Bekannten wohnen alle in Hamburg und Umgebung. Die meisten kann ich mit dem Rad in 30 Minuten erreichen.<\/p>\n<p>Wenn ich mich verabrede, dann auf die Minute und mit pr\u00e4ziser Ortsangabe:<br \/>\n\u201cWir treffen uns um 15:30 am Burgerking, vor dem r\u00fcckw\u00e4rtigen Eingang\u201d.<\/p>\n<p>Kommt jemand zu sp\u00e4t bin ich genervt, kommt jemand gar nicht sowieso. Eventuell ruft man \u2013 in besonderen F\u00e4llen \u2013 mal von der n\u00e4chsten Telefonzelle beim betroffenen daheim an und da wei\u00df jemand was.<\/p>\n<p>Wenn ich mich informieren will, dann lese ich Zeitung \u2013 das sind brandaktuelle Informationen, da steht heute schon drin, was gestern passiert ist. Noch schneller ist nur das Fernsehen \u2013 die Tagesschau zeigt mir die Bilder, auch davon, was heute fr\u00fch alles in der Welt los war. Das ist zum Teil nur ein paar Stunden vorbei. Unglaublich.<\/p>\n<p>Wenn ich mehr zu einem Thema wissen m\u00f6chte, mu\u00df ich im Lexikon gucken. Leider steht da oft nur wenig, dann Frage ich jemanden, von dem ich glaube, dass er es wissen k\u00f6nnte. Oder gehe in die Bibliothek. Nach wenigen Tagen habe ich so einiges an Informationen zu einem spannenden Thema zusammen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Irgendwann, 2008, Sonntags, 10:00 <\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Guten Morgen Welt. Ich bin wach. Ich klappe dann mal den Laptop auf. Erstmal im Web guten Morgen sagen. Mails gucken. Oh, cool, jemand hat auf meinem Blog kommentiert. Ein guter Bekannter. Gute Bekannte, das sind die Menschen, mit denen ich mich regelm\u00e4\u00dfig austausche. Wir kennen uns schon \u2018ne Weile. Weil wir unsere Blogs gegenseitig lesen, mal in Twitter ein bis drei Tweets ausgetauscht haben. In Plurk gechattet. Und uns vielleicht schon im echten Leben getroffen. Einen Abend lang. Vielleicht auch zwei. Freunde gibt es auch online. Das sind dann die, mit denen ich regelm\u00e4\u00dfiger Chatte, eventuell auch telefoniere, oder Teamspeak.<\/p>\n<p>Erstmal Br\u00f6tchen holen. Nehme mir eine Sonntagszeitung mit. Zuhause aber mit dem Fr\u00fchst\u00fcck erstmal wieder vor den Rechner. Kommunikation, Information. Emails, Tweets, Plirks. Kommentare in anderen Blogs. Nebenher noch die aktuellen Nachrichten lesen. Aktuell wie \u201cDas, was in den letzten 3 Stunden passiert ist\u201d. Wenn ich wissen will, was in der Welt passiert, gucke ich online.<\/p>\n<p>Naja, jetzt mu\u00df ich mir meinen Feedreader vornehmen, schon wieder \u00fcber 150 ungelesene Blogbeitr\u00e4ge, mal sehen. Ich bin wohl gestern nicht zum lesen gekommen.<\/p>\n<p>Beitr\u00e4ge aus ungef\u00e4hr 50-60 Blogs, die von den Autoren handeln. 50-60 Menschen, an deren Leben ich irgendwie teilnehme. Lese, wenn sie Eltern werden, Ihren Job wechseln, sich eine WII kaufen oder zum Fu\u00dfball gehen. In Twitter ungef\u00e4hr dreimal soviele. Menschen, von denen ich Schnipsel ihres Alltags mitbekomme. Mehr (und zugegeben banaleres) als von vielen Menschen, die ich vor 10 Jahren als \u201cFreunde\u201d bezeichnet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Wenige von meinen Freunden und Bekannten wohnen in Hamburg. Sie verteilen sich \u00fcber Europa: Hamburg, M\u00fcnchen, Berlin, Aachen, Kiel, Bremen, Dresden, Schweiz, Italien, \u00d6sterreich, Irland, England. Wenige, weil sie weg gezogen sind, die meisten haben nie in meiner r\u00e4umlichen N\u00e4he gelebt. Trotzdem sind es Freunde oder Bekannte.<\/p>\n<p>Wir sehen uns \u2013 teilweise <strong>leider<\/strong> \u2013 sehr selten. Wenn wir uns verabreden, dann meist Vage. \u201cIch bin ab ca. 15:00 in der Stadt und Terminfrei, lass uns dann nochmal kurz reden\u201d. Das Mobile ist immer dabei. SMS, Mail, kurze Telefonate, 5 Minuten vorher:<br \/>\n\u201cIch steh grad am Rathaus, wo steckst Du denn?\u201d &#8211; \u201cIch bin am Hauptbahnhof, treffen wir uns in der Mitte? Burgerking?\u201d &#8211; \u201cOkay\u201d\u2026.1 Minute vorher \u201cIch bin am BK vorbei, wo steckst Du?\u201d &#8211; \u201cAndere Seite BK, ich komm rum!\u201d.<\/p>\n<p>Die Sonntagszeitung ist mal wieder hoffnungslos veraltet. Die Fu\u00dfballspiele habe ich \u201clive\u201d im Ticker erlebt. Das Sankt Pauli Spiel sogar im Webradio. Politische Ereignisse standen gestern bereits online.<\/p>\n<p>Wenn ich mehr zu einem Thema wissen will, Frage ich per Twitter meine Follower, vielleicht kann jemand helfen. Oder ich frage Google, oder Wikipedia. Nach wenigen Minuten habe ich einen recht guten \u00dcberblick \u00fcber das Thema, wenn ich mehr wissen will, kann ich mich jetzt einlesen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Irgendwie schon krass, oder? Das sind 15 Jahre. Ungef\u00e4hr ein F\u00fcnftel oder ein Sechstel Menschenleben. Denkt weiter zur\u00fcck, vor 150 Jahren gab es noch nichtmal Radio. Telegrafen und Gedrucktes war damals das Nonplusultra der Informations\u00fcbermittlung. Die Informationsmenge, die einem Einzelnen zug\u00e4nglich war, war unglaublich gering im Vergleich zu dem, was heute in \u201cunmittelbarer Reichweite\u201d ist.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Anteil dessen, was f\u00fcr mich, f\u00fcr uns hier im Web2.0, inzwischen selbstverst\u00e4ndlich ist, wirkt f\u00fcr \u201cnormale Menschen\u201d doch v\u00f6llig absurd. Aber ich kenne kaum noch \u2018normale\u2019 Menschen. Nicht v\u00f6llig normal. Google und Wikipedia kennen wohl fast alle. Nur das mit der Kommunikation klappt noch nicht bei und mit allen.<\/p>\n<p>Geht es euch auch so, dass Ihr zwischendurch einfach dasitzt und staunt? Und euch fragt, ob in 15 Jahren vielleicht wieder alles anders ist? Und wie anders es dann sein wird?<\/p>\n<p>Ich bin echt gespannt!<\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df ich bin lange nicht der erste, der sich mit dem Thema besch\u00e4ftigt. Trotzdem. 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