{"id":325,"date":"2008-09-30T10:01:18","date_gmt":"2008-09-30T08:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/09\/30\/online-buchpreisbindung\/"},"modified":"2008-09-30T10:01:18","modified_gmt":"2008-09-30T08:01:18","slug":"online-buchpreisbindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/09\/30\/online-buchpreisbindung\/","title":{"rendered":"Online-Buchpreisbindung"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Ab und zu ist es ja so, dass die Hersteller den Verk\u00e4ufern die Verkaufsbedingungen diktieren k\u00f6nnen. Apple macht das mit dem iPhone ja gerade erfolgreich vor. Solange die Hersteller einer Ware dies machen, solange finde ich das auch in Ordnung. Am Ende kann sich der Verk\u00e4ufer\/Handel hier ja \u00fcberlegen, inwiefern die m\u00f6glichen Gesch\u00e4fte rentabel sind. <\/p>\n<p>Wenn aber der Staat eingreift, wird es wenigstens bedenklich. Vor allem, wenn es nicht mehr darum geht tats\u00e4chliche Monopole zu verhindern und Kartellabsprachen zu vermeiden, sondern darum durch staatliche Kontrolle die Preise besonders hoch zu gestalten. Und damit quasi wirtschaftliche Biotope f\u00fcr kleine (und damit vulgo erfolglose) Buchhandlugnen zu schaffen. Dies geschieht de facto mit der <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buchpreisbindung');\"  href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buchpreisbindung\" target=\"_blank\">Buchpreisbindung<\/a>. Was genau soll das? Die Argumentation die mir dazu durch den Kopf geistert geht ungef\u00e4hr wie folgt: <\/p>\n<p>Die Buchpreisbindung verhindert dass gr\u00f6\u00dfere Buchhandelsketten durch den Einkauf gr\u00f6\u00dferer Mengen m\u00f6gliche g\u00fcnstigere Einkaufspreise an die Kunden weitergeben. Damit w\u00fcrden sie n\u00e4mlich m\u00f6gliche kleinere Wettbewerber bedr\u00e4ngen, die nat\u00fcrlich nicht so gute Einkaufskonditionen bek\u00e4men. Dagegen frage ich: Warum eigentlich nicht? Warum sind kleine Buchh\u00e4ndler sch\u00fctzenswert? Und wer, au\u00dfer deren Inhaber, die sonst m\u00f6glicherweise eben irgendwo angestellt in einer Kette arbeiten m\u00fcssten, profitieren von diesem Deal? Richtig: Die Verlage. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem w\u00fcrde so die kulturelle Vielfalt gesichert. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass hochwertige Literatur oft nur sehr kleine K\u00e4uferschichten anspricht. Kleiner Markt, kleine Auflage, gro\u00dfe Preise. Damit w\u00e4re hochwertige Literatur aber teurer als minderwertige und das w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass man finanziell schlechter gestellte Menschen von h\u00f6herwertiger Literatur ausschlie\u00dft. Wer kein Geld hat, kauft billige B\u00fccher, kauft Schund. Nur: Wollen wir einen Staat, der definiert was h\u00f6herwertig ist? Wollen wir eine Situation in der Eliten durch ihre Auswahl definieren, was \u201clesenswert\u201d und damit sch\u00fctzenswert ist? Ich pers\u00f6nlich meine, dann soll der Staat eben durch staatlich gef\u00f6rderte Sonderausgaben die Vielfalt sicherstellen. Jeden Monat eine besonders \u201clesenswerte\u201d Ausgabe durch Preise o.\u00e4. quasi subventionieren, damit Joe Sixpack sich dieses hochwertige B\u00fcchlein eben doch leisten kann. <\/p>\n<p>\u00dcbrigens ist es ja schon eher so, dass Joe Sixpack oft gar kein Interesse an den B\u00fcchern hat. Wie viele Menschen auf Leserseite profitieren eigentlich wirklich von der Buchpreisbindung, weil sie dadurch Geld sparen? Und wie viele K\u00f6nnten sich die B\u00fccher, die sie sonst nicht l\u00e4sen nur wegen der Buchpreisbindung leisten? Ein Prozent? Weniger? Zumal viele B\u00fccher ja trotzdem einigerma\u00dfen illusorische Preise haben, wer mal Studiert hat kennt das nur zur Gen\u00fcge. Da kostet ein Buch trotz Buchpreisbindung dann schnell mal 80 oder 90 Euro. Das ist f\u00fcr einen Studenten schnell mal ein Viertel des Monatseinkommens. Und Studenten sind sicherlich noch am ehesten Menschen, die \u201ch\u00f6herwertige Literatur\u201d brauchen und\/oder haben m\u00f6chten aber finanziell nicht auf Rosen gebettet. <\/p>\n<p>Nun gut, man merkt ich halte ziemlich wenig von der Buchpreisbindung als solches. <\/p>\n<p>Jetzt ist der B\u00f6rstenverein des deutschen Buchhandels auf eine noch viel gro\u00dfartigere Idee gekommen:    <br \/>Diese Quasi-Gelddruck-Maschine f\u00fcr die Verlage (die sich ja dank Festpreisen de facto keinen wirklichen Preiskampf liefern k\u00f6nnen oder m\u00fcssen) <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/www.heise.de\/newsticker\/Boersenverein-Buchpreisbindung-gilt-auch-fuer-E-Books--\/meldung\/116649');\"  href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Boersenverein-Buchpreisbindung-gilt-auch-fuer-E-Books--\/meldung\/116649\" target=\"_blank\">gilt dessen Meinung nach n\u00e4mlich auch f\u00fcr E-Books<\/a>.     <br \/>Sp\u00e4testens hier wird die Absurdit\u00e4t des ganzen deutlich: W\u00e4hrend man bei gedruckten B\u00fcchern wenigstens noch davon ausgehen kann, dass hier neben den Kosten f\u00fcr Personal (Autor, Lektor) auch noch tats\u00e4chliche Produktionskosten f\u00fcr den Druck auftreten die B\u00fccher in kleinerer Auflage de facto teurer (pro Buch) machen, ist es online ja v\u00f6llig anders. Die komplette Produktionskette f\u00e4llt weg. Damit fallen dann auch die Kosten daf\u00fcr weg. Das hei\u00dft aber auch: Es gibt de facto keine direkten Produktionskosten f\u00fcr E-Books. Es gibt nur mehr Distributionskosten. Und daf\u00fcr gibt es ja bereits sehr gut funktionierende Modelle, die sich \u00fcber die einzelnen Abverk\u00e4ufe rechnen. <\/p>\n<p>Ja, die Autoren m\u00fcssen auch irgendwo von leben. Logisch. Aber genau wie in allen anderen Bereichen des Lebens gilt: Mach deine Sache gut (und damit in dem Fall vor allem erfolgreich) und du wirst belohnt werden. <\/p>\n<p>Ich kann ja jede Branchenorganisation verstehen, die Lobbyismus betreibt. Das ist deren gutes Recht. Aber dass unser Staat sich da so einfach instrumentalisieren l\u00e4sst, regt mich auf. Au\u00dferdem mu\u00df ich dringend mal einen Beitrag zu meinem Kulturbegriff schreiben.<\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab und zu ist es ja so, dass die Hersteller den Verk\u00e4ufern die Verkaufsbedingungen diktieren k\u00f6nnen. Apple macht das mit dem iPhone ja gerade erfolgreich vor. 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