{"id":311,"date":"2008-09-20T00:59:40","date_gmt":"2008-09-19T22:59:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/09\/20\/erwachsen\/"},"modified":"2008-10-03T10:08:26","modified_gmt":"2008-10-03T08:08:26","slug":"erwachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/09\/20\/erwachsen\/","title":{"rendered":"Erwachsen"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Ich kann mich an kaum einen meiner Geburtstage wirklich erinnern. Letztes Jahr (33) lag ich krank im Bett. Da kann ich mich dran erinnern. Dass ich meine Eltern anpflaumte (weil ich dankt der Krankheit schmerzen im Mund hatte. Nervt arg beim Telefonieren). Daran, dass ich meine damalige Freundin etwas vermisste, die gerade ganz andere Sorgen als mich hatte. Aber davor? Also l\u00e4nger als ein Jahr her? Keine Ahnung. <\/p>\n<p>Als ich 30 Wurde hab ich glaube ich sogar gefeiert. Ich war gerade frisch verheiratet, wir wohnten seit einem halben Jahr in unserer Wohnung. Aber das ganze geht unter in einem Wust aus anderen Erinnerungen. Geburtstage sind nicht wichtig. Meine wenigstens. 30, das war 2004. <\/p>\n<p>Ich habe mit 6 Angefangen \u201cKarriere\u201d zu machen. In dem Sinne, dass ich diffus wu\u00dfte, dass ich irgendwie \u201cnach vorne\u201d will. Nicht als High-Potential, aber doch kontinuierlich \u201cgrundsolide\u201d. In der Schule immer vorn mit dabei (aber: Integrierte Gesamtschule, das f\u00fchrt zur Abwertung), irgendwie immer gewusst, dass ich mal studieren will (warum wu\u00dfte ich damals glaube ich noch nicht, vielleicht weil ich \u201canders\u201d sein wollte als jene \u201cSchulversager und Sport-Kids\u201d, die ich in meiner Klasse teilweise verachtete?).    <br \/>Ein kleiner Geek, wenn man so will, aber nie so ganz. Immer auch Radfahren neben dem Computer. Durchgewurschtelt. Ich hatte glaube ich eine ziemlich unproblematische Pubert\u00e4t, dann Zivi, danach direkt Uni, im ersten Studiengang geblieben, recht fr\u00fch einen Nebenjob bekommen in der Branche, in die ich eh wollte (Marktforschung) und ab da dann recht linear. Studium war zwar relativ lang, aber nicht zu lang. Drei Monate nach dem Diplom fing ich in meinem ersten Vollzeitjob an. Und in der Firma bin ich noch immer. Vom Junior zum \u201cSenior\u201d, zum Teamleiter. Geld stimmt schon, auch wenns nat\u00fcrlich irgendwie immer mehr sein k\u00f6nnte. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Mir geht\u2019s ja eigentlich ganz gut. Ich bin Gesund. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>singt Bodo Wartke. Und eigentlich hat er damit ziemlich recht. Eigentlich geht\u2019s mir sogar ziemlich gut. Ich bin relativ gesund, ich habe einen relativ hohen Lebensstandard. Hunger, K\u00e4lte etc. sind f\u00fcr mich so derma\u00dfen nicht relevant, dass ich eigentlich wirklich keine Probleme habe. Ich habe wenige, aber erlesene Freunde. Ich komme gut mit meinen Eltern zurecht. Aber irgendwie fehlt nat\u00fcrlich immer was. Nur weil man mehr hat, wird man nicht automatisch gl\u00fccklich. <\/p>\n<p>Ich bin mitten in Hamburg gro\u00df geworden. Ottensen, Bahrenfeld, Altona. Mein \u201cZuhause\u201d. Kein Problemstadtteil, aber auch nichts besonderes. In 15-20 Minuten im Zentrum der Stadt, in 5-10 Minuten im Zentrum Altonas. Ein sch\u00f6ner Aspekt an Hamburg ist, dass jeder Stadtteil sein eigenes Zentrum hat. Der Regierungsbezirk Altona hat selbst schon ziemlich viele Einwohner. 700.000 oder so. Und irgendwann begann ich, das alles nicht mehr spannend zu finden. Das was dort passierte war wiederholbar. Die Verhei\u00dfungen, die die Gro\u00dfstadt f\u00fcr viele Zugereiste bietet, waren f\u00fcr mich nur mehr reduziert wichtig Man bekommt alles was man braucht, aber \u201caufregend\u201d war das nicht. Trott. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Du kommst auf die Welt um ihr den Kopf zu verdrehen, du lachst \u00fcber Hunde und deine eigenen Zehen. Du bleibst kaum kannst du laufen alle zwei Meter stehen, und f\u00e4llst auf die Knie um noch ein Wunder zu sehn.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Judith (Wir sind Helden) dr\u00fcckt es ziemlich treffend aus. F\u00fcr Kinder ist alles toll, gro\u00df, wunderbar. F\u00fcr mich wurde es irgendwann langweilig, klein. Wunder gibt es nicht. Nicht so wirklich.    <br \/>Ich bin \u201cWissenschaftsgl\u00e4ubig\u201d. Hei\u00dft alles ist irgendwie erkl\u00e4rbar. Vielleicht nicht heute, aber irgendwann. <\/p>\n<p>Wenn ich nichtmehr an Wunder glaube, habe ich dann aufgeh\u00f6rt Kind zu sein? Wahrscheinlich. Fr\u00fcher habe ich erwartet, dass ich irgendwann erwachsen werde. Wie auch immer \u201cerwachsen\u201d sich anf\u00fchlt. Aber definitiv anders als das was vorher war. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Und wenn das alles ist, okay! Nur schade, wenn man mehr erwartet (Kettcar)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Heute bin ich nicht wirklich erwachsen. Oder doch? Beruflich sicherlich. Ich wei\u00df was ich tue, ich wei\u00df was ich kann. Ich kann was ich tue. Ich kann meinen eigenen Haushalt f\u00fchren. Passt. Aber ist erwachsen nicht noch mehr? Kommt da noch was? Irgendwie ist Leben inzwischen sowas wie ein kontinuierliches Warten. Warten darauf, dass noch was aufregendes passiert. Warten auf Wunder? Nur wei\u00df ich gar nicht, was ich noch aufregend finden soll. <\/p>\n<p>Das Ged\u00e4chtnis arbeitet so, dass Erinnerungen besonders gut gespeichert werden, wenn wir damit Gef\u00fchle verkn\u00fcpfen. Je st\u00e4rker die Gef\u00fchle, desto st\u00e4rker die Erinnerung.    <br \/>Wenn man ungezielt zur\u00fcckdenkt, fallen einem ja ein paar Momente aus seinem Leben ein. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Was gewesen ist war, hei\u00dft ist nicht mehr da. Was gut war stehen lassen! Das restliche gehen lassen. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Singt Textor von Kinderzimmer Productions. Also das gute stehen lassen: Woran denke ich wenn ich zur\u00fcckgucke? Was definiert mich also? So die Klassiker: M\u00fcndliche Abi-Pr\u00fcfung (15 Punkte in Bio). Fahrpr\u00fcfung. Erster Uni-Tag. Das erste \u201cDate\u201d mit meiner sp\u00e4teren Exfrau. Klassenerhalt mit St. Pauli in der 2. Liga gegen Oberhausen (1999 glaube ich). Das Wochenende, als ich mich in meine letzte Freundin verliebte. Der Urlaub, den ich bei ihr verbrachte. <\/p>\n<p>Bin ich zu anspruchsvoll, wenn ich das nicht wirklich \u201caufregend\u201d finde? Wenn ich \u00fcberlege ob irgendwas schief gelaufen ist? <\/p>\n<p>Hey, ich <em>mag<\/em> mein Leben! <\/p>\n<p>Warum schreib ich das hier also eigentlich? <\/p>\n<p>Manchmal will ich einfach ein paar Gedanken fallen lassen. Liegenlassen. Vielleicht sp\u00e4ter wieder aufgreifen. Weiterdenken. Ich habe fast zwei Tage dar\u00fcber nachgedacht, wie ich hier weitermache. Wie ich aus der negativen Grundstimmung die der Artikel f\u00fcr mich hat komme. Wie ich erkl\u00e4re, dass ich <em>eigentlich<\/em> gar nicht negativ gestimmt bin. Mir geht\u2019s ja eigentlich gut. Jammern auf hohem Niveau, wenn man so m\u00f6chte. In diesem Sinne verstehe ich diesen Artikel jetzt auch. Ein paar fallengelassene Gedanken, die vielleicht, irgendwann, wieder eingesammelt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Der <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/powerbook.blogger.de\/2008\/09\/17\/444054\/mude-klein-langweilig\/');\"  href=\"http:\/\/powerbook.blogger.de\/2008\/09\/17\/444054\/mude-klein-langweilig\/\" target=\"_blank\">Jog<\/a> hat einen wie ich finde wunderbaren <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/www.zeit.de\/2008\/17\/30-Jaehrige?page=all');\"  href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2008\/17\/30-Jaehrige?page=all\" target=\"_blank\">Artikel in der Zeit<\/a> verlinkt. Und bei dem geht es um das Lebensgef\u00fchl meiner Generation. Der irgendwie-mitte-dreissiger sozusagen. Ich finde mich teilweise echt wieder. Und das da oben? Das bin halt auch ich. Oder ein Teil von mir. <\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kann mich an kaum einen meiner Geburtstage wirklich erinnern. 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