{"id":247,"date":"2008-08-29T23:18:11","date_gmt":"2008-08-29T21:18:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/08\/29\/wie-der-staat-seine-verpflichtungen-outsourced\/"},"modified":"2008-08-29T23:18:11","modified_gmt":"2008-08-29T21:18:11","slug":"wie-der-staat-seine-verpflichtungen-outsourced","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/08\/29\/wie-der-staat-seine-verpflichtungen-outsourced\/","title":{"rendered":"Wie der Staat seine Verpflichtungen &ldquo;outsourced&rdquo;"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<\/p>\n<\/p>\n<p>Ich hab ja auch beruflich ziemlich direkt mit Werbung zu tun. Damit, wie Werbung besonders effizient wirkt, wie man am Ende Menschen dazu bekommt, etwas zu wollen, was ihnen vorher noch v\u00f6llig egal war. Oder damit, etwas gut zu finden, was eigentlich \u2013 objektiv gesehen \u2013 zumindest suboptimal ist. Tolle Werbung ist ja im Prinzip die, mit der die Bahn z.B. eine 10% Preiserh\u00f6hung ank\u00fcndigt \u2013 und zwar so, dass hinterher mehr Menschen bahnfahren. Ich wei\u00df, unrealistisch, aber das ist es doch, wo alle hinwollen. <\/p>\n<p>Was das mit dem Staat zu tun hat? Aus meiner Sicht geh\u00f6rt es zu den wesentlichsten Aufgaben der staatlichen Administration f\u00fcr Sicherheit zu sorgen. Sicherheit hei\u00dft nat\u00fcrlich Schutz vor Kriminalit\u00e4t oder Eingriffen von au\u00dfen (Krieg), das hei\u00dft aber auch Schutz vor unn\u00f6tigen Lebensrisiken. Also zum Beispiel vor Feuer. Dies wird unter anderem dadurch gew\u00e4hrleistet, dass uns allen ein \u2013 wenn man so will \u2013 staatlicher Dienstleister betreut, der im Volksgebrauch \u201cFeuerwehr\u201d genannt wird. Ich bin ja in Hamburg Bahrenfeld\/Altona\/Ottensen gro\u00df geworden. Da macht das eine Berufsfeuerwehr. Also Menschen, die vom Staat daf\u00fcr eingestellt werden, m\u00f6glichst schnell Feuer zu l\u00f6schen (platt gesagt). Irgendwann bin ich dann ja raus aufs Land. Hier ist das mit der Besiedelungsdichte so \u2018ne Sache und irgendwie w\u00e4re es recht schwierig, eine Feuerwehr zu installieren, die f\u00fcr die gleiche Menge Menschen zust\u00e4ndig ist, und trotzdem in sinnvollen Zeitr\u00e4umen zu Hilfe eilt. Sprich: Es wird deutlich teurer, hier den B\u00fcrgern den gleichen Schutz anzugedeihen, wie in der Gro\u00dfstadt. Soweit, so schwierig. Was passiert also? Man richtet \u201cfreiwillige Feuerwehren\u201d ein. Mehr oder weniger jedes Dorf hat also seine Feuerwehr, die im Brandfall wohl auch relativ schnell vor Ort sein kann. M\u00f6glicherweise in Spezialf\u00e4llen nicht so gut qualifiziert, aber f\u00fcr den normalen Hausbrand reicht es wohl. Freiwillig hei\u00dft, dass hier viele Menschen ehrenamtlich Ihre Birne ins Feuer halten. Und Ehrenamt hei\u00dft Kostenlos. <\/p>\n<p>Nun will ich die Motivation der freiwilligen Feuerwehrleute nicht hinterfragen, ist es doch irgendwo sehr nett, dass sie so selbstlos diesen Dienst an der Gemeinschaft ver\u00fcben. Immerhin retten die ja auch meine Wii, sollte das Haus mal Feuer fangen. \u00c4rgerlich finde ich aber die Art, wie meine Gemeinde nun versucht neue Ehren\u00e4mtler zu finden. Man bekommt ein schreiben, in dem man durch Ansprache diverser Tugenden moralisch dahin getrieben werden soll, sich doch (gef\u00e4lligst) an der FF zu beteiligen. <\/p>\n<p>Da wird dann ausgiebig beschrieben, dass es doch so toll sei dort zu sein, man viele nette Menschen kennenlernt, die Kameradschaft w\u00e4re ja auch gro\u00dfartig dort, man unternimmt vieles zusammen, tut was interessantes, ach ja, und ab und an muss man halt Mal zu einem Einsatz. <\/p>\n<p>Man macht was f\u00fcr Lau, wof\u00fcr andere zurecht bezahlt werden. Clever. <\/p>\n<p>Die Jungs und M\u00e4dels von der FF bekommen, wenn das Schreiben nichts verschweigt, nix f\u00fcr ihren Einsatz. M\u00f6glicherweise ein Dankschreiben alle 10 Jahre Mitgliedschaft. Nix. Aber wir sind ja so Dankbar. Wow. W\u00e4re ich bei der FF, ich w\u00fcrde mich kr\u00e4ftig ver\u00e4ppelt f\u00fchlen. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Wenn Sie schonmal da sind, k\u00f6nnen Sie doch unsere Br\u00e4nde l\u00f6schen. Ach ja und Dankbar sind wir Ihnen auch ein bisschen. Ihre Gemeindeverwaltung. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wenn wir es uns schon nicht Leisten wollen oder k\u00f6nnen, die Brandretter auch f\u00fcr ihren Einsatz zu entlohnen, sollte man da nicht wenigstens mit offenen Karten spielen? Mal ab von meiner generellen Skepsis gegen\u00fcber dem Ehrenamt vor allem in Sicherheitsrelevanten Positionen (Profis machen ihren Job ja meist schon qualifizierter als Teilzeit-Hobby-Irgendwasse), selbst wenn ich das ganze interessant f\u00e4nde\u2026 So nicht. <\/p>\n<p>Warum nicht irgendwas ehrliches? <\/p>\n<blockquote>\n<p>Liebe Gemeindemitglieder, wie Sie sicherlich wissen ist die Steuerlast f\u00fcr uns alle schon sehr hoch. Gerne m\u00f6chten wir versuchen diese Belastung f\u00fcr alle nicht noch weiter steigen zu lassen. Dies bedeutet nun leider, dass wir uns keine Berufsfeuerwehr leisten k\u00f6nnen. Sicher sind Sie bereits mit dem Konzept einer freiwilligen Feuerwehr vertraut. Vielleicht sind ja auch Freunde oder Bekannte von Ihnen dort bereits aktiv. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn auch Sie sich dazu durchringen k\u00f6nnten uns dabei zu unterst\u00fctzen den Feuerschutz f\u00fcr alle Gemeindemitglieder sicherzustellen. Dies k\u00f6nnen Sie zum Beispiel, indem Sie sich bei der freiwilligen Feuerwehr engagieren. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch andere Seiten: Die Atmosph\u00e4re ist toll, die Kameradschaft gro\u00dfartig, Sie werden viele neue Kontakte kn\u00fcpfen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Unterst\u00fcztung, der Gemeinderat<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wie w\u00e4re das? Da w\u00fcrde ich fast nachdenken ob ich nicht\u2026 aber nur fast \ud83d\ude09 (Ich wei\u00df hier lesen Werbetexter mit, habt ihr noch Vorschl\u00e4ge? Immer her damit). <\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hab ja auch beruflich ziemlich direkt mit Werbung zu tun. Damit, wie Werbung besonders effizient wirkt, wie man am Ende Menschen dazu bekommt, etwas zu wollen, was ihnen vorher noch v\u00f6llig egal war. 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