{"id":234,"date":"2008-08-12T21:55:36","date_gmt":"2008-08-12T19:55:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/08\/12\/der-olympische-geist\/"},"modified":"2008-08-12T21:55:36","modified_gmt":"2008-08-12T19:55:36","slug":"der-olympische-geist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/08\/12\/der-olympische-geist\/","title":{"rendered":"Der olympische Geist"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Das Reizzentrum hatte ja bereits auf meinen letzten Olympia-Beitrag kontrovers reagiert. Jetzt bin ich dort heute \u00fcber einen <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/rz.koepke.net\/?p=541');\"  href=\"http:\/\/rz.koepke.net\/?p=541\" target=\"_blank\">Artikel<\/a> gesto\u00dfen, der diesen <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/www.taz.de\/1\/sport\/artikel\/1\/selbstvollendung-ist-das-ziel\/');\"  href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/sport\/artikel\/1\/selbstvollendung-ist-das-ziel\/\" target=\"_blank\">TAZ-Artikel<\/a> verlinkt. Und sehe es \u2013 wie zu erwarten \u2013 komplett kontr\u00e4r. Dabei geht es darum, f\u00fcnf \u201colympische Ideale\u201d zu benennen und ihr Fehlen zu beklagen. Am einfachsten gehe ich mal auf jedes im Einzelnen ein und sage dazu, was ich dazu denke: <\/p>\n<p><strong>das Ideal des Amateurismus<\/strong>    <br \/>Die olympischen Spiele erheben mehr oder weniger stark den Anspruch die Weltelite in den jeweiligen Sportarten zusammen zu rufen.     <br \/>Eine Position in der Weltelite zu erreichen und zu halten ist im Sport aber nun Mal mit einem recht gro\u00dfen Aufwand verbunden. Es ist inzwischen wohl nahezu unm\u00f6glich mit 2 Stunden Einsatz alle 3 Tage zu den Top 10 in irgendeiner Sportart zu geh\u00f6ren, die von einer nennenswerten Menge an Menschen betrieben wird. Zudem erfordert es der Sport ja auch, dass man an Wettk\u00e4mpfen teilnimmt. Dies bringt jedoch auch finanziellen Einsatz mit sich.     <br \/>Auch die Teilnahme an den Spielen verursacht ja nicht geringe Kosten f\u00fcr den Teilnehmer: Reise nach Peking, Freistellung vom eigentlichen Beruf etc. w\u00e4ren bei Amateuren ja alles Dinge die sie selbst aufbringen m\u00fcssten. <\/p>\n<p>Amateurismus bedeutet also: Spiele f\u00fcr die Reichen. Diejenigen, die aufgrund ihrer Stellung die M\u00f6glichkeit haben gr\u00f6\u00dfere Zeit in ihr \u201cHobby\u201d zu stecken, diejenigen die in der Lage sind auch gr\u00f6\u00dfere Kosten zu stemmen. <\/p>\n<p>Damit will ich ausdr\u00fccklich nicht alle Aspekte des Profitums hochjubeln. Aber ich denke schon, dass dies die bessere L\u00f6sung ist. Sowohl was den Leistungsgedanken angeht, als auch was die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den einzelnen angeht. Und dass unter Profibedingungen die Wahrscheinlichkeit h\u00f6her ist, dass auch soziale Randgruppen erfolgreiche Sportler hervorbringen ist ja kein ganz schlechter Effekt.<\/p>\n<p><strong>Bindung des Sports an ethische Regeln und Grunds\u00e4tze<\/strong>    <br \/>Sport ist, genau wie fast alle anderen menschlichen Erfindungen an Regeln gebunden. \u00dcblicherweise f\u00fcr die jeweilige Sportart definierte Regeln. Das hat zun\u00e4chst einmal \u00fcberhaupt nichts mit ehtik zu tun, sondern mit praktikabilit\u00e4t. Wettkampf ist nur dann m\u00f6glich, wenn die Wettk\u00e4mpfer sich einem Regelkorsett unterwerfen. Bl\u00f6de gesagt w\u00fcrden beim 100m-Lauf sonst alle Motorrad fahren, weil es damit schneller ginge. Definition des Ziels und der Optionen dies zu erreichen. Regeln.     <br \/>Mit Ethik selbst hat Sport meiner Meinung nach \u00fcberhaupt nichts zu tun. Sport ist die \u00dcberh\u00f6hung des kapitalistisch-darwinistischen Prinzip. Nur die am besten Angepassten \u201c\u00fcberleben\u201d. Nur diejenigen die ihr Leben m\u00f6glichst optimal dem Ziel unterordnen in der jeweiligen Sportart zu gewinnen UND die die besten Voraussetzungen mitbringen, gewinnen am Ende. Das ist das genaue Gegenteil von dem was die meisten meinen, wenn sie \u00fcber ethische Regeln und Grunds\u00e4tze nachdenken. <\/p>\n<p><strong>das Prinzip der Leib-Seele-Einheit     <br \/><\/strong>Ja, da merken wir, dass die \u201colympische Idee\u201d irgendwann Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde. In einer sich noch nicht wirklich differenziert habenden Gesellschaft, die noch in altert\u00fcmlichen Strukturen denkt. Generalisierung statt Spezialisierung. Nat\u00fcrlich spricht nichts dagegen, wenn die Athleten neben dem K\u00f6rper auch den Geist trainieren. Zunehmend mehr wird es sogar f\u00fcr den sportlichen Erfolg relevant auch \u201cwas im Kopf\u201d zu haben. nur: Das ist keine zwingende Grundlage f\u00fcr sportlichen Erfolg. Und um den geht es hier. <\/p>\n<p><strong>Selbstvollendung<\/strong>    <br \/>Aehja. Tschuldigung aber das ist nun echt irgendwie Esoterik-Kram, oder? Die TAZ schreibt dazu \u201c<em>Beim Prinzip der &quot;Selbstvollendung&quot; geht es nicht um einen vollendeten K\u00f6rper, eine vollendete Wettkampfleistung.<\/em>\u201d Aehja, nicht? Sondern um eine durchschnittliche Wettkampfleistung? Etwas sp\u00e4ter folgt dann: \u201c<em>Dieses ganz individuelle Ein\u00fcben k\u00f6rperlichen K\u00f6nnens und seiner Selbsteinsch\u00e4tzung dazu ist eine der spannendsten Erfahrungen, die Athleten aus meiner Sicht erleben k\u00f6nnen.<\/em>\u201d.     <br \/>Und? \u00dcbrigens ja nun was, das ein durchschnittlicher Sportler t\u00e4glich hat. Also das Ein\u00fcben k\u00f6rperlichen K\u00f6nnens, das der Autor so toll findet.<\/p>\n<p>Aber eigentlich: Wettkampf! Sieg! Sport!    <br \/>Okay, nach Meinung der TAZ ist das wohl alles nebens\u00e4chlich, aber da es <em>hier<\/em> um meine Meinung geht: Selbsterfahrungstrips haben mit den Spielen ja nun erstmal genau gar nichts zu tun.    <br \/>Wer meint er m\u00fcsse \u201cSelbstvollendung\u201d anstreben.. bitte, aber darum geht es erstmal vorrangig nicht. Wettkampf. Sieg. <\/p>\n<p><strong>die Friedensidee des Sports<\/strong>    <br \/>Krieg oder Frieden ist eine politische Entscheidung staatenf\u00fchrender Personen oder Gremien.     <br \/>Sportlicher Erfolg ist die individuelle Leistung einzelner Athleten (bzw. der Athleten und Ihrer St\u00e4be).     <br \/>Krieg ist eine im weitesten Sinne aufgrund wirtschaftlicher Bestrebungen getroffene Entscheidung zu gewaltt\u00e4tigen Handlungen gegen\u00fcber anderen Staatenkonstrukten.     <br \/>Sport bietet m\u00f6glicherweise die M\u00f6glichkeit, Freundschaft zwischen Athleten verschiedener kriegf\u00fchrender Parteien herbeizuf\u00fchren. Das untersch\u00e4tzt aber die Tatsache, dass es in modernen Kriegen fast nicht mehr darum geht, ob man sich \u201cmag\u201d oder nicht, sondern schlicht darum, inwiefern einer der beiden Wege mehr Erfolg verspricht. \u00dcbrigens auch schon im Mittelalter die gr\u00f6\u00dfte Antriebskraft hinter gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen. Hat also eigentlich so gar nichts miteinander zu tun. Die beiden spielen sich einfach auf v\u00f6llig unterschiedlichen Ebenen ab. <\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n<p>Olympische Ideale? Siehe oben. Brauche ich nicht. Gebt mir Sport, Erfolg, H\u00f6chstleistungen, Rekorde, Unterhaltung. Das hat sich seit Caesar nicht ge\u00e4ndert: Entertain me. Spiele. Gladiatoren.&#160; <\/p>\n<p>Wo bleiben die L\u00f6wen? Los, zerfetzt mich. <\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Reizzentrum hatte ja bereits auf meinen letzten Olympia-Beitrag kontrovers reagiert. 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