{"id":233,"date":"2008-08-11T11:13:36","date_gmt":"2008-08-11T09:13:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/08\/11\/protestwegschalten\/"},"modified":"2008-08-11T11:13:36","modified_gmt":"2008-08-11T09:13:36","slug":"protestwegschalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2008\/08\/11\/protestwegschalten\/","title":{"rendered":"Protestwegschalten"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Dank der olympischen Spiele ist ja mal wieder das Thema \u201cWas darf man im Fernsehen gucken\u201d in der \u00d6ffentlichkeit und damit auch in den Medien. <\/p>\n<p>Lustigerweise ungef\u00e4hr bis 20 Minuten vor Beginn der ersten \u00dcbertragung. <\/p>\n<p>Denn wenn erst einmal Spiele sind, schauen am Ende doch wieder (fast) alle. Und der ach-so-wichtige politische Aspekt tritt in den Hintergrund.    <br \/>Ich w\u00fcrde ja sagen \u201chab ich ja vorher gesagt\u201d. Hab ich aber nicht. Nur gedacht. <\/p>\n<p>Irgendwo hab ich am Samstag nach der Er\u00f6ffnungsfeier gelesen, dass damit ja auch die Hoffnung auf politische Ver\u00e4nderung verbunden sei. Immerhin h\u00e4tten Chinesen auch f\u00fcr die Mannschaft von Taiwan geklatscht. Ich sag jetzt mal nichts \u00fcber naive Idealisten und so.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n, wenn ihr das glaubt. Und wenn ihr damit die Ausrede habt, die Spiele so zu bejubeln wie jedes Mal. Bitte. Macht das. <\/p>\n<p>Aber zum eigentlichen Thema dieses Artikels: Das \u201cWegschalten\u201d aus Protest. Die damit verbundene Logik sagt ja ungef\u00e4hr:    <br \/><em>\u201cWenn ich Sendung XY nicht schaue, dann sinken die Einschaltquoten und damit die Werbeeinnahmen. Dadurch werden die Sender dann dazu gebracht die Sendung nicht mehr zu zeigen\/produzieren, weil sie damit kein Geld verdienen\u201d<\/em>.     <br \/>Dieses Motto wird f\u00fcr Olympia dann noch ungef\u00e4hr soweit verl\u00e4ngert dass ja dann     <br \/><em>\u201cChina damit weniger Einnahmen generiert und deshalb \u00fcber seine Politik nachdenkt\u201d. <\/em><\/p>\n<p><u>Schritt 1:<\/u>     <br \/>Rein faktisch werden die f\u00fcr Werbespendings relevanten Einschaltquoten ungef\u00e4hr wie folgt ermittelt: Es gibt eine Auswahl an Haushalten, in Deutschland sind das knapp 6.000, die von der GfK ein Ger\u00e4t bekommen. Diese Haushalte sind zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlt \u2013 also quasi nach den Grundlagen der repr\u00e4sentativen Stichprobenziehung. Das hei\u00dft sie k\u00f6nnen als Stellvertretend f\u00fcr die Gesamtmenge der Fernsehgucker in Deutschland verstanden wirken. Wenn also jemand der so ein Ger\u00e4t zuhause stehen hat eine Sendung guckt, steht er damit f\u00fcr 1\/6.000 der Gesamtbev\u00f6lkerung. Jeder andere (!) kann sehen was er will oder nichtsehen was er will. Es hat keinen Effekt auf die \u201cEinschaltquoten\u201d. Nat\u00fcrlich hat es einen reellen Effekt auf die Gesamtanzahl derjenigen die eine Sendung schauen, nur merkt es eben niemand so wirklich. <\/p>\n<p>Wenn ihr also aus politischen Gr\u00fcnden wegguckt, wird das h\u00f6chstwahrscheinlich niemand mitbekommen, der an irgendeiner entscheidenden Stelle sitzt. <\/p>\n<p><u>Schritt 2:<\/u>     <br \/>Die Werbeausgaben werden in der Regel vorher vereinbart. Das hei\u00dft, dass China bzw. das IOC bereits den Betrag X einplanen kann. Wenn jetzt niemand zuschaut, bei\u00dfen sich die Sponsoren m\u00f6glicherweise sonstwohin und \u00e4rgern sich, m\u00f6glicherweise werden die Werbeausgaben f\u00fcr die n\u00e4chsten Spiele (London) auch gesenkt. Aber in Beijing ist der Umsatz den die Briten mit \u201cihren\u201d Spielen machen vermutlich ziemlich irrelevant. <\/p>\n<p>Wenn ihr also wegguckt, wird das h\u00f6chstwahrscheinlich nicht die Chinesen treffen.<\/p>\n<p><u>Schritt 3:<\/u>     <br \/>China ist eine Volkswirtschaft mit irgendwo um\/bei 1,3 Milliarden Einwohnern. 1.300.000.000! Diese Volkswirtschaft hat im Jahr 2007 allein Waren im Wert von 955 Milliarden US$ eingef\u00fchrt. 955.000.000.000! Die Spiele in Turin und Peking haben Marketingeinnahmen in H\u00f6he von 5 Milliarden Dollar generiert. Nehmen wir einfach mal an, dass davon ein gr\u00f6\u00dferer Teil durch die Sommerspiele kommt. Meinetwegen 3,5 Milliarden. Das sind 3.500.000.000. Rechnet das einfach mal gegeneinander. Das sind pro Chinese gerade noch 2,70$. Im Umkehrschluss h\u00e4tte das den Effekt, den es in Deutschland gehabt h\u00e4tte, wenn die WM 2006 160 Millionen Dollar eingebracht h\u00e4tte. Wenn \u00fcberhaupt. Und jeder der WM Hauptsponsoren hat damals allein 40 Millionen investiert. <\/p>\n<p>Und diese Einnahmen gehen ja nichtmal vollst\u00e4ndig nach Beijing. Die Relevanz der reinen Geldums\u00e4tze ist also klar. <\/p>\n<p>Wenn ihr also was anderes schaut, interessiert das in China finanziell erstmal niemanden. <\/p>\n<p><u>Schritt 4:<\/u>     <br \/>Aber das Image!     <br \/>Ja, China ist sicherlich darauf bedacht durch die Spiele sein Bild im Rest der Welt positiv darzustellen. Aber mal ehrlich, glaubt ihr dass ein paar Deutsche, die sich die Spiele nicht ansehen da wen k\u00fcmmern? Die Spiele sind eine Demonstration wirtschaftlicher Leistungsf\u00e4higkeit. Eine Demonstration logistischer F\u00e4higkeiten. \u201cSeht her, die Chinesen k\u00f6nnen sowas organisieren\u201d. Und am Ende ist es das, was f\u00fcr die Organisatoren z\u00e4hlt. Nicht dass es \u201csympathisch\u201d war. <\/p>\n<p>Wenn ihr also wegseht, werden eure n\u00e4chsten Turnschuhe vermutlich trotzdem in China zusammengeklebt. <\/p>\n<p><u>Fazit: <\/u><\/p>\n<p>Schaut ruhig was anderes, guckt weg, wenn ihr m\u00f6chtet. Vielleicht interessiert es euch auch einfach nicht. Alles kein Thema. Aber h\u00f6rt doch bitte auf mit zwei Dingen:    <br \/>Anderen zu erz\u00e4hlen, wie sie sich <em>richtig<\/em> verhalten m\u00fcssten, um die Ungerechtigkeit in dieser Welt zu lindern und zu behaupten <em>ihr <\/em>w\u00fcrdet die Welt retten. <\/p>\n<p>Macht ihr nicht.<\/p>\n<p>So schon gar nicht. <\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank der olympischen Spiele ist ja mal wieder das Thema \u201cWas darf man im Fernsehen gucken\u201d in der \u00d6ffentlichkeit und damit auch in den Medien. Lustigerweise ungef\u00e4hr bis 20 Minuten vor Beginn der ersten \u00dcbertragung. 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