{"id":1592,"date":"2018-01-05T21:10:57","date_gmt":"2018-01-05T19:10:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/?p=1592"},"modified":"2018-01-05T21:10:57","modified_gmt":"2018-01-05T19:10:57","slug":"in-welcher-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2018\/01\/05\/in-welcher-welt\/","title":{"rendered":"In welcher Welt&#8230;?"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Dr\u00fcben bei Twitter tauchte die Frage auf, was &#8222;Links sein&#8220; ausmache.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Was sind eure Ideen von und zu einer politischen Linken? Was macht f\u00fcr euch &quot;Links sein&quot; aus?<\/p>\n<p>&mdash; Tante Anna (@rosalaut) <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/twitter.com\/rosalaut\/status\/949337505136087040?ref_src=twsrc%5Etfw');\"  href=\"https:\/\/twitter.com\/rosalaut\/status\/949337505136087040?ref_src=twsrc%5Etfw\">January 5, 2018<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>und wie ich so bin, hab ich dann erstmal einen Tweet darauf geschrieben, in dem ich versuchte kurz und knackig meine Position darzustellen.<\/p>\n<p>Danach fing ich dann an nachzudenken.<\/p>\n<p>Fing an, mich zu fragen, was f\u00fcr mich links ist. Ob ich mich als links empfinde, ob mir die Zuordnung zu &#8222;links&#8220; wichtig ist. Schlie\u00dflich f\u00fchrte mich das zu der vermutlich f\u00fcr &#8222;linke&#8220; wie &#8222;rechte&#8220; unter und hinter ihrer Position stehenden eigentlichen Frage:<\/p>\n<p>In was f\u00fcr einer Welt m\u00f6chte ich leben?<\/p>\n<p>Tjanun. Ich kann das beschreiben, ich kann Dinge und Umst\u00e4nde benennen, die mir wichtig sind. Ich wei\u00df f\u00fcr viele der Sachen nicht, wie wir sie erreichen k\u00f6nnen, aber ich m\u00f6chte dennoch einmal beschreiben, wie ich mir die Welt w\u00fcnsche.<\/p>\n<p>Kurze Antwort aus meinem Tweet:<\/p>\n<p>https:\/\/twitter.com\/Curi0us\/status\/949337856392212480<\/p>\n<p>Lange Antwort:<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte in einer Welt leben, in der alle Menschen ganz grundlegend f\u00fcr sich selbst entscheiden k\u00f6nnen, wie sie leben m\u00f6chten. Allein oder mit anderen, in welchen Partnerschaften und Beziehungen, mit oder ohne Kinder. In einer Welt, in der sexuelle Orientierung ein Thema ist, das ungef\u00e4hr so spannend diskutiert wird, wie meine aktuelle Frisur. Schlicht hingenommen. f\u00fcr Teilnehmer sexueller Aktionen zwischen individuen relevant, f\u00fcr alle anderen einfach da. Lieb doch, wen Du willst.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte in einer Welt leben, in der &#8222;die Gemeinschaft&#8220;, also wir alle, im Zweifel wichtiger ist, als das Individuum. In der also Dinge getan oder gelassen werden, weil es f\u00fcr &#8222;alle&#8220; besser ist, sie zu tun oder zu lassen. In der &#8222;f\u00fcr alle&#8220; Stra\u00dfen gebaut werden oder Schulen. In der &#8222;f\u00fcr alle&#8220; Lehrende bezahlt werden, &#8222;f\u00fcr alle&#8220; Kinderbetreuung sichergestellt wird, &#8222;f\u00fcr alle&#8220; der M\u00fcll abgeholt wird, &#8222;f\u00fcr alle&#8220; Der Bus und die U-Bahn f\u00e4hrt. Auch wenn mir oder Dir oder Ihr oder Ihm nicht gef\u00e4llt, wenn die U-Bahn dann vor seinem Haus h\u00e4lt. Und in dieser Welt m\u00fcssen eben auch &#8222;alle&#8220; sich daf\u00fcr einschr\u00e4nken. Sprich: &#8222;Alle&#8220; m\u00fcssen zahlen. Wichtig ist, dass dabei die <em>pers\u00f6nliche<\/em> Individualit\u00e4t nicht eingeschr\u00e4nkt werden muss. Aber ich halte es f\u00fcr wenig Individuell sich eine U-Bahn freie Nachbarschaft zu w\u00fcnschen. Das hat nichts mit dem Individuum zu tun, sondern viel mit dem Drumherum.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte eine Welt, in der es um Ausgleich geht. Den Ausgleich von M\u00f6glichkeiten. Anders gesagt: Chancengleichheit.<\/p>\n<p>Das f\u00e4ngt damit an, dass jede*r vergleichbare Bildung genie\u00dfen kann, jede*r ohne Ansehen von Herkunft, Elternhaus, Haut- oder Haarfarbe etc. eine vern\u00fcnftige Schule besucht (und dazu z\u00e4hlt f\u00fcr mich auch die M\u00f6glichkeit sich relativ sorgenarm weiter zu bilden. Ob nun per Ausbildung, Universit\u00e4t oder sonstwie). Hei\u00dft f\u00fcr mich: Bildung z.B. m\u00fcssen &#8222;alle&#8220; finanzieren.<\/p>\n<p>Ausgleich hei\u00dft aber auch, dass nicht alle gleich zur Finanzierung beitragen. Wer mehr hat, tr\u00e4gt mehr bei. Grundlegende\u00a0 Idee dahinter ist, dass diese &#8222;mehr&#8220; seine Ursache ja darin hat, dass die Welt so ist, wie sie ist. Dass den Mehr habenden dieses Mehr durch die Gesellschaft erm\u00f6glicht wurde, und sie deshalb davon an die Gesellschaft auch zur\u00fcckzahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Chancengleichheit hei\u00dft auch, dass alle (und zwar nicht nur am Tag 0 des Lebens) m\u00f6glichst \u00e4hnliche M\u00f6glichkeiten bekommen, sich weiter zu entwickeln. &#8222;Weiter zu kommen&#8220;. Jede*r sollte eine realistische Chance auf Wohnraum haben. Jede*r sollte essen k\u00f6nnen, ohne Sorge, ob am n\u00e4chsten Tag noch was da ist. Und zwar ohne daf\u00fcr abgewertet zu werden. Ich glaube derzeit, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen hierf\u00fcr eine wegweisende M\u00f6glichkeit sein k\u00f6nnte. Ich glaube n\u00e4mlich nicht, dass Menschen aufh\u00f6ren produktiv zu sein, nur weil sie sich weniger Sorgen machen m\u00fcssen. Zumal wir mittelfristig sowieso anfangen werden m\u00fcssen, dar\u00fcber nachzudenken, wie wir mit der fortschreitenden Automatisierung umgehen, ohne irgendwann immer mehr Menschen in der Gesellschaft zu haben, denen wir es trotz gesamtgesellschaftlichem Wohlstands und ohne Ressourcenknappheit nicht erm\u00f6glichen, ein menschenw\u00fcrdiges Leben zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob das BGE die optimale L\u00f6sung ist, aber der Grundgedanke, dass &#8222;f\u00fcr Essen, Wohnen und grundlegende Lebensumst\u00e4nde in positiv zumutbarer Weise gesorgt wird&#8220; gef\u00e4llt mir. Und ich halte Hartz IV und \u00e4hnliche Werkzeuge da f\u00fcr den falschen Weg, schon allein weil so Bed\u00fcrftigkeit produziert wird, weil so Ausgrenzung geschieht.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass so etwas, wie das BGE &#8222;erm\u00f6glicht, statt einzuschr\u00e4nken&#8220;. Dass Menschen so mit gutem Gewissen und gutem Gef\u00fchl Schaffen k\u00f6nnen, ohne (zu gro\u00dfe) Sorgen zu haben. Du willst Malen? Male. Rechne damit, dass Du nicht reich wirst, aber lebe zu w\u00fcrdigen Bedingungen und sei gl\u00fccklich. Du willst lernen? Lerne. Du willst handwerklich arbeiten? Arbeite! Du wei\u00dft nicht, was Du willst? Lebe.<\/p>\n<p>Hartz IV schr\u00e4nkt ein. Sagt &#8222;Hier ist Dein Geld. Und jetzt handle, wie es sich *der Staat* w\u00fcnscht. Bewirb Dich. I\u00df billig. Wohne heruntergekommen. Protokolliere Dein Handeln. Sei dem Staat gef\u00e4llig&#8220;. Das m\u00f6chte ich nicht.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass es uns allen schlechter geht, nur weil es jedem einzelnen gut oder zumindest aushaltbar geht. Erm\u00f6glichen wir, ohne einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Ich will eine Welt, in der dennoch Unterschiede existieren. In der f\u00fcr herausragende Leistungen belohnt wird. Ob nun durch Ansehen, Applaus oder mehr Geld. Ich glaube, dass f\u00fcr viele Menschen so Motivation geschaffen wird, \u00fcber den Standard hinaus zu wachsen. Und ich bin davon \u00fcberzeugt, dass das geht, ohne dass es denen, die am wenigsten haben schlecht gehen muss.<\/p>\n<p>Ich will aber auch Ausgleich. Ich glaube nicht, dass jemand, der 10 Millionen verdient bessere Arbeit leistet, als jemand der 2 Millionen verdient. Umgekehrt: Ich glaube, dass leistungsf\u00e4hige und motivierte Menschen zun\u00e4chst nicht prim\u00e4r f\u00fcr die monet\u00e4re Entlohnung leistungsf\u00e4hig und motiviert werden. Die irgendwann absurd werdenden Zahlen entstehen schlie\u00dflich nicht aus der individuellen Motivation, sondern aus dem Wettkampf unterschiedlicher &#8222;Arbeitgeber&#8220; um die aus ihrer Sicht besten Kr\u00e4fte. Will ich den gef\u00fchlt besten haben, muss ich mehr bieten, als sein jetziger Arbeitgeber.<\/p>\n<p>Hier kann die Gesellschaft regulierend eingreifen. Maxima schaffen. Absch\u00f6pfen. Wie gro\u00df soll die Spreizung zwischen dem, was jeder bekommt und dem was der bekommt, der am Meisten kriegt sein? Hundertfach? Tausendfach? Ich wei\u00df es nicht, aber dar\u00fcber sollte man reden.<\/p>\n<p>Ich will eine Welt, in der Rationalit\u00e4t wichtig ist. In der Beweise z\u00e4hlen. In der Wissenschaftlichkeit im Zweifel den Ausschlag gibt. In der das, was f\u00fcr &#8222;alle&#8220; gemacht wird (will sagen: Was die Gesellschaft bezahlt) auf Basis rationaler Argumente entschieden wird. (Ja: In der die gesellschaftliche Krankenversorgung sich darauf beruft, was evident &#8211; also beweisbar &#8211; den Zustand verbessert. Auf Zahlenbasis.).<br \/>\nEine Welt, in der Gef\u00fchle ernst genommen werden, weil sie uns (und ja, mich nervt das selber) menschlich machen. Aber wenn es um Entscheidungen f\u00fcr die Gesamtheit geht diese eben nicht auf faktenlosen Einzelpositionen basieren sollen.<\/p>\n<p>Eine Welt, in der Entscheidungen pro oder contra Gentechnologie oder Teilchenbeschleuniger oder Weltraummissionen nicht auf Basis von rein esoterischen Positionen, sondern m\u00f6glichst informierter Nutzen-Risiko-Absch\u00e4tzungen getroffen werden. Eine Welt in der Grundlagenforschung wichtig ist und ernst genommen wird. Eine Welt, die nicht den Status Quo konservieren will, sondern nach Ver\u00e4nderungen strebt, nach mehr Wissen, mehr K\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte eine Welt, in der alle ihren Platz finden k\u00f6nnen. In der alle sich ernst genommen und akzeptiert f\u00fchlen. Ob sie nun gute Marktfoscher, gute Fu\u00dfballer, gute Zuh\u00f6rer oder gute Redner sind. Gute Freunde oder gute Esser. Eine Welt in der &#8222;All People are equal&#8220; nicht nur gesagt sondern gelebt wird.<\/p>\n<p>Wen ich mag oder nicht ist meine Sache. Aber &#8222;Der Staat&#8220; oder &#8222;Die Gesellschaft&#8220; soll und muss jeden der ihren gleich m\u00f6gen. (\u00dcbrigens f\u00fchrt mich das dann doch wieder zum BGE zur\u00fcck: Wer Hartz IV &#8218;beantragt&#8216; f\u00fchlt sich sicher nicht gemocht. Weil wir alle das Gef\u00fchl geben, man l\u00e4ge damit der Gesellschaft auf der Tasche. Beim BGE.. hey, das kriegt jeder. Ich hab ja genauso eines, wie Du. Und wenn ich mehr habe, freue ich mich dar\u00fcber.)<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte eine Welt in der wir alle viel mehr dar\u00fcber reden, was uns gl\u00fccklich macht und was uns weiter bringt. Und viel weniger dar\u00fcber reden, was uns st\u00f6rt und nervt und und und. Viel mehr sagen &#8222;das ist toll&#8220; und weniger &#8222;das ist doof&#8220;. Viel mehr Freude daran, jemanden zum L\u00e4cheln gebracht zu haben, als sich selbst \u00fcber jemanden zu erheben.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte bestimmt noch viel mehr. Und bestimmt gibt es zu all den Gedanken da oben Menschen, die mehr wissen, mehr k\u00f6nnen, kl\u00fcgere Ideen haben. Und es hei\u00dft immer, die Linke w\u00fcrde immer nur einschr\u00e4nken. Du darfst dieses nicht sagen, Du sollst jenes nicht tun. Warum eigentlich? Ist das da oben nicht, bin <em>ich<\/em> nicht links?<\/p>\n<p>Reden wir nicht dar\u00fcber, was wir nicht wollen, reden wir dar\u00fcber, was wir wollen. Reden wir dar\u00fcber, was an unserer Welt alles toller und lebenswerter ist, als an dieser. Warum wir die besseren Ideen haben, als die.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt mal!<\/p>\n<p>Ihr habt Blogs, hier gibt es Kommentare, es gibt soziale Medien. In welcher Welt wollen wir leben?<\/p>\n<p>In welcher Welt wollt <strong>Ihr<\/strong> leben?<\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr\u00fcben bei Twitter tauchte die Frage auf, was &#8222;Links sein&#8220; ausmache. Was sind eure Ideen von und zu einer politischen Linken? 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