{"id":1549,"date":"2017-08-16T23:00:04","date_gmt":"2017-08-16T21:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/?p=1549"},"modified":"2017-08-17T09:39:19","modified_gmt":"2017-08-17T07:39:19","slug":"gesehen-dunkirk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2017\/08\/16\/gesehen-dunkirk\/","title":{"rendered":"Gesehen: Dunkirk"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Die Grundidee ist klar?<\/p>\n<p>Juni 1940, die Engl\u00e4nder die zur Unterst\u00fctzung der Franzosen gegen die Deutschen auf den Kontinent geeilt waren, sind von den Nazis gejagt und in D\u00fcnkirchen (auf Englisch eben fancy &#8222;Dunkirk&#8220;) eingekesselt worden.<br \/>\nIm Prinzip steht &#8222;der Engl\u00e4nder&#8220; am Strand und &#8222;der Deutsche&#8220; au\u00dfen rum.<\/p>\n<p>Aus Gr\u00fcnden die Historiker besser beleuchten k\u00f6nnen als ich, lassen die Deutschen sich hier aber gerade mal ein paar Tage Zeit, und anstatt direkt den Strand zu st\u00fcrmen und den Feind ins Meer zu treiben, passiert quasi gerade &#8222;nix&#8220;.<\/p>\n<p>Chance f\u00fcr die Engl\u00e4nder also, schleunig da weg zu kommen. Problem f\u00fcr die Engl\u00e4nder aber: Schwierig, weil Wasser zu flach.<br \/>\nKein Hafen und nur ein Anleger, an dem Schiffe mit nennenswert Tiefgang festmachen k\u00f6nnen..<\/p>\n<p>Soweit die Ausgangslage.<\/p>\n<p>Chris Nolan, (Batman, Inception) den ich sehr sch\u00e4tze, versucht sich hier an h\u00e4rterem Stoff.<\/p>\n<p>Ich war skeptisch und neugierig und irgendwie unmotiviert den Film zu gucken, weil das einfach kein Thema ist, bei dem man mit &#8222;Unterhaltung&#8220; rechnet.<\/p>\n<p>Und&#8230; Puh.<\/p>\n<p>&#8222;Bedr\u00fcckend&#8220; ist sehr zur\u00fcckhaltend formuliert.<\/p>\n<p>Wir erleben die Evakuierung des Strandes aus drei Perspektiven.<\/p>\n<ul>\n<li>Als erstes treffen wir auf einen jungen Englischen Soldaten. Von Deutschen gejagt erreicht er den Strand von D\u00fcnkirchen. Die erste &#8222;gro\u00dfe&#8220; Einstellung, und der Zuschauer sieht die Menschenmassen. Tausende Soldaten, die mal mehr, mal weniger in Reih und Glied am Strand in Schlangen ans Meer stehen. Schlangen <em>ins\u00a0<\/em> Meer. Darauf warten und hoffen, dass sie ein Schiff nach Hause kriegen.<\/li>\n<li>Eine Dreiergruppe Englischer Piloten, die von der Insel kommend \u00fcber den Kanal fliegen, um Deutsche Einheiten abzuschie\u00dfen. Im Hinterkopf behalten, dass das alles 1940 etwas anders war, als heute. Treibstoff und Reichweite waren stetige problematische Begleiter. Und der Feind hinter und \u00fcber einem stetige Gefahr.<\/li>\n<li>Ein Englischer Bootsbesitzer, der mit seinem Sohn und dessen Freund &#8211; der sich &#8230; naja, sagen wir mal spontan an Bord wirft um helfen zu k\u00f6nnen &#8211; in See sticht.<br \/>\nDas Boot hat &#8211; wie so viele andere private Boote an diesem Tag &#8211; das Ziel, den Kanal zu \u00fcberqueren, um dort Englische Soldaten auszuschiffen.<br \/>\nWir erinnern uns an die problematische Anfahrt an den Strand?<br \/>\nGenau da kommen die kleinen Privatboote n\u00e4mlich hin, im Gegensatz zu beispielsweise gro\u00dfen Zerst\u00f6rern .<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Zuschauer erf\u00e4hrt dabei ungewohnt wenig \u00fcber die Protagonisten.<br \/>\nKaum Hintergr\u00fcnde zu den Figuren. Ich habe mir nicht mal Namen gemerkt (was eventuell auch an meinem Namensged\u00e4chtnis liegt).<\/p>\n<p>Ungewohnt, weil so die \u00fcblichen Mechanismen &#8222;N\u00e4he&#8220; zu den Handlungstr\u00e4gern zu erzeugen au\u00dfer Kraft gesetzt sind, aber sehr gelungen.<br \/>\nGerade weil die Situationen am Strand, am Himmel und auf dem Meer im Mittelpunkt standen, f\u00fchlte ich mich direkt im Geschehen.<\/p>\n<p>Belastend.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich f\u00fchlte es sich gerade bei den Szenen am Strand an, als st\u00fcnde man irgendwie daneben .Zwischen den Engl\u00e4ndern\u00a0 Man sp\u00fcrt die Angst, die Hoffnungslosigkeit, die Entt\u00e4uschungen, die Sorge, dass man kein Schiff findet, nicht drauf kommt.<\/p>\n<p>Die Flugstaffel begleitete ich zun\u00e4chst eher technisch interessiert. Der Vergleich zu heute ist einfach trotz &#8222;nur&#8220; 77 Jahren so absurd. Aber sp\u00e4testens mit dem ersten Gefecht wurde ich auch hier &#8222;reingezogen&#8220;. Wieder bedr\u00fcckend, einengend. Und auch hier geht es mir anders, als bei den meisten Filmen, weil ich mich n\u00e4her dran f\u00fchle. Weil der angreifende Deutsche <em>mir<\/em> zu nahe kommt. Nicht nur dem J\u00e4ger auf der Leinwand.<\/p>\n<p>Und dann ist da das kleine Schiff, fast Stoff f\u00fcr ein eigenes Kammerspiel.<br \/>\nNach einer Weile auf See, die Rettung eines im Kanal treibenden Soldaten.<br \/>\nWir erleben mit, wie sich der offenbar traumatisierte junge Mann an Bord ziehen l\u00e4sst. Der zun\u00e4chst in einer Ecke kauernde schweigende Gerettete.<br \/>\nPanisch reagierend, als er erf\u00e4hrt, dass das Ziel des Schiffes nicht England sondern der Kontinent ist, dass er geradewegs zur\u00fcck in den Krieg geschleppt wird, statt in Sicherheit.<br \/>\nUnd wieder f\u00fchle ich mit. Intensiv. Einengend.<br \/>\nDer Krieg kennt keine Sieger. Nur \u00dcberlebende.<\/p>\n<p>Der Film macht f\u00fcr mich vieles sehr richtig.<\/p>\n<p>Saving Private Ryan ist sicher ein guter Film. Aber hat mich emotional nie wirklich mitgenommen, nie getroffen.<br \/>\nSchindlers List ist ein gro\u00dfartiger Film. Aber auch hier war f\u00fcr mich die Trennung zwischen Film (&#8222;Fiktion&#8220;) und echter Welt nie durchbrochen.<br \/>\nDie dritte Wand war immer irgendwie sp\u00fcrbar. Immer die Grenze zwischen &#8222;denen und mir&#8220;.<\/p>\n<p>Dunkirk schafft das. Zieht mich durch die Wand hin\u00fcber, nach D\u00fcnkirchen, in die Vergangenheit. Sehr fr\u00fch im Film das extrem pr\u00e4sente Beklemmungsgef\u00fchl.<br \/>\nVielleicht auch Tagesform, aber die Botschaft kommt so nat\u00fcrlich besesr durch.<\/p>\n<p>Spa\u00df macht das alles naturgem\u00e4\u00df keinen. Mal schleicht die Zeit, weil es nicht vorw\u00e4rts geht, weil man einfach darauf wartet, dass ein Schiff kommt, dass es irgendwie voran geht. Nicht langweilig, aber z\u00e4h. Weil es z\u00e4h ist, am Strand zu stehen und den Gezeiten zuzusehen und hinter einem die Deutschen zu wissen.<\/p>\n<p>Es lohnt sich sehr diesen Film zu sehen. Wie von Nolan gewohnt, cineastisch gro\u00dfartig umgesetzt. Oft trist, weil die Welt eben trist war. Trist ist. Weil ein Strandabschnitt, an dem man \u00e4ngstlich auf den Feind wartet kein Urlaubsparadies ist.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt, dieser Strand und der Gedanke, was unsereins heute an solchen Str\u00e4nden macht, und was damals dort war&#8230; Das spontane Gef\u00fchl, wenn man am Anfang des Filmes den endlosen Strand und das Meer sieht, direkt gefolgt von der Erkenntnis, dass das gerade nicht das &#8222;ich will ans Meer&#8220;-Meer ist. Genau gar nicht.<\/p>\n<p>Wird deutlich, dass ich den Film mag? Gut.<\/p>\n<p>Klare Ansehempfehlung: 9 von 10 Punkte.<\/p>\n<p>Nachsatz:<\/p>\n<p>Der Film vergegenw\u00e4rtigt einem ziemlich intensiv, wie es hier vor 80 Jahren war.<br \/>\nUnd wenn man dar\u00fcber nachdenkt, sollte man darauf kommen, wie gro\u00dfartig es ist, dass wir hier seit Ende des zweiten Weltkriegs zumindest in &#8222;Kerneuropa&#8220; keinen Krieg mehr hatten. Wie verdammt gut es uns geht.<br \/>\nNehmt dieses Gef\u00fchl aus diesem Film mit.<\/p>\n<p>Niemand von uns kann wohl wirklich nachvollziehen, wie es im Krieg ist.<br \/>\nNiemand von uns war damals dabei. Und nur sehr wenige von uns waren in der Gegenwart in einem Kriegsgebiet.<\/p>\n<p>Und es ist an sich ziemlich gro\u00dfartig, dass wir das alles nur aus der weiten Ferne und\/oder der Vergangenheit kennen, aber das hilft denen, die es nicht nur nachvollziehen sondern erleben m\u00fcssen und mussten leider auch nicht.<\/p>\n<p>Es gibt in Dunkirk eine Szene, in der die Englischen Soldaten Franz\u00f6sischen Soldaten sehr ruppig klar machen, dass sie nicht mit aufs Schiff kommen.<\/p>\n<p>Nur Engl\u00e4nder.<\/p>\n<p>Und dieser Moment reicht eigentlich aus, um fiese zu stolpern und sich zu fragen, was da jetzt bitte schief l\u00e4uft. Reicht aus, um zu merken, wie bescheuert das ist.<br \/>\nWie absurd, dass da Engl\u00e4nder und Franzosen eigentlich zusammen (!) gegen die Nazis k\u00e4mpfen, aber eben nebenher immer noch &#8222;wir&#8220; und &#8222;die&#8220; sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr mehr &#8222;wir&#8220; und viel weniger &#8222;die&#8220;.<br \/>\nNie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg.<\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Grundidee ist klar? Juni 1940, die Engl\u00e4nder die zur Unterst\u00fctzung der Franzosen gegen die Deutschen auf den Kontinent geeilt waren, sind von den Nazis gejagt und in D\u00fcnkirchen (auf Englisch eben fancy &#8222;Dunkirk&#8220;) eingekesselt worden. 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