{"id":1493,"date":"2015-03-09T16:26:33","date_gmt":"2015-03-09T14:26:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/?p=1493"},"modified":"2015-03-09T16:35:05","modified_gmt":"2015-03-09T14:35:05","slug":"life-thru-a-lens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2015\/03\/09\/life-thru-a-lens\/","title":{"rendered":"Life thru a Lens"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Weil ich immer mal wieder \u00fcber Beitr\u00e4ge wie <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/imgegenteil.de\/blog\/leben-ohne-instagram-filter\/');\" title=\"Leben ohne Instagram-Filter\"  href=\"http:\/\/imgegenteil.de\/blog\/leben-ohne-instagram-filter\/\" target=\"_blank\">diesen hier<\/a> stolpere.<br \/>\nWeil ich dann regelm\u00e4\u00dfig das Gef\u00fchl habe, dass die Attit\u00fcde gegen\u00fcber diesem ganzen Internet-Social-Media-Dingsda so v\u00f6llig falsch ist, dachte ich mir, dass wenn ich schon ein Blog habe\u2026 dass ich das ja auch mal nutzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Das klassische U-Bahn-Beispiel<\/strong><\/p>\n<p><em>In der U-Bahn starren alle auf Ihr Smartphones.<\/em><\/p>\n<p>Gern gelesener &#8222;Vorwurf&#8220;, ist ja auch wahr. Nat\u00fcrlich, alle nicken zustimmend. Starren ja schlie\u00dflich auch alle auf Ihr Smartphone. Keine soziale Interaktion mit den anderen, keiner liest mehr Zeitung oder gar ein Buch. Schlimmschlimm.<\/p>\n<p>Nun bin ich alt genug, mich noch daran erinnern zu d\u00fcrfen, was man damals<sup>TM<\/sup> so gemacht hat. Damals, vor Smartphones, sogar vor Gameboys.<\/p>\n<p>Man sa\u00df halt so herum. Der eine oder andere hatte einen Walkman-Kopfh\u00f6rer auf den Ohren. Heute h\u00f6rt man eben Musik aus dem Smartphone und die Kopfh\u00f6rer haben Namen.<br \/>\nUnd ich verstehe die moralisch-gesellschaftliche Relevanz hier wahrscheinlich einfach nicht, aber f\u00fcr mich ist das quasi dasselbe &#8211; nur praktischer.<br \/>\nDer andere oder die Eine las in irgendwas aus Papier. Nun kann man von mir aus noch kritisieren, dass Zeitungen und B\u00fccher damals viel h\u00f6herwertiger waren, als das was unsereins heute so zu lesen bekommt. Aber ehrlich gesagt war die Presse damals auch nur selten so gut, wie einige es sich heute w\u00fcnschen. Es fehlten einfach Alternativen.<\/p>\n<p><em>Hat hier jemand \u201eAlternativlos\u201c gemurmelt? <\/em><\/p>\n<p>Und ja, ich lese weniger B\u00fccher als fr\u00fcher. Aber wenn ich in der U-Bahn B\u00fccher lese starre ich (hier bitte je nach Position die Stirn runzeln) auf mein Smartphone.<br \/>\nE-Books und so.<\/p>\n<p>Und ganz <em>ganz<\/em> <strong><em>ganz<\/em><\/strong> unter uns: In den 80ern haben wildfremde Leute \u2013 wenigstens in Hamburg \u2013 auch eher sehr selten angefangen sich zu unterhalten, weil sie in der U-Bahn zuf\u00e4llig nebeneinander sitzen durften.<\/p>\n<p><strong>Doppelleben on-\/offline<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchren wir n\u00e4mlich. Online sind wir wer, offline eher weniger. Oder so.<br \/>\nWir teilen hier \u2013 also hier online \u2013 Dinge, die eigentlich keine Sau interessieren. <em>Fotos von unserem Essen<\/em> zum Beispiel. <em>Selfies mit irgendwie gestelltem Inhalt<\/em>, und \u00fcberhaupt vor allem das, was den <em>Eindruck erweckt<\/em>, dass unser Leben aus <em>H\u00f6hepunkten<\/em> besteht, hei\u00dft es da.<\/p>\n<p>Wenn ich mich in meinem &#8222;Netzwerk&#8220; so umgucke, ist das mit den H\u00f6hepunkten so eine Sache.<\/p>\n<p>Am Wochenende gehen viele von uns (ja, wirklich, fast alle) zum Fu\u00dfball. Also raus, an die frische Luft. Und die, die nicht hingehen, gucken es vielleicht im Fernsehen. Und danach gehen einige \u2013 oder andere \u2013 mal Abends raus. Oder gucken halt Schlag den Raab oder den Tatort. Und sonst sitzen wir halt in unseren B\u00fcros oder Zimmern, machen, was man eben so macht, tags\u00fcber.<\/p>\n<p>Was man auch fr\u00fcher so machte.<\/p>\n<p>Und nebenher freuen wir uns dar\u00fcber, dass wir f\u00fcr 3 Minuten rausgucken k\u00f6nnen, mehr sehen k\u00f6nnen, als den Innenhof des B\u00fcrohochhauses, dass wir f\u00fcr 3 Minuten mit Bekannten, Freunden, Kontakten kl\u00f6nen k\u00f6nnen.<br \/>\n\u00dcber die kaputte Kaffeemaschine, das mistige Wetter, die nervige Telefonanlage oder das Leben als solches.<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkte? Das meiste sind wohl eher Tiefpunkte. Und das wei\u00df auch jeder von uns. <em>&#8222;Sitze mit Migr\u00e4ne am Schreibtisch, krieg nix zustande. Will auf&#8217;n Arm.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Und \u2013 das ist jetzt total \u00fcberraschend \u2013 die meisten von uns reden trotzdem noch mit ihren &#8222;offline&#8220;-Kollegen, ganz ohne dabei auf das Smartphone zu starren.<\/p>\n<p>Und jetzt wird es wirklich krass: Einige Kollegen sind auch bei Facebook und dann kommt es vor, dass wir pers\u00f6nlich \u00fcber da geteilte Links, Ansichten oder sonstwas reden. Ganz oldschool, sozusagen.<\/p>\n<p><strong>Die gro\u00dfe Illusion<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist dieses Online-Ding ja <em>alles nur eine gro\u00dfe Illusion<\/em>. Wir sehen von unserem Online-Umfeld n\u00e4mlich nur das, was sie uns mitteilen wollen. Nur die gelungenen K\u00fcchenexperimente, nur die h\u00fcbschen Fotos, nur die Erfolge.<\/p>\n<p>Erstens und \u00fcberraschenderweise ist das doch im direkten RL-Kontakt exakt wie beschrieben. Nehmen wir einfach mal &#8222;Bekannte&#8220; \u2013 die erz\u00e4hlen mir ziemlich selten, dass sie gerade gestern Genitalherpes hatten. Oder in einer schlimmen Lebenskrise sind. Eigentlich eher gar nicht.<\/p>\n<p>Gute Freunde vielleicht. Aber wie viele gute Freunde hat Mensch so zeitgleich? Zwei? Drei? Vielleicht F\u00fcnf? Und wo steht eigentlich, dass man in diesem Online keine guten Freunde kennenlernt?<\/p>\n<p>Iin meinem Umfeld erz\u00e4hlen es online dann \u00fcbrigens auch weniger gute Freunde.<br \/>\nWeil viele sich online eher trauen, weil dieses Distanz-Ding zwischen uns es einfach auch leichter macht sich zu \u00f6ffnen.<br \/>\nUnd <em>weil<\/em> das da so viele tun, ist es f\u00fcr andere auch leichter. Weil das so viele tun, ist es zudem ja auch noch so, dass man sich n\u00e4her kommt.<br \/>\nWeil man pl\u00f6tzlich die Untiefen von anderen kennt. Nicht von allen, aber von einigen. Von denen, die sich einbringen. Vertrauensvorschuss und so.<\/p>\n<p>Illusion? Ja, bestimmt, ich kriege online nur das mit, was andere mit mir teilen wollen. Aber irritierender Weise teilen ganz viele ganz viel mit mir. <em>Wollen teilen.<\/em> Und zwar nicht nur Essensfotos und &#8222;H\u00f6hepunkte&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Endloses chatten<\/strong><\/p>\n<p>Also wenn man sich nicht quasi zwei Tage, nach dem man sich online kennenlernte mindestens anruft, ist alles Mist.<br \/>\nWeil chatten zeitaufw\u00e4ndig ist. Und \u2013 siehe oben \u2013 die gro\u00dfe Illusion. Weil wir gar nicht wirklich das Gegen\u00fcber kennenlernen, sondern nur ein Zerrbild, durch einen Instagram-Filter.<\/p>\n<p>Auch hier wieder: Was man beim Chatten so alles <em>nebenher <\/em>mitbekommt. Voneinander, \u00fcbereinander. Bis sich &#8222;in Echt&#8220; so viel Vertrauen aufbaut, dauert es viel l\u00e4nger. Weil man von Anfang an viel mehr zu verlieren hat. Jemanden in meinem Chatnetzwerk, den ich lose kenne, kann ich evtl. durch komische Gedanken oder Gef\u00fchle abschrecken, tjanun. Hat nicht gepasst. Aber das eingeschr\u00e4nkte &#8222;echte\u201c Umfeld? Hui. Wenn die weg sind\u2026 naja. Der Aufwand, da drau\u00dfen \u00fcberhaupt so nah an jemanden ranzukommen, dass man ihm mal was intimeres als die Lieblingsfarbe verr\u00e4t ist einfach so unfassbar viel gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Und das Bl\u00f6de ist doch: Genau deshalb entwickeln sich online so viele und so gute Freundschaften.<br \/>\nWeil ich nach zwei Wochen Dinge wei\u00df, die ich bei Kontakten von &#8222;drau\u00dfen&#8220; nach zwei Jahren das erste Mal vage und durch die Blume erfahre.<br \/>\nWeil man sich zum Teil nach zwei Wochen vertraut, und dieses Vertrauen rechtfertigt. Und weil sowas eben auch sehr wichtig f\u00fcr eine Freundschaft sein kann. Nochmal:\u00a0 Vertrauensvorschuss und so.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df gar nicht, wie viele (sehr viele) Leute ich inzwischen &#8222;im echten Leben&#8220; kennengelernt habe, die ich vorher &#8222;nur&#8220; \u00fcber diverse Online-Netzwerke kannte. Aber die F\u00e4lle, wo diese Menschen wirklich gro\u00dfartig anders waren, als meine Erwartung an sie, die kann ich an einer Hand abz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das gro\u00dfe Missverst\u00e4ndnis<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie wertvollen Momente, an die wir uns sp\u00e4ter erinnern. Die Augenblicke, auf die es ankommt, finden nun mal statt, wenn Menschen sich begegnen. Das sind die Dinge von Bestand.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ja, klar. &#8222;Augenblicke, wenn Menschen sich begegnen&#8220;.<\/p>\n<p>Aber man sollte sich einfach mal davon l\u00f6sen, den Begriff \u201eBegegnen\u201c immer nur physisch zu denken.<br \/>\nIch kann Menschen begegnen, weil ich mit ihnen chatte, mit ihnen telefoniere, weil wir uns treffen, ob nun in einer Kneipe, beim Fu\u00dfball oder in einem Chatroom. Begegnen ist doch eigentlich nichts weiter, als Gef\u00fchle austauschen. Wie auch immer das dann konkret abl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Keinen Monat her hatte ein Twitter-Freund seinen f\u00fcnfzigsten Geburtstag. Und eine gemeinsame Freundin <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/storify.com\/elbblick\/50shadesofhonk');\" title=\"#50shadesOfHonk zusammengefasst\"  href=\"https:\/\/storify.com\/elbblick\/50shadesofhonk\" target=\"_blank\">hatte eine Idee<\/a>, die am Ende ziemlich vielen Menschen nicht nur verdammt viel Spa\u00df gemacht hatte, sondern auch dazu f\u00fchrte dass die Deutsche Krebshilfe sich \u00fcber eine ganze Reihe von Privatspenden freuen konnte.<\/p>\n<p>Und ja, ich behaupte einfach mal, dass das f\u00fcr viele der Beteiligten ein &#8222;<em>Augenblick auf den es ankommt<\/em>&#8220; war. Online.<br \/>\nOhne sich in die Augen zu sehen. Ohne dass sich alle pers\u00f6nlich kennen. Einfach, weil es was gemeinsames war. Was emotionales.<\/p>\n<p>Nebenan sp\u00fclt es gerade <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/eine-geschichte-wie-sie-nur-das-internet-zu-schreiben-vermag-dancingman\/%20');\" title=\"Die Sache mit dem DancingMan\"  href=\"http:\/\/www.kraftfuttermischwerk.de\/blogg\/eine-geschichte-wie-sie-nur-das-internet-zu-schreiben-vermag-dancingman\/%20\" target=\"_blank\">den DancingMan<\/a> durch das Internet. Auch so ein &#8222;<em>Augenblick auf den es ankommt<\/em>&#8222;, den es ohne all das hier gar nicht gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>Das gro\u00dfe Missverst\u00e4ndnis ist f\u00fcr mich ein ganz anderes:<\/strong><\/p>\n<p>Die Annahme, dass es keine \u00dcberschneidungen gibt.<\/p>\n<p>Dass Online und Offline getrennt voneinander existieren und die beiden Ebenen nichts miteinander zu tun haben.<\/p>\n<p>Dass sich alle immer und \u00fcberall verstellen, solang sie es k\u00f6nnen.<br \/>\nDass sie das nicht k\u00f6nnen, wenn sie einem Gegen\u00fcber sitzen.<br \/>\nUnd dass deshalb &#8222;sich gegen\u00fcber sitzen&#8220; wahrhaftiger w\u00e4re.<\/p>\n<p><em>\u201eMan sagt ja, man soll sich einfach nur vorstellen, einem l\u00e4uft die Liebe seines Lebens \u00fcber den Weg, aber man nimmt sich nicht wahr, weil man mit konzentriertem Blick auf sein Smartphone schaut. Kein Bild symbolisiert die Gelegenheiten, die wir verpassen, besser.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Stimmt. H\u00e4tte ich stattdessen mit konzentriertem Blick auf einen Roman von Dostojewski geschaut, w\u00e4re das nat\u00fcrlich viel besser.<\/p>\n<p>Es gibt wirklich mehr als genug Beispiele. Genug Menschen denen die Liebe ihres Lebens online \u00fcber den Weg lief. Bei Twitterfacebooksonstwo.<\/p>\n<p><strong><em>Man stelle sich vor, einem l\u00e4uft im Internet die Liebe seines Lebens \u00fcber den Weg, und man l\u00e4uft an ihr vorbei, weil es ja \u201enur online\u201c war. <\/em><\/strong><\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil ich immer mal wieder \u00fcber Beitr\u00e4ge wie diesen hier stolpere. 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