{"id":1445,"date":"2014-02-23T23:55:18","date_gmt":"2014-02-23T21:55:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/?p=1445"},"modified":"2014-02-23T23:55:18","modified_gmt":"2014-02-23T21:55:18","slug":"gastbeitrag-auswartsfahrt-in-die-heimatstadt-fcspsgd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2014\/02\/23\/gastbeitrag-auswartsfahrt-in-die-heimatstadt-fcspsgd\/","title":{"rendered":"Gastbeitrag: Ausw\u00e4rtsfahrt in die Heimatstadt &#8211; FCSP:SGD"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p><em>Das hatte ich auch noch nie. Eine befreundete Twitterin fragt mich, ob sie mein Blog als Plattform nutzen k\u00f6nne um \u00fcber das Dresden-Spiel zu schreiben, weil sie selbst kein Fu\u00dfballblog hat.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Konkreter: Die <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/twitter.com\/mandymatz');\" title=\"Twitterprofil von Mandy\"  href=\"https:\/\/twitter.com\/mandymatz\" target=\"_blank\">Mandy Matz<\/a> vom <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/buchblogumdieecke.wordpress.com');\" title=\"Buchblog um die Ecke\"  href=\"http:\/\/buchblogumdieecke.wordpress.com\" target=\"_blank\">Buchblog um die Ecke<\/a> war in Dresden dabei und hat sich etwas aufgeregt. So wie sich das liest zurecht. Aber lest selber:\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Ich wurde vor 25 Jahren in Riesa geboren. Seit beinahe sieben Jahren wohne und studiere ich in Leipzig. Trotzdem sehe ich Dresden als meine Heimatstadt an. Hier habe ich den gr\u00f6\u00dften Teil meines Lebens verbracht, hier bin ich aufgewachsen. Mein erstes Fu\u00dfballspiel war ein Dynamo-Spiel. Mit meinem Opa. Ich glaube, gegen Hertha, auch wenn ich nicht wei\u00df, ob die beiden Vereine \u00fcberhaupt jemals in einer Liga gespielt haben.<\/p>\n<p>Die fussballinteressierten Mitglieder meiner Familie sind nicht unbedingt Dynamo-Fans, aber sie fiebern mit. Es sind eben Dresdener. Ich selbst bin mittlerweile seit ca. f\u00fcnf Jahren St. Pauli-Fan, letzten Mai war ich bei meinem ersten Spiel. In Hamburg. Bei der Verabschiedung von Ebbers und Bruns. F\u00fcnf Tore. Ich habe die ganze Zeit geheult. Es folgten drei weitere Spiele: FSV Frankfurt, Aue und eben heute Dynamo Dresden. Jedes Spiel war auf seine Art aufregend und emotional f\u00fcr mich, aber Frankfurt und Aue konnten nat\u00fcrlich nicht mit der Aufgeregtheit und Emotionalit\u00e4t bei Dynamo schon im Voraus mithalten.<\/p>\n<p>Und dann waren wir da. Zu viert. Drei M\u00e4nner und ich. Ein bisschen sp\u00e4t, deshalb gab&#8217;s nur einen Platz auf der Treppe. Ein Stehplatz auf einer so steilen Treppe vermittelt einem \u00fcbrigens ein gutes Gef\u00fchl f\u00fcr r\u00f6mische Arenen. Die Stimmung war von Anfang an gut: spannungsgeladen und laut.<\/p>\n<p>Als jedoch kurz nach dem Anpfiff ein St. Pauli-Fan den Dresdener Pot\u00e9 \u201eNiggerschwein\u201c nannte, dachte ich kurz, ich stehe im falschen Block. Von den \u00fcblichen Provokationen und Schm\u00e4hrufen von beiden Seiten abgesehen, kam es \u2013 von meinem Standpunkt aus gesehen \u2013 zu keinen gr\u00f6\u00dferen Problemen, sieht man davon ab, dass ich \u201eSchei\u00df Dynamo!\u201c-Rufe f\u00fcr absolut unangebracht halte in einer Fankultur die Wert darauf legt, anders und kreativer zu sein.<\/p>\n<p>Am Ende wurde es dann hitziger. Die drei Minuten Nachspielzeit gingen in gegenseitigen Provokationen unter. Was einige der Dynamo-Fans unseren \u201eAlerta Alerta Antifascista\u201c-Rufen entgegensetzten, kam bei mir nicht an, doch da zwei von ihnen unter beif\u00e4lligen Rufen und Applaus unsererseits im Polizeigriff abgef\u00fchrt wurden, kann es nichts Gutes gewesen sein. Leider mischten sich unter die Antifaschismusrufe auch andere Ges\u00e4nge (\u201eK\u00fche, Schweine, Ostdeutschland\u201c), die ich so nicht h\u00f6ren will, erst recht nicht von Fans eines Vereins, der sich f\u00fcr gegenseitige Toleranz stark macht.<\/p>\n<p>Mit Polizeieskorte ging es im Shuttle-Bus gen Hauptbahnhof. \u201eSicher ist sicher\u201c, wie mir ein Polizist erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Direkt hinter dem Eingang des Hauptbahnhofs spukte ein Dynamo-Fan vor mir aus. Da bis dahin nichts passiert war, nahm ich das nicht so ernst, zeigte ihm eine lange Nase und weigerte mich stur, den Schal abzunehmen oder den Pullover zu verdecken. In der komplett gelben Bahnhofshalle begann der Spie\u00dfrutenlauf, mir wurde langsam mulmig zumute. Leider zu Recht.<\/p>\n<p>Ein weiblicher Dynamo-Fan pappte mir einen SGD-Aufkleber auf den Arm, verhinderte das sofortige Abrupfen desselben und nannte mich \u201eVotze\u201c. Beim Durchqueren der Halle nahm ich noch einige abwertende Blicke zur Kenntnis und h\u00f6rte gelegentliche \u201eZecke!\u201c-Spr\u00fcche, nichts allzu Dramatisches. Auch vor den Gleisen wimmelte es von Dynamo-Fans, alle in Erwartung der Z\u00fcge und ob des Spielausgangs entsprechend angefressen.<\/p>\n<p>Einer wollte seinen Frust offensichtlich an einer \u201eHure\u201c und \u201ebl\u00f6den Schlampe\u201c auslassen \u2013 an mir. Pech f\u00fcr ihn, dass er seine durch nichts zu verzeihenden Beleidigungen direkt vor einer Gruppe Polizisten mit laufender Kamera ablie\u00df. Ein Polizist ging direkt auf ihn zu und fing an, seine Personalien aufzunehmen, ein anderer fragte mich, ob ich Anzeige erstatten wollte. Ich wollte \u2013 so viel D\u00e4mlichkeit geh\u00f6rt einfach abgestraft.<\/p>\n<p>Und ehrlich gesagt nahm ich es mir ziemlich zu Herzen. In meiner Heimatstadt spuckte man vor mir aus. Fans eines Vereins, bei dessen Spielen mein Opa vorm Fernseher mit fiebert, nannten mich \u201eSchlampe\u201c und \u201eHure\u201c. Es waren gar nicht so sehr die Taten und Worte, die mich schmerzten, sondern die Umgebung, in der es passierte, die emotionale Komponente. Kurz und gut, ich stand heulend auf dem Bahnsteig.<\/p>\n<p>Neben mir unterhielten sich zwei Dynamo-Fans \u00fcber die Dummheit des eben von mir Angezeigten, beide kamen sp\u00e4ter auf unser Gr\u00fcppchen zu. Mir graute etwas vor der n\u00e4chsten Kollision, doch was nun folgte, vers\u00fc\u00dfte mir den Nachmittag und zeigte mir, dass es auch andere Dynamo-Fans gibt.<\/p>\n<p>Die beiden legten mir eindringlich, aber freundlich ans Herz, den Schal abzunehmen und den Pullover zu verdecken. Endlich folgte ich schweren Herzens und leider immer noch heulend.<\/p>\n<p>Mehrere befreundete Dynamo-Fans gesellten sich zu den beiden und uns, sagten mir, dass alles in Ordnung sei, dass ich schon heil nach Hause k\u00e4me. Einer bewunderte im Nachhinein meinen Mut, offen im St. Pauli-Pullover durch die Bahnhofshalle gegangen zu sein. Ein kleines L\u00e4cheln schlich sich in mein Gesicht.<\/p>\n<p>Bier wurde ausgepackt, Anekdoten wurden ausgetauscht. Der, der mich mutig nannte, lobte die Hamburger f\u00fcr ihre offene Art, ihre Gastfreundschaft, die guten M\u00f6glichkeiten, um die H\u00e4user zu ziehen und zu trinken \u2013 auch in voller Fan-Tracht. Ehrlich gesagt konnte er gar nicht mehr aufh\u00f6ren, das \u201eGesindel\u201c zu loben, St. Pauli h\u00e4tte einfach die besten Fans.<\/p>\n<p>Als die Abfahrt des Zuges sich n\u00e4herte, boten sie an, dass wir doch einfach als Gruppe fahren k\u00f6nnten \u2013 so w\u00fcrde mir nichts passieren. Himmel, was war ich froh! Wer k\u00f6nnte einen besser vor aggressiven Dynamo-Fans sch\u00fctzen als andere Dynamo-Fans? Es wurde eine sehr unterhaltsame Zugfahrt, in deren Verlauf wir am Ende sogar alle begeistert \u201eAuf der Reeperbahn nachts um halb eins\u201c sangen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1447\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1447\" class=\"size-medium wp-image-1447 \" alt=\"St.Pauli-Fan Mandy und Dynamo-Fan Ronny\" src=\"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/St.-Pauli-Dynamo-490x489.jpg\" width=\"490\" height=\"489\" srcset=\"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/St.-Pauli-Dynamo-490x489.jpg 490w, https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/St.-Pauli-Dynamo-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/St.-Pauli-Dynamo-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/St.-Pauli-Dynamo.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 490px) 100vw, 490px\" \/><p id=\"caption-attachment-1447\" class=\"wp-caption-text\">St.Pauli-Fan Mandy und Dynamo-Fan Ronny<\/p><\/div>\n<p>Mein Fazit des Tages? Nicht jeder St. Pauli-Fan hat das mit der Toleranz vollkommen verinnerlicht. Nicht jeder Dynamo-Fan ist per definitionem eine rechte Bratze. Nicht jeder Polizist schaut einfach weg. Schwarze Schafe gibt es \u00fcberall. Das sind Sachen, die eigentlich klar sein sollten. Und die man dennoch nicht oft genug sagen kann.<\/p>\n<p>Ich bin gern Dresdenerin. Und ich trage meinen Totenkopf mit Stolz.<\/p>\n<p><em>Danke f\u00fcr den Beitrag.<br \/>\nIch muss ja offen zugeben, dass ich mit &#8222;Schei\u00df XYZ&#8220; eigentlich keine gr\u00f6\u00dferen Probleme habe, auch wenn es nicht gerade kreativ ist. Und dass bei uns leider auch genug Vollidioten herum rennen ist ja leider auch nichts neues. Aber es ist immer wieder wichtig das auch zu thematisieren. Zumal auch andere aus meinem Umfeld sich schon im Stadion dar\u00fcber begeisterten, was f\u00fcr Vollhonks mit ihnen im Block standen.\u00a0<\/em><\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das hatte ich auch noch nie. 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