{"id":1402,"date":"2013-06-23T14:11:40","date_gmt":"2013-06-23T12:11:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/?p=1402"},"modified":"2013-06-23T14:11:40","modified_gmt":"2013-06-23T12:11:40","slug":"neuland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2013\/06\/23\/neuland\/","title":{"rendered":"Neuland?"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p><strong>Bei <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/www.apptalk.de\/kolumnen\/neuland-die-entdecker-der-digitalen-welt-5622006\/');\"  href=\"http:\/\/www.apptalk.de\/kolumnen\/neuland-die-entdecker-der-digitalen-welt-5622006\/\" target=\"_blank\">Apptalk<\/a> schreiben sie dar\u00fcber, dass Angela Merkels \u201eNeuland\u201c-Ausspruch vielleicht gar nicht so falsch war. Dass sie richtig liegt:<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<em>Angela Merkel hat das Internet \u201cNeuland\u201d genannt und f\u00fcr eine Welle der Emp\u00f6rung gesorgt. Ganz Twitter revoltierte, erhob die F\u00e4uste, bei Facebook schimpfte man \u00fcber die offenbar zur\u00fcckgebliebene Kanzlerin. Dabei liegt sie eigentlich gar nicht so falsch.<\/em>\u201c<\/p>\n<p><strong>Liegt sie aber. <\/strong><\/p>\n<p>Das Internet ist &#8211; je nachdem, wie man es z\u00e4hlen w\u00fcrde &#8211; \u00e4lter als 30. Ich auch. Das WWW benutzen &#8222;wir&#8220; hier seit knapp 20 Jahren, mal mehr, mal weniger intensiv. Fr\u00fcher waren wir im Usenet und im IRC, heute eher bei Facebook und Twitter. Irgendwann mal mit einer &#8222;Homepage&#8220; bei Geocities, sp\u00e4ter bei woanders und noch sp\u00e4ter dann auf eigenem Webspace.<\/p>\n<p>Wir waren bei MySpace und StudiVZ und sind da schon lange wieder weg. Wir haben &#8222;Baustelle&#8220;-Gifs gesehen, und &#8222;Best viewed with Netscape 2.5&#8220;.<\/p>\n<p>Wir haben mit Freunden und Fremden diskutiert, und uns auseinandergesetzt.<\/p>\n<p>Wir haben irgendwann gestaunt, dass wir gerade mitten in der Nacht mit jemandem in Australien dar\u00fcber reden, wer in Amerika gerade in ein Hochhaus geflogen ist. Wir haben Leuten am Kiosk erkl\u00e4rt, warum die AOL-CD die sie gerade in der Hand halten nicht der beste Weg ist &#8222;dieses Internet&#8220; zu besuchen.<\/p>\n<p>Als ich hier einzog, war das so etwas wie meine Studentenbude zwischen anderen Studentenbuden. Neue Stadt, neue Leute. Damals, da war das hier vielleicht noch Neuland. F\u00fcr mich war es das. Spannend und irgendwie unheimlich und un\u00fcbersichtlich.<br \/>\nUnd ich hatte keine Ahnung, ob und wie lange ich hierbleiben wollte. Und vielen anderen ging es genau so.<\/p>\n<p>Jetzt wohne ich immer noch hier. Wir wohnen immer noch hier. Das ist mein \u201eZuhause\u201c. Und das \u201eZuhause\u201c von vielen anderen. Oder Teil meines Zuhauses. Oder Teil von mir. Denn ich schreibe hier rein. Gedanken. Ideen. Frust. Freude.<br \/>\nWo andere Tageb\u00fccher schreiben, twittern, facebooken, bloggen wir.<\/p>\n<p>Na klar, hier &#8222;wohnen&#8220; noch nicht alle, die auch in Deutschland leben. Vielleicht 10%, wahrscheinlich viel weniger. Aber angeblich 75% von 80 Millionen fahren hier wenigstens durch. Einige nur kurz und selten. Viele Aber h\u00e4ufiger. T\u00e4glich.<\/p>\n<p>Sie kommen hierher, um ihre Bank zu besuchen, mit Freunden in Kontakt zu bleiben, einzukaufen. Sie suchen sich hier ihren Urlaub zusammen und hoffen auf Theater oder Fu\u00dfballtickets.<\/p>\n<p><strong>Wenn das Internet eine Innenstadt hat, ist es ziemlich voll da.<\/strong><\/p>\n<p>Das Internet ist in Deutschland sowas wie eine Gro\u00dfstadt mit jetzt schon Millionen Einwohnern. Einwohnern, die wirklich hier leben. Die viele (aber \u2013 genau wie \u201edrau\u00dfen\u201c &#8211; nie alle) Ecken kennen, die wissen, wo der Bus h\u00e4lt, und wissen, welcher Busfahrer sie auch zwischen den Haltepunkten raus l\u00e4sst. Die wissen, wo man wie bezahlt, und welcher Wirt in welcher Kneipe nie auf 50er rausgeben kann. Die wissen, wo es \u201eihr\u201c Bier gibt, und wem man besser nicht seine Kreditkarteninfos gibt. Die Pl\u00e4tze haben, wo sie sich mit ihren Freunden treffen, Pl\u00e4tze, wo sie mit Kunden hingehen, Pl\u00e4tze, die sie lieber allein besuchen.<\/p>\n<p><strong>In dieser Gro\u00dfstadt gelten dieselben Rechte und Pflichten wie \u00fcberall sonst. So wie in Hamburg \u00fcberwiegend dieselben Regeln gelten wie in M\u00fcnchen oder K\u00f6ln.<\/strong><\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen hier nicht einfach jemanden von einer Br\u00fccke werfen oder ihm sein Portemonnaie aus der Tasche ziehen.<\/p>\n<p>Im Umland wohnen andere Leute. Mal n\u00e4her dran, vielleicht in Vororten mit mehr gr\u00fcn, wo die Kinder noch zum Spielen vor die t\u00fcr gehen k\u00f6nnen. Viele von den Vorortbewohnern pendeln eigentlich. Wohnen dort, arbeiten hier. Und je nach Lust und Laune gucken sie am Abend noch mal l\u00e4nger hier rein.<\/p>\n<p>Und wieder andere wohnen weiter weg. Auf dem Land, am Meer, irgendwo &#8222;da drau\u00dfen&#8220;.<\/p>\n<p>Und wie das so ist, ziehen die jungen Leute eher in die Stadt. Hier gibt es Arbeit, Unterhaltung und Informationen. Hier gibt es Gleichgesinnte und andere, an denen man sich reiben kann.<\/p>\n<p>Vielleicht wohnt Angela Merkel eher weiter drau\u00dfen, wahrscheinlich will sie aber vor allem, dass wir glauben, dass die meisten irgendwo drau\u00dfen wohnen. In der \u201eSo war es und so wird es bleiben\u201c-Idylle.<\/p>\n<p>Und na klar, die wollen auch nie in die Stadt, wenn sie so bleibt, wie sie ist. Denn die Stadt ist schmutzig und un\u00fcbersichtlich. Hier ist es viel zu voll und man kann dazwischen stehen und ist einsam. Hier l\u00e4uft einem jeden Moment jemand quer \u00fcber den Weg, den man noch nie gesehen hat, und den man nie wieder sehen wird. Hier gr\u00fc\u00dfen einen nicht alle. Hier gibt es 15 B\u00e4cker von 3 Firmen in 5 Minuten Laufweite, und keiner sagt einem, zu welchem man gehen soll. Hier gibt es 200 Apotheken und die Apotheker kennen nicht mal den Namen meines Hausarztes. Und wenn man dann doch vom Land in die Stadt kommt, vielleicht weil man eingeladen wurde, oder weil einem jemand was zeigen wollte\u2026. Vielleicht weil man hier ins Theater gehen will, Big Night out, dann ist es unheimlich hier. Neu. Unbekannt. Und vielleicht ist es aufregend und eigentlich total spannend, aber bestimmt ist es auch ziemlich gut, dass man danach wieder nach Hause kommt, wo man jeden Stein kennt.<\/p>\n<p><strong>Aber die Stadt ist kein Neuland genausowenig wie das Internet Neuland ist.<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht ist die Stadt \u201eAnderland\u201c weil es nicht so ist, wie man es da drau\u00dfen kennt. Weil man anderen Menschen und Gebr\u00e4uchen begegnet, weil alles irgendwie anders ist, als es von zuhause bekannt ist.<\/p>\n<p>Ich war gerade in M\u00fcnchen.<br \/>\nAls Hamburger. Der im Vorort lebt und in Hamburg aufgewachsen ist.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen ist ziemlich anders. Wenn ich aus dem Bahnhof komme, stehe ich irgendwo, wo ich noch nie war. Alles ist anders. Die Leute sprechen komisch. Menschen in Dirndln oder Lederhosen kommen mir entgegen und wollen weder zum Fasching noch zur &#8222;Oktoberfest&#8220;-Party. Das Bier gibt es in absurd gro\u00dfen Gl\u00e4sern, und schmeckt daher schnell abgestanden. Die Kellnerin guckt beim Alsterwasser bestellen doof und irgendwann lerne ich, dass ich einen \u201eRu\u00df&#8217;\u201c will.<br \/>\nDie Wurst ist blass hier und schmeckt seltsam und \u00fcberall stehen Brezeln auf den Tischen, nur nehmen darf man sich keine, bzw. man muss sie bezahlen. Im Bahnhof bekomme ich nicht ein Franzbr\u00f6tchen, nur Starbucks ist hier genauso wie zuhause.<\/p>\n<p>Aber M\u00fcnchen ist kein Neuland. Die M\u00fcnchner kennen das alles. F\u00fcr die ist das alles normal. Ich bin neu hier. Nicht die Stadt.<\/p>\n<p>Und wenn ich will, kann ich mich daran gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p>H\u00e4tte Frau Merkel gesagt, es sei Neuland f\u00fcr sie, h\u00e4tte keiner was gesagt. Oder fast keiner.<br \/>\nAber so?<\/p>\n<p>\u201eDas Internet ist Neuland\u201c. Damit provoziert sie zu Recht Widerspruch.<\/p>\n<p>Und genau so wenig wie das Internet Neuland ist, ist die \u201eWelt da drau\u00dfen\u201c nicht Neuland.<\/p>\n<p>Dr\u00fcben bei Apptalk; \u201e<em>Das Internet ist kein absolutes Neuland, aber es ist auch kein \u2013 wie suggeriert \u2013 komplett erobertes und in allen Winkeln strukturiertes Gebiet.<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Nur: Das hat ja auch niemand behauptet. Und das ist es nirgends. Dazu m\u00fcsste man nur mal vor die physische T\u00fcr gehen. Alles erobert, strukturiert, bekannt?<\/p>\n<p>Statisch und unver\u00e4nderlich? In Hamburg bauen sie gerade die Hafencity neu. Alles neu und anders. Neuland?<\/p>\n<p>Halb Ostdeutschland wurde gef\u00fchlt in den letzten 20 Jahren neu-, um- oder abgebaut. Alles Neuland?<\/p>\n<p>Wir haben alle 4 Jahre eine mehr oder weniger neue Regierung mit neuen Ideen. Neuen Gesichtern. Neuland?<\/p>\n<p><strong>Dann bin ich auch Neuland f\u00fcr mich. Jeden Tag. Immer wieder.\u00a0<\/strong><\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Apptalk schreiben sie dar\u00fcber, dass Angela Merkels \u201eNeuland\u201c-Ausspruch vielleicht gar nicht so falsch war. Dass sie richtig liegt: \u201eAngela Merkel hat das Internet \u201cNeuland\u201d genannt und f\u00fcr eine Welle der Emp\u00f6rung gesorgt. 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