{"id":1261,"date":"2011-03-22T10:40:58","date_gmt":"2011-03-22T08:40:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/?p=1261"},"modified":"2011-03-22T10:51:03","modified_gmt":"2011-03-22T08:51:03","slug":"wir-sind-st-pauli-nur-was-sind-wir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2011\/03\/22\/wir-sind-st-pauli-nur-was-sind-wir\/","title":{"rendered":"Wir sind St. Pauli! Nur was sind wir?"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<blockquote><p>St. Pauli ist eine der innovativsten Fanszenen der Welt. Der einzigartige Ruf des Vereines und seiner Anh\u00e4nger ist in den 80er und 90er Jahren aus dem Nichts geschaffen worden und von der Fanszene begr\u00fcndet worden. St. Pauli war damals Vorreiter und Vorbild vieler neuer Entwicklungen in Deutschland und in der Welt. Und heute? Wie ist eigentlich der Stand?<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Kritik an einzelnen Verhaltensweisen in konstruktive Ideen umwandeln, Begeisterung schaffen, Diskussionen zu f\u00fchren, dies sind die Ziele. Wie ist der Status Quo? Wo wollen wir hin? Was ist Toleranz? Was ist die Grundlinie?<\/p><\/blockquote>\n<p>Fragt <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/www.magischerfc.de\/wordpress\/?p=5545');\"  href=\"http:\/\/www.magischerfc.de\/wordpress\/?p=5545\" target=\"_blank\">Norbert vom<\/a> <a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/www.magischerfc.de\/wordpress\/?p=5545');\"  href=\"http:\/\/www.magischerfc.de\/wordpress\/?p=5545\" target=\"_blank\">Magischer FC Blog<\/a>.<\/p>\n<p>Und wir (\u201cSt. Pauli-Blogger\u201d) sind aufgerufen zu antworten. Dass die damit verbundene Aufgabe, der gew\u00fcnschte Text nicht unbedingt \u201cmal so eben\u201d zu schreiben ist, war mir irgendwie von Anfang an klar. Aber dass es mich ungef\u00e4hr 5 Seiten Experimente und Verwerfen bedeuten w\u00fcrde, bevor ich irgendwas mich halbwegs zufriedenstellendes haben w\u00fcrde, war mir nicht bewu\u00dft.<\/p>\n<p>Also los:<\/p>\n<p><strong>Wer sind wir?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind politische Fu\u00dfballfans.<\/p>\n<p>Nach ungef\u00e4hr drei Tagen immer-mal-wieder-dar\u00fcber-nachdenken ist das fast die einzige Aussage, die ich irgendwie unterschreiben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Gerne auch deutlich:<\/p>\n<p><strong>Wir sind politische Fu\u00dfballfans. <\/strong><\/p>\n<p>Wir sind so unglaublich verschieden. Ultras und Oldtras. Sitzplatzinhaber und Stehplatzfans. Dauer-Singsang vs. Spielbezogen.<br \/>\nAber wir sind politisch. Nicht im Sinne einer gemeinsamen Meinung zu Einzelthemen. Eher in dem Sinne, sich selbst als Element politischer Prozesse zu begreifen. Artikulation von Meinung, die \u00fcber ein \u201cSchei\u00df Schiri\u201d hinaus geht. Akzeptanz, dass auch andere Themen, auch im Stadion, ihren Platz haben sollten und d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Ich glaube tats\u00e4chlich, dass dies der eigentliche gro\u00dfe Gleichmacher bei uns ist. Wir sind politisch. Und je h\u00e4ufiger ich das schreibe, desto eher f\u00fchlt\u00a0 sich das richtig an, richtig im Sinne der Beschreibung des \u201cwir\u201d.<\/p>\n<p><strong>Wie ist eigentlich der Stand? Was ist der Status Quo?<\/strong><\/p>\n<p>Abseits dieser einen Gemeinsamkeit gibt es keinen \u201cStand\u201d. Irgendwie.<\/p>\n<p>Es gibt viele St\u00e4nde. (Herr Kalau in meinem Kopf schl\u00e4gt vor, den Fanr\u00e4ume-Stand zu erw\u00e4hnen, die Selbstbeherrschung nebenan schafft es immerhin, dies in Klammern und au\u00dfer Kontext zu setzen). Es gibt die Ultras, die ihren eigenen Stand haben, ihr eigenes Sein. Es gibt die Haupttrib\u00fchnen-Logen-Sitzer. Es gibt die Nordkurvler. Und in den Gruppen um oder bei 22.000 verschiedene St\u00e4nde.<\/p>\n<p><strong>Und wo stehe ich? <\/strong><\/p>\n<p>Es gibt so viele Themen. So viele Diskussionen. Susis Stangentanz. Business-Seats. Werbung im Mittelkreis. Dauer-Lala. Sportliche \u201cKrise\u201d. Abstiegsangst. Aussperrungen. Kernkraft. Gewalt im und ums Stadion. Wahlen in Sachsen-Anhalt. Trainerwechsel bei gef\u00fchlt der halben Bundesliga. Saisonplanungen f\u00fcr 2011\/12.<\/p>\n<p>Und irgendwie \u2013 bei aller Begeisterung \u00fcber ein gepflegtes sich-Aufregen zu vielen dieser Themen \u2013 sich-Aufregen \u00fcber viele unsinnige Aussagen &#8211; irgendwie ist das toll. Irgendwie zeigt das ziemlich genau, was diesen Verein zu meinem Verein macht. Die Integration der Au\u00dfenwelt ins Stadion. Oder des Stadions in die Au\u00dfenwelt. Das Verschmelzen gesellschaftlicher und politischer Themen mit Fu\u00dfball. Neben dem Spiel immer auch die ernsten, die wirklich wichtigen Themen. Aber neben dem Ernst des Lebens auch immer des Ballspiel und die kindliche Freude \u00fcber ein Tor. Eben noch gr\u00fcbelnd dar\u00fcber diskutiert, was man sich jetzt energiepolitisch w\u00fcnscht, und pl\u00f6tzlich der Mannschaft beim Einlauf zujubelnd. Und ich hab keine Ahnung, wie es anderswo ist, aber ich wei\u00df, dass es hier gut ist.<\/p>\n<p><strong>Wo wollen wir hin? <\/strong><\/p>\n<p><a onclick=\"javascript:pageTracker._trackPageview('\/outgoing\/www.ring2.de\/');\"  href=\"http:\/\/www.ring2.de\/\" target=\"_blank\">Erik<\/a> hat mich\u00a0 neulich vor der Domsch\u00e4nke, mit Bezugnahme auf mein <a href=\"http:\/\/www.curi0us.net\/blog\/2011\/03\/11\/warum-bist-du-bei-st-pauli\/\" target=\"_blank\">letztes Posting<\/a>, zu mehr Eindeutigkeit aufgefordert.<\/p>\n<blockquote><p>Hab doch mal den Mut dazu zu stehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ohne Aber. Kein sowohl als auch, sondern ein So.<\/p>\n<p>Aber f\u00fcr mich gibt es kein Eindeutig. Nahezu nie. Das finde ich nicht schlimm, eigentlich mag ich das sogar an mir. Und eigentlich mag ich das vor allem am FC St. Pauli. Es gibt nur sehr wenig eindeutiges. Antirassismus ist eindeutig. Das ist prima. Alles andere ist nicht wei\u00df oder schwarz, sondern grau. Mal dunkler, mal heller. Und f\u00fcr jeden ist das grau anders. Mit Gr\u00fcn- oder Rot-T\u00f6nen. Lila oder Pink. Ganz selten bestimmt sogar schwarz-gelb.<\/p>\n<p>Und genau das will ich.<\/p>\n<p>Ich will Menschen um mich herum, die ihre eigene und begr\u00fcndete Meinung haben. Dabei muss das meistens nicht meine Meinung sein, auch wenn die nat\u00fcrlich die richtige w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ich will mich reiben k\u00f6nnen, an anderen. Andere Standpunkte werten den eigenen auf. Helfen, ihn zu entwickeln. Zu ver\u00e4ndern. Zu optimieren.<\/p>\n<p>Ich will Menschen um mich herum, die das Spiel lieben. Die die Mannschaft anfeuern, die mit dem Herzen dabei sind.<\/p>\n<p>Ich will Menschen um mich herum, die Ihren Kopf nicht irgendwo abgeben m\u00fcssen, um ne gute Zeit zu haben. Menschen, die Ihren Kopf bestenfalls <em>brauchen<\/em>, um eine gute Zeit zu haben.<\/p>\n<p>Ich will Menschen um mich herum, denen der sportliche Erfolg nicht \u00fcber alles geht. Die auch anfeuern, wenn\u2019s auf dem Platz schei\u00dfe l\u00e4uft. Die nicht beim ersten Abstieg woanders hin gehen.<\/p>\n<p>Ich will kuschliges, famili\u00e4res Stadionerlebnis mit 60.000 (Steh-)Pl\u00e4tzen. ich will SMS-Ticker-Aktionen und hinterher den Jolly Rouge.<\/p>\n<p>Ich will Fu\u00dfball und Politik in einem Gespr\u00e4ch unterbringen k\u00f6nnen. Ich will parallel panisch aufs Spielfeld gucken und zugleich gebannt einem Gespr\u00e4ch \u00fcber Einwanderungspolitik lauschen.<\/p>\n<p>Das will ich. Da will ich hin. Und dabei ist mir (fast) egal, welche Meinung diese Menschen haben.<\/p>\n<p>Ich will keine Eindeutigkeit. Keine Gleichschaltung.<\/p>\n<p>Ich will ja &#8211; aber. Will sowohl als auch.<\/p>\n<p><strong>Ich will, dass alles so bleibt, und sich ver\u00e4ndert. <\/strong><\/p>\n<p>Ich will, dass es besser ist und anders wird.<\/p>\n<p>Eindeutig genug, Erik?<\/p>\n\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St. Pauli ist eine der innovativsten Fanszenen der Welt. Der einzigartige Ruf des Vereines und seiner Anh\u00e4nger ist in den 80er und 90er Jahren aus dem Nichts geschaffen worden und von der Fanszene begr\u00fcndet worden. 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