Transfergerüchte

Das ist nicht mehr mein Pauli.

Mal ab vom fünften Tabellenplatz bin ich auch sonst gerade ziemlich begeistert vom FC St. Pauli. Ich meine, hey! Da werden die Verträge mit Rothenbach oder Schulz offenbar in Ruhe verlängert. Da werden Gespräche mit Spielern geführt die man halten möchte. Ohne, dass es in der Öffentlichkeit zu großem Medienchaos kommt. Klar, Filip Trojan hat schonmal darauf hingewiesen, dass er gerne in der Bundesliga spielen würde, aber… Man versucht ihn zu halten, ohne große Sprüche oder medial auf den Tisch hauen. Hierbei übrigens auch Respekt vor den Spielern, die sich da offenbar ja auch zurückhalten bzw keine Notwendigkeit sehen, groß mit der Presse zu spielen.

Guckt man mal zum Club im Volkspark sieht man, wie sowas auch laufen kann. Bastian Reinhardt überlegt, im Winter wechseln zu wollen und macht das Publik. Beiersdorfer reagiert öffentlich unwirsch und prompt steht man groß in der Mopo. Achso und Olic will/soll/kann zu Juve/Bayern/Liverpool wechseln. Oder bei den Bayern. Prinz Poldi (sagtmal.. das klingt schon irgendwie, wie ein Intimpiercing, oder?) will im Prinzip seit er dort ist, wieder weg. Aber man lässt ihn nicht. Jedenfalls steht das dann so in der Zeitung. Und beim FC Köln glaubt man jede Halbserie, dass er JETZT bestimmt zurück kommt. Für 8-15 Millionen.

Ich war wirklich lange nichtmehr so zufrieden mit meinem Club. Primär weil es sportlich läuft und wirtschaftlich so wirkt, als sei gerade mal alles in ruhigen Bahnen. Aber eben auch, weil man offenbar seit dem Aufstieg die Außendarstellung halbwegs im Griff hat.

Das ist nicht mehr mein Pauli. Positiv gemeint.

You never know what you’ve got…

Ein Teil dessen, was Fußball so emotional macht ist sicherlich das stetige Nebeneinander von Gewinn und Verlust. Von Besitz und Hinterher trauern. In 90 Minuten die volle Bandbreite der (Fußball-)Emotionen erleben, gute wie schlechte.

Und das geht so: FC St. Pauli gegen TuS Koblenz.
Nach 10 Minuten geht St. Pauli mit 1:0 in Führung. Klingt erstmal gut, ist aber für den alten St. Pauli-Fan gleichzeitig ein Warnsignal. So Spiele sind fast nie entspannt, weil die eigene Mannschaft es leider quasi nie schafft, dadurch Sicherheit zu gewinnen und das Spiel mal kontrolliert durchzuspielen. Trotzdem: Freude, 3 Punkte.

Nach 40 Minuten dann auch wie zu erwarten das 1:1, ausgerechnet durch Vata, über den vorher noch eifrig gelästert wurde. Der fällt wenn man ihn anguckt… aber Tore schießt er offenbar trotzdem. Frust. Wir haben gerade gefühlt 2 Punkte verloren.

Übrigens schießt er dann auch “gleich” – also ne halbe Stunde später – das 2:1 für Koblenz. Zuhause, 2:1 Rückstand und die Mannschaft spielt.. nun sagen wir mal optimierungsfähig. Großer Frust. Kein Punkt und das in einem Heimspiel.

Der Kommentar im AFM-Radio ist auch eher negativ, was das Spiel angeht, wenn auch chronisch optimistisch. Nagut, ich ja auch. Also warten auf den Ausgleich. Ich glaube ja meist doch bis zum Ende an mein Team.

Und irgendwie schaffen sie es dann auch. Ausgleich in der 84. Minute durch Sako, den Sako, der irgendwie immer so um 20 Minuten vor Schluß kommt, und dem gefühlt fast nie was gelingt. Gut, neulich den Elfmeter rausgeholt, aber sonst? Hatte der vorher schon Mal für uns in der 2. Liga getroffen? Ich glaube nicht. Jubel. Verhalten, trotz dem einen Punkt der grade wieder uns gehört. Irgendwie bin ich ja mit dem Wunsch nach 3 Punkten in den Spieltag gegangen. Ich meine. Hallo? Heimspiel? Und wer ist Koblenz überhaupt? Gefühlt das Mönchengladbach der zweiten Liga.

Als Eger dann in der 91. Minute das 3:2 für uns macht, fällt alles durcheinander. Die Herren im AFM-Radio drehen völlig durch, ich falle nur fast um, weil der Weg aus dem Schneidersitz in Jubelpose etwas kompliziert ist. Egal. Jubel! Großer Jubel. 3 Punkte.

Abpfiff.

Objektiv betrachtet ein relativ normales 3:2, 3 Punkte für St. Pauli eben. Der Sieg war irgendwo erwartbar, immerhin ist St. Pauli ziemlich Heimstark und Koblenz nicht wirklich die Übermannschaft.
Subjektiv aber – dank emotionalem auf und ab ein großartiges Erlebnis. Der Sieg ist – dank des zwischenzeitlichen Rückstands so viel “mehr Wert” irgendwie.

You never know what you’ve got ’til it’s gone.

Stimmt schon. Sieg, Unentschieden, Niederlage, Unentschieden, Sieg. Nach 10 Minuten wissen, was man hat, und nach 70 Minuten wissen was man hätte haben können. Am Ende ist es dann meins. Unseres.

Das ist Fußball.

Aufstiegspanik

Es gibt Momente, da habe ich den Eindruck ich bin einer von fünf, vielleicht sieben St. Pauli-Fans, die sich wünschen dass ihr Club in der ersten Liga spielt.

Wovor habt ihr eigentlich alle Angst? Ja, klar, ein Aufstieg diese Saison wäre einigermaßen absurd. Gerade das zweite Jahr wieder in der zweiten Liga angekommen und dann weiter hoch? (Mal ab von der wohl doch sehr geringen Wahrscheinlichkeit dass dies überhaupt passiert, hey, wir sind ausnahmsweise mal vierter)

Was ich aber nicht verstehe ist diese weit verbreitete Ablehnung gegen die Vorstellung es könnte klappen. Ja, wenn sie jetzt aufsteigen ist der Kader sicherlich nicht der stärkste Aufstiegskader den je ein Zweitligist hatte. Ja, wenn sie jetzt aufsteigen ist die Chance nicht klein, dass sie im Jahr darauf wieder absteigen.

Und?

Ich glaube ehrlich nicht, dass wir in der Lage sind uns in der zweiten Liga einen erstligatauglichen Kader zusammenzustellen und mit dem dann aufzusteigen. So funktioniert das nicht. Nicht für uns. Hoffenheim kann das vielleicht in ansätzen, aber St. Pauli? Von welchem Geld? Die wirklich guten Spieler gehen doch früh genug wieder, weil sie auch ohne uns in der ersten Liga spielen könnten.
Also wird es das Risiko geben, egal wann ein Aufstieg passieren sollte, dass man nicht konkurrenzfähig genug ist, um die Klasse zu halten.

Nur – mal ehrlich: Das hätte uns nach dem Aufstieg in die zweite Liga auch passieren können. Und da wollten noch alle mit.

Ja, wir werden in der Bundesliga auf die Fresse kriegen. Sicher. Aber das ist doch kein Grund nicht da hin zu wollen? Irgendwie fällt mir dazu immer der Spruch ein “Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren”.

Und das ist es mir einfach wert. Einfach mal wieder gegen Bayern spielen, oder gegen Werder. Oder ein richtiges Derby gegen HSV I. Toll. Und wenn wir verlieren? Pech. Aber trotzdem, lieber da oben verlieren, als in Liga 2 kontinuierlich fünfter werden. Und hey, die Drittligatruppe hat im Pokal Bundesligisten besiegt (Bochum, Bremen), da wird eine verbesserte Zweitligatruppe die sich den Aufstieg erarbeitet hätte ja auch eine Chance haben.

Jetzt geht’s jedenfalls nach Freiburg. Wenn wir da gewinnen, sind wir dritter. Hallo? Cool, oder? Und wenn wir dann tatsächlich aufsteigen sollten.. Yay! Und wenn wir am Ende siebter werden? Auch Yay!

Nochmal: Wovor habt ihr eigentlich Angst? Wenn die Verantwortlichen nicht zu viel Mist bauen, sind wir schlimmstenfalls ein Jahr später wieder Zweitligist. Na und? Das ist nicht besser oder schlechter als jetzt. Aber wir wären ein Zweitligist mit einem Jahr Bundesliga zwischendurch.

Und nur zur Sicherheit: Ich werde jetzt sicherlich nicht auf die Mannschaft einprügeln, wenn sie es nicht schafft, sich da oben (meint jetzt Platz 4) zu halten. Ich erwarte keinen Aufstieg. Aber ich freu mich trotzdem drüber. Ganz einfach.