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Datenschutz

8. September 2007 · Kommentieren 

M. sucht eine Wohnung. Eigentlich sucht sie ein WG-Zimmer. Früher blätterte man die Zeitung durch, rief jemanden an, wo es irgendwie “brauchbar” klang, fuhr vorbei und guckte sich die WG an. Vielleicht lernte man sich noch kennen, jedenfalls wurde dann irgendwann eine Entscheidung gefällt.

Heute sucht M. online:

Also findet sie online eine WG die von Preis und Lage in Frage käme. Mit etwas Glück steht dort bereits der Name des Inserenten (Nennen wir Ihn L.).

Im Anschluss kann sie dann in StudiVZ gucken, wie L. ausschaut, außerdem wer mit L. so befreundet ist. Vielleicht ist L. zudem in irgendwelchen schrägen StudiVZ-Gruppen (chronische Blasenentzündung? Gibt’s sowas auch für Genitalherpes?).

2 Minuten.

Wenn M. jetzt noch Lust hat, gibt Sie den Namen noch mal in Google ein. Dank der Infos aus StudiVZ kann man mögliche Falschfunde teilweise schon ausschließen, und voila, jetzt wissen wir evtl. auch noch wo L. arbeitet, wie lang er dort beschäftigt ist und was er dort eigentlich macht.

Weitere 2 Minuten.

Mir ist bewußt, dass ich mich selber durch das Blog, durch meine
Homepage, durch *alles* was ich im Internet an Spuren hinterlasse
in die Öffentlichkeit begebe, dass jeder der danach sucht all das
was ich so von mir gebe nachlesen kann.

Ich wüßte aber zu gern, ob das den vielen ”Standard-Nutzern” auch so geht. Account bei StudiVZ ist schnell erstellt,
da alle paar Tage mal reinschauen und gut.
Keine großen Gedanken was ich dort angebe.
Keine darüber wer mich sehen könnte.
Ein bis vier Einträge in einem Forum?
Auch schnell geschrieben und sofort wieder vergessen.

Besonders spannend finde ich es dann, wen Menschen die bei StudiVZ drin stehen und ein wirklich schön gepflegtes (sprich ausführliches) Profil ihr eigen nennen auf der anderen Seite sofort laut aufschreien, wenn man sich als Marktforscher outet weil man ja so Profile erstellen würde und das ja böse wäre (weil Datenschutz und so…).

Glashaus? Steine?

Hamsterwerbung

7. September 2007 · Kommentieren 

Aehja, das Internet…

Möglicherweise merkt man mir meine Verwirrung noch an.

Jedenfalls wirbt scheinbar das Bundesfinanzministerium jetzt mit einem merkwürdigen Film dafür “raus aus der Schuldenfalle” zu kommen.

Erster Gedanke war zugegeben, dass die meinen man selbst möge raus.
Raus aus seiner persönlichen Schuldenfalle kommen.
Aber nein, es geht um die Staatsverschuldung.

Generell ja löbliches Vorhaben, aber: Wofür wird da jetzt geworben?

Was soll der geneigte Zuschauer nun tun?

Was ist der (wie wir blöden Marketingleute sagen) ”Call to Action”?

Um Image-Werbung kann es ja eigentlich gar nicht gehen damit oder?
Ist unser Bundesfinanzhamster, entschuldigung, Minister jetzt etwa weiß und haarig?

Edit sieht grad, dass Spiegel Online das Thema auch aufgegriffen hat.

Umfrageergebnisse I

7. September 2007 · Kommentieren 

Die Tagesschau hat dank der Konkurrenz Zugriff auf interessante Befragungsdaten, nach denen immer mehr Deutsche für die Onlinedurchsuchung per Bundestrojaner seien.

Das halte ich erschreckender Weise sogar für glaubhaft.

Aber immerhin mal ein gutes Beispiel dafür, warum ich gegen Basisdemokratie bin. Ich gebe ja zu, dass das Beispiel Schweiz für „Informed Consent“ Entscheidungen mich etwas in die Defensive gedrängt hat. Und ich bin auch bereit einzusehen, dass Informierte(!) Menschen in der Lage sind sich bei Entscheidungen zu denen sie sich nicht qualifiziert äußern können zurück zu halten. Und in der Schweiz funktioniert es ja offenbar auch mit der Mitteilung von Optionen und der Informationsdichte für die Teilnehmer.

Nichtsdestotrotz – in Deutschland wäre dazu zunächst einmal eine radikale Umkehr im Bildungsbetrieb nötig um überhaupt die Mehrheit der Gesellschaft Partizipationsfähig zu machen. Die Online-Durchsuchungs-Geschichte ist ja nur ein aktuelles Beispiel. Nach aktuellem Stand halte ich die Menschen in Masse hier vor Ort schlicht und ergreifend für zu uninformiert und uninteressiert um an so Abstimmungen ausreichend qualifiziert Teilzunehmen (damit habe ich zunächst einmal nicht gesagt, dass ich die derzeit abstimmenden Politiker im Umkehrschluss alle ausreichend informiert und interessiert wären). Ich gehe einfach davon aus, dass hier jeder das Bedürfnis hätte was dazu zu sagen/ seine Stimme abzugeben.

Ohne sich vorher ausreichend informiert zu haben.

Interessanterweise wundert sich übrigens Heise In dem Zusammenhang darüber, dass lediglich 18% der Menschen hier sich unsicher hinsichtlich möglicher Terroranschläge fühlen. Wenn man jetzt mal die individuelle Ereigniswahrscheinlichkeit hochrechnet von einem Terroranschlag betroffen zu werden, ist das doch eigentlich viel zu hoch, oder?

Böses Beispiel: Irgendwelche Terroristen sprengen einen willkürlich ausgewählten Bahnhof in Deutschland während der Rush-Hour, 2.800 Tote (das ist laut Wikipedia etwa die Größenordnung des Anschlags vom 11.09.2001 auf das WTC und damit vermutlich schon extrem hoch gegriffen).
Bei etwa 80.000.000 Deutschen wäre das eine generelle persönliche Wahrscheinlichkeit von 0,004% – etwa jeder 28.500. Deutsche wäre betroffen.
Zum Vergleich: 2005 gab es in Deutschland etwa 5.400 Verkehrstote (wieder Wikipedia) was fast doppelt so viel ist. Rational gesprochen müsste die Angst davor im Strassenverkehr zu sterben also etwa doppelt so groß sein.

Warum glauben eigentlich alle, dass wir jetzt herum rennen müssten und Angst vor Terroristen haben?

Bei den Zahlen da oben darf sich übrigens jeder noch einmal selbst überlegen wie das Verhältnis von Betroffenen und Einwohnern in den USA ist und wie sinnvoll die scheinbare Terror-Paranoia dort dann ist.