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Wahnsinnige Taxifahrer

11. September 2007 · Kommentieren 

Kundenpräsentationen können ziemlich anstrengend sein. Gar nicht mal weil der Kunde selbst anstrengend ist, sondern schlicht weil der Kunde weiiiiiiiiit weg sitzt und der Termin für meine Verhältnisse furchtbar früh.

Aktuelles Beispiel: 10:30 in der hessischen Provinz.
Die Anreise erfolgt also etwas äh komplexer (Taxi – ICE – Mietwagen – Termin – Mietwagen – ICE – Taxi). Ursprüngliche Zeitplanung war 05:00 aufstehen, 21:00 Zuhause sein. 2 Stunden Termin dazwischen.

Aber ich hatte es von Taxifahrern…

05:10: Es klingelt an der Tür, das Taxi, welches ich für 05:20 bestellt hatte mit dem ausdrücklichen Hinweis „Nicht klingeln, ich bin rechtzeitig draußen!“ (um die Mitbewohnerin + Hund nicht zu wecken) ist da – die Taxifahrerin hat geklingelt. Danke!

05:15: Ich bin fertig und tapse ins dunkel und nach draußen, das Taxi wartet brav, die Taxifahrerin schläft, und schrickt auf als ich die Beifahrertür öffne.

05:20: Nach einem kurzen Hüpfer über die Landstrasse sind wir auf Hamburger Stadtgebiet – hier ist durchgehend Tempo 50, also fahren wir mit kontinuierlich 80 Km/h Richtung Bahnhof. Cool ist: Wenn ich immer diese Taxifahrerin bekomme, kann ich ab sofort eine halbe Stunde länger schlafen. Uncool ist: Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Fahrt überlebe.

05:30: Wir sind jetzt in Barmbek und fahren teilweise 100 Km/h. Super, wie Autobahn.

05:45: Nach 35 Minuten sind wir am Hamburger Hauptbahnhof. Das ist sicherlich auch auf die noch leeren Strassen zurückzuführen, aber bestimmt auch auf die Durchschnittsgeschwindigkeit. Besonders begeistert war ich, als die Fahrerin kurz vor dem Ziel an einer allen Hamburgern bekannten Kreuzung falsch abbog, kurz fluchte und ohne zu gucken eine Vollbremsung hinlegte um zu drehen.

Immerhin hat die Taxifahrerin mich nicht noch parallel voll gequatscht. Ich glaube dadurch wäre ich wacher geworden und wirklich in Panik geraten.

Naja, dafür 40€ – Ne halbe Stunde Achterbahn ist teurer.

Morgens halb 9 in der U-Bahn…

10. September 2007 · Kommentieren 

Dass Kinder laut sind und verspielt sind und sich nicht wie Erwachsene hinsetzen und was lesen ist ja soweit in Ordnung bzw. eben erwartbar, sind halt Kinder.

Schön aber immer wieder die jeweiligen Betreuer bzw. ihre Versuche die anderen U-Bahn-Insassen zu quälen.
Mir fallen auf Anhieb mindestens zwei legendäre Varianten dazu ein.

Die Singstars:

„Jetzt singen wir gemeinsam ein Lied“…

In der U-Bahn.
Ja, alle anderen mussten zuhören.
Nein es war nicht schön!

Die Sitzplatzjäger:

„Fragt die Erwachsenen doch ob ihr ihren Sitzplatz bekommt, die können viel eher während der Fahrt stehen als ihr“

WTF?

Der durchschnittliche Erzieher ignoriert die ihm anvertrauten allerdings schlicht. Das ist für die Mitreisenden vielleicht weniger spektakulär aber mindestens genau so anstrengend.
Geachtet wird eigentlich nur auf Zahlen. Wenn die richtige Anzahl Kinder in der U-Bahn ist, ist alles in Ordnung.

Hat sich da eigentlich schon einmal ein Fremdkind den Spass gemacht und sich dazwischen gestellt? Ich stelle mir das etwa so vor: „21?!? Wieso 21?! Wir haben doch nur 20 Kinder?! Alle wieder raus, ich muss noch mal nachzählen!“.
Vielleicht sollte ich mal eines dafür bezahlen, dann würden die einfach bis zur nächsten U-Bahn warten und ich hätte meine Ruhe…

Das nächste mal auf die kleinen geachtet wird dann beim Aussteigen. Vorzugsweise einmal laut den ganzen Waggon zusammengebrüllt und raus geht’s. Natürlich direkt durch die anderen Mitfahrer. Zwischendurch dürfen die kleinen tun und lassen was sie wollen. Denn die Erzieher müssen ja ihre eigenen kleinen Privatgespräche führen.

Und wagt man es, den Erzieher etwas genervt anzuschauen oder gar höflich zu Fragen ob man vorbei dürfte, bekommt man in der Regel eine Antwort die einem schlicht Kinderfeindlichkeit unterstellt. Man solle sich doch nicht so anstellen (an der Stelle habe ich mich dann ernsthaft gefragt, warum „Könnten Sie mich kurz durch lassen?“ kinderfeindlich ist oder Anstelle…).

Naja, immerhin gibt es auch (leider viel zu wenige) vorbildliche Erzieher: „Kommt Kinder, jetzt überraschen wir hier alle und zeigen denen mal wie leise 26 Kinder sein können“
Was war ich begeistert. Und die Kleinen waren leise. Und ruhig. Und höflich. Es geht also offenbar. Man muss wohl nur wollen.

Pawlowsche Reflexe

9. September 2007 · Kommentieren 

Man kann sich natürlich angewidert davon zeigen, dass Menschen als solche auf alles mögliche unreflektiert reagieren, wie Suhjamel schreibt:

“Es widert mich an. Es widert mich an, dass wir – und ich nehme mich davon nicht aus – auf eine Unzahl von Reizen und Eindruecken, welche auf uns einstuermen, reagieren wie ein Rudel pawlowscher Hunde.
Kaum klingelt’s, lachen wir wie auf Befehl, sind wir schockiert, spenden wir, begehren wir.”

Das finde ich zum einen nicht ganz falsch beobachtet, allerdings finde ich eigentlich nicht, dass dies ein Grund ist sich anwidern zu lassen.Einem jedem steht ja erstmal frei, sich selbst zu beobachten und auf bestimmte Dinge eben nicht zu reagieren.Böse gesagt:
Nur weil es klingelt spende ich nicht, bin ich nicht schockiert und eigentlich lache ich auch nicht mehr auf Kommando.
Das mit dem Begehren ist dagegen so eine Sache…
Als Werbeforscher ist man dann doch zu oft damit konfrontiert wie und dass man Menschen da relativ leicht beeinflussen kann.
Gerade wenn es um den Wunsch nach Dingen, Zuständen und Gefühlen geht.

Anyway, ich glaube der Punkt den ich versuche zu machen ist etwa der:
Wer sich beeinflussen lässt, um beim Beispiel zu bleiben, wenn es klingelt, ist ja dank der Möglichkeit zur Reflektion zumindest auch selber Schuld.
Von daher denke ich angekotzt sein ist erstmal das gute Recht jedes einzelnen, aber vielmehr sollte man mal darüber nachdenken warum(!) man eigentlich gerade Betroffen ist, Spendet etc…

Das Terrorismusbedrohungsszenario wäre ja ein ähnliches Beispiel wo plötzlich alle ganz panisch werden.

Und wenn man dann mal distanziert darüber nachdenkt ist alles
gar nicht mehr sooo bedrohlich.
Die pawlowsche Klingel ist nicht mehr so dominant wie man sie eben noch wahrgenommen hat.