Power to the People

Ich muss mich mal aufregen.

Erinnert Ihr Euch noch an Fukushima?

Dieses Kawumm-Krach-Bumms-Ding da in Japan, als Frau Merkel merkte, dass Atomausstieg vielleicht dem Volke doch genehmer sei, als man so erwartete.

Ziemliches “Damals”, oder?

Genau.

Das Folgende also bitte in bester Opa erzählt vom Krieg-Stimmlage denken…

Damals, Frühjahr 2011. Irgendwo in Japan ist gerade dank Tsunamierdbebenkatastrophendings ein nicht ganz kleines Atomkraftwerk äh…“kaputt” gegangen. So mit Verstrahlung der Umgebung und so.

Ich so zu mir… “mh, Du willst doch schon ewig den Stromanbieter wechseln.. guck mal, weil wegen Dings hier! Na! Ökostrom. (hier jetzt bitte den Bernd-Stromberg-Tonfall denken) Papa muss jetzt auch mal was für die Umwelt tun

Gedacht, getan. Ökostromanbieter gegoogelt, für einen regionalen Anbieter entschieden. Im Internet Preise geguckt, gewundert, dass der sogar billiger ist als der bisherige $Dumpingpreisbilliganbieter, der bestimmt ganz viel bösen Atomstrom und ungefilterte Braunkohlekraftwerke und so.. Na, jedenfalls Webformular aufgerufen, “angemeldet”.

Nach wenigen Tagen kommt die Email mit “vielen Dank, wir freuen uns, Sie bei $Ökoanbieter begrüßen zu dürfen. Mit $Dumpingpreisbilliganbieter ist bereits alles in die Wege geleitet, so dass wir Sie aufgrund Rechtlichblablafristensülz ab 01 September beliefern werden”.

Anfang August kommt dann der Brief von $Dumpingpreisbilliganbieter, ich möge doch am 31.08 denen meinen Zählerstand mitteilen. Klar. Die wollen wissen, was Ihnen gehört, und was die neuen bekommen. Alles kein Problem. Weggelegt und geistigen Termin für Ende August gestellt.

Fin.

Hätte ich jedenfalls gedacht. Bisher war der Energieanbieterwechsel (aus Kostengründen, ja, “Papa brauchte das Geld! Ist ja nicht immer Ponyhof hier.”) immer überraschend trivial gelaufen. Lehne mich also selbstzufrieden zurück (“Der Papa ist doch ein guter Mensch… und hier. Na… Die Umwelt und so!”) und vergesse das Thema.

Irgendwann noch deutlich später dann Post von e.on-Hanse. Teuer und AKW. Also so gar nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.

“Lieber Herr Curi0us, wir freuen uns, Sie als Stromkunde bei uns begrüßen zu dürfen blablabla, bitte überweisen Sie als Abschlagszahlung $Vielgeld auf unser Konto”.

Moment. WTF?

Wie kommen die jetzt A. an meine Daten und B. warum wollen die mir Strom und C. hä?!

Erstmal bei $Ökoanbieter angerufen und dumm gefragt. Freundliche Hotline (immerhin) erklärt mir dann nach einigem Hin- und her, dass $Dumpingpreisbilliganbieter irgendwie ein Irgendwasformular nicht rechtzeitig und daher hätten sie mich also nicht zum 01.09 als Kunde und überhaupt. Und dann landet man in meiner Gegend eben automatisch bei e.on-Hanse. Yay me. Not.

Ob ich denn dann JETZT Kunde bei $Ökoanbieter werden könne? Weil wir gerade so nett plaudern?

Klar, sie trage das ein, ich würde nochmal so eine Email und dann ginge das alles. Und das sollte jetzt auch ohne Probleme gehen.

Na dann. Ein Monat E.on macht mich auch nicht ärmer. Also naja.

Ne Woche später dann die Email “blabla, leider kann e.on-Hanse das Kundenkonto nicht finden (WTF!), daher geht nicht wegen is nicht”.

Äh ja klar. Ergibt Sinn. Ich bekomm also Strom, den ich bei e.on-Hanse auch bezahle (erste Abschlagszahlung termingerecht überwiesen), aber es gibt mich da gar nicht.

Aus Gründen vertagt, “kümmer mich später drum” und erst mal vergessen. Der Strom floss und irgendwie hatte ich mich dann so auf Winter geeinigt, um mich dann doch noch mal drum zu kümmern.

Bis letzten Freitag dann die nächste Mail von $Ökostromanbieter kam. “Übersenden wir Ihnen die Zugangsdaten für unser Online-Interface. Sie haben dort Zugriff auf all Ihre Unterlagen”.

Sagte ich schon WTF?!

Absenderemailadresse und Link dreimal gecheckt (“Papa hat Angst vor so Trojaner-Emails!”), alles als korrekt identifiziert, eingeloggt.

Ja, nun. Abschlagszahlung von $genausovielgeld ab 28. Dezember. Wird von meinem Konto abgebucht. Is klar, machen wir so.

Also mal wieder die Freundliche Hotline angerufen.

Aaaalso (Luft hol):

1. Ich bin seit 1. September da Kunde. (WTF? Ich denke nicht?! Nun doch?!)

2. Die haben aber aus Gründen nicht geschafft, mir das zu sagen. (Warum ich bei dieser Geschichte dauernd an Stromberg denken muss)

3. e.on Hanse weiß aber, dass ich gar nicht bei e.on Hanse bin (hat mir aber nicht gesagt, dass ich meine Abschlagszahlungen an die falschen überweise).

4. Die Abschlagszahlungen sind so hoch, weil ich seit September nichts bezahle (ergibt sogar Sinn..)

5. e.on Hanse hat inzwischen $ganzvielGeld von mir, und $Ökostromanbieter damit nix zu tun.

6. Ach ja, sie hätten am liebsten gern den Zählerstand vom 01.09. (??) Weil ich wäre ja seit dem Kunde.

7. das Erklärt übrigens auch, warum die mich beim zweiten Versuch nicht nehmen wollten. Klar, dass mich e.on Hanse nicht kennt, ich bin ja gar nicht deren Kunde! (…)

Aaaaaalso (2. mal Luft holen):

Bei e.on angerufen und versucht die Situation zu erklären. Was nach ziemlich vielen Versuchen auch gelang (“Wie? Sie sind seit September Kunde und wollen was?” – “Nein, mein Energieanbieter hat mir nur nicht gesagt, dass ich gar nicht bei Ihnen…von Ihnen bekam ich aber auch keine Info… “ – “Also Sie wollen bei uns Kunde..?” – “NEIN! Ich.. “).

Fazit: Ich bekomme mein Geld überwiesen. Ich bin schon seit September ein guter Mensch. Kundeninformation ist die Stärke der Energieanbieter nicht.

Amok gelaufen bin ich immerhin noch nicht.

Und das bleibt auch so. Wenn ich denn im Januar noch Strom kriege. Power to me!

Ich Held

Kennt Ihr dieses Gefühl, gerade was ganz tolles gemacht zu haben?

Früher, so im Kindergarten, war das wenn man der kleinen Anna den doofen Chrischi vom Hals gehalten hat. Oder wenn man der noch kleineren Nicola gezeigt hat, wie man Lakritzschnecken durch die Nase…

Später, war das dann sowas wie die beste Freundin beim Paddeln im letzten Moment auffangen, so dass sie gerade noch nicht in die Alster plumpst. Oder dem Kumpel noch ne Karte für das Pokalspiel gegen Bayern besorgen.

Später, so richtig viel später läuft das dann etwa so:

Mama “Sag mal, kannst Du heute Abend noch vorbeikommen? Die Pumpe in $dunklertieferschacht pumpt nicht.”

meint: hier steht gleich alles unter Wasser und ich werde ertrinken und das Haus danach in die Luft fliegen

Ich “Puh, ist aber spät heute und anstrengender Tag, geht das nicht morgen?”

meint: Keine Luuuhuuust!

Mama “Hrmfslgrmpf. Aber morgen dann wirklich, soll ja übermorgen kräftig regnen”

meint: Du bist selbst schuld, wenn Du morgen nur noch meinen Leichnam aus dem Loch fischen kannst, das mal mein Haus war

Ich “Okay, ich meld mich”

meint:  Geschafft, ich hab ein schlechtes Gewissen.

Fünf Minuten Später hab ich  mich dann spontan entschlossen, doch noch zu meiner Mutter zu fahren…  Ich bin ja ein guter Sohn.

Ankommen, 5 Minuten in $dunklertieferschacht der weder dunkel noch tief ist rumgestanden, bisschen Sand raus geschaufelt, Pumpe etwas geputzt, wieder reingestellt, getestet. Alles gut.

Mama “Danke, dass Du heute doch noch gekommen bist, jetzt ist ja alles wieder heil”

meint: Mein Held!

Ich: “Hab ich doch gerne gemacht”

meint: Ich Held! HA!

Man fühlt sich echt gut, dann. Auch wenn man vorher keine Lust hatte, hin zu fahren. Richtig gut. Gerade als mit-dem-Kopf-und-der-Tastatur-Arbeiter ist so ein handwerklicher Erfolg ab und an doch ganz fein.

Dumm nur, wenn ne Woche später wieder das Telefon klingelt…

Mama “Die Pumpe ist schon wieder kaputt gewesen!”

meint: Vielleicht adoptier ich doch noch ein handwerklich begabteres Kind

Ich “Öh, Unnu? Soll ich nochmal vorbeikommen?”

meint: Dreck. Ich muss an meinem Heldenstatus arbeiten!

Mama “Nee, ich hab mit $Nachbarin gesprochen, die kennt einen Klempner. Der war vorhin hier und hat die Pumpe ausgetauscht. Jetzt funktioniert alles”

meint: vergiss, was ich von Helden gesagt habe

Ich “Ah, super, dann muss ich ja nicht mehr und jetzt ist alles gut!”

meint: D’Oh!

Kennt Ihr dieses Gefühl, gerade fast was ganz tolles gemacht zu haben?

Übrigens: Es ist Winter

Wie das so ist mit den Überraschungen.. sie kommen plötzlich.

Beruhigend, wenn man weiß, dass die Entscheidungsträger darauf dann auch direkt reagieren und die richtigen Maßnahmen Ergreifen.

Aktuelles Beispiel: Winter. Das ist was, das wir hier im Norden ja quasi gar nicht kennen. Also dieses weiße Zeug (das heißt übrigens Schnee) und das mit dem gefrorenen, glatten Wasser (’Eis’ für die Fachleute) ist ja total neu für uns.

Naja, für uns nicht, aber offenbar für einige. Für Frau Hajduk zum Beispiel.

Frau Hajduk ist von den Grünen und in Hamburg die “Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt”.

Dass es seit kurz vor Weihnachten mehr oder weniger schneit, friert, fröstelt, dass die Strassen, Wege, Flächen teilweise sauglatt sind, ist bei ihr offenbar erst vorgestern angekommen.

Anders lässt sich kaum erklären, dass jetzt schon “Sofortmaßnahmen” eingeleitet, um die gröbsten Auswirkungen dieses Winters zu bremsen. 1.000 bis 1.200 Mitarbeiter der Stadt Hamburg kümmern sich seit heute zusätzlich darum, Schnee und Eis zu beseitigen.

Seit heute.

Heute ist der 09.02. Das Jahr ist also bummelige 40 Tage alt.
Plus sowas wie 10 Tage Schnee und Eis Ende 2009.

Hey, wir hatten sogar weiße Weihnachten!

50 Tage Eisglätte, die an Frau Hajduk vorbeigegangen sind.

Ich bin gefühlte 80 Mal *fast* auf die Nase gefallen, auf dem Weg von oder zu einem der diversen U-Bahnhöfe. Die Spitalerstrasse war zwischenzeitlich spiegelglatt. So richtig. So spiegelglatt, dass ich gefühlte 10 Minuten vom Brunnen bis zum Hauptbahnhof gebraucht habe.

Übrigens war auch der Rathausmarkt, den ja unsere Regierenden hier irgendwie auch mal sehen dürften, ziemlich vereist.

Die Alster war fast so zugefroren, dass ein “offizielles” Alstereisvergnügen ermöglicht wurde. Vor anderthalb Wochen. Und jetzt werden Sofortmaßnahmen ergriffen. Danke Frau Hajduk, das ist flexibles, schnelles und angemessenes Handeln.

Kann es sein, dass man bei den Grünen zu sehr an die Klimakatastrophe glaubt? Dass vielleicht das Warten auf die Atmosphären-Erwärmung dazu führt, dass man Schnee und Eis einfach nicht mehr wahrnimmt? Wäre doch ne Möglichkeit. Wir haben eigentlich nämlich 25° hier. Treibhauseffekt. Schon seit 10 Jahren.

Hallo? Die Notaufnahmen stocken ihr Personal auf, weil so viele ausgerutschte vorbeikommen, mit gebrochenen Knöcheln, Beinen, Armen, wie sonst nicht.

Aber die Regierung wartet erstmal ab.

Nach 7 Wochen Schnee und Eis von Sofortmaßnahmen zu sprechen ist schon irgendwie zynisch, oder?

Jeder Hausbesitzer muß sich darum kümmern, dass es vor seinem Haus “begehbar” ist, jeder muß seit Wochen Schnee schippen, Eis Streuen, räumen.
Zweimal täglich.
Nur die Stadt scheint das nicht gemerkt zu haben.

Blöde gesagt ist der halbe Winter schon rum (der fing am 21.12 an und hört am 21.03 auf) und vermutlich wird es in ungefähr 2 Wochen tauen. Das hätte man auch noch aussitzen können.

Unabhängig davon ist es natürlich jedes mal wieder erstaunlich, wie “überraschend” der Wintereinbruch kommt. Dass es schneit und friert ist für viele ja jedes Jahr aufs Neue eine völlig unerwartete Tatsache.

Sieht man auch auf den Strassen, bei vielen Autofahrern.

Positiv gedacht: Die Regierung passt sich ihren Wählern an.

Negativ gedacht: Ich hoffe, jeder der auf öffentlichen Flächen ausgerutscht ist, und sich irgendwie verletzt hat, verklagt die Stadt.

Laut Radio wollte Frau Hajduk dazu übrigens nichts sagen. Wer da verantwortlich sei wird jedenfalls nicht erwähnt. Klingt für mich so, als käme ihr langsam, dass das sie bzw. ihre Behörde sein könnte.

Fröhliches Rutschen weiterhin. Heute früh wars jedenfalls nicht weniger glatt, als das ganze Jahr schon.

Und wer es immer noch nicht mitbekommen hat:
Es ist Winter.
Es könnte schneien.
Es könnte glatt sein.
Sogar in Hamburg.
Sicher ist sicher.