Schneehasenjagd in Paderborn
Hmpf. Geschrieben, liegengelassen, Veröffentlichen vergessen. Also mit etwas Verspätung noch der Spielbericht zum letzten Hinrundenspiel SC Paderborn:FC St. Pauli…
Es ist Winter. Schnee bedeckt die Landschaft wie eine zu große Packung Puderzucker, die über der Welt ausgeschüttet wurde. Schaut man auf die Strasse, wirken die fahrenden Autos fast gemütlich auf dem etwas seifigen Belag. Alles geht, aber alles geht 10% langsamer. Irgendwie schön, irgendwie entspannt. Alles, was in hellen Farben gehalten ist, wirkt unauffällig, fast unsichtbar. Ein vorweihnachtliches Winterwunderland. Selbst die Geräusche werden vom Schnee bedeckt, aufgefangen, verschluckt…
Moment.
Laut waren die St. Pauli-Fans, die es auf sich genommen hatten, den Trip nach Paderborn trotz Schneegestöber und Minusgraden zu begehen. Das war schon recht beeindruckend, was man über die Außenmikros von Sky und das AFM-Radio da zu hören bekam.
Und selbst das Spiel sah nach den üblichen 10 Minuten Systemfindung am Anfang recht okay aus. Eigentlich war es zur Pause noch eines dieser “Irgendwann fällt das Tor, dann fällt der Gegner”-Spiele. Zwar lief alles gefühlte 10% langsamer, aber das passte zur wattigen Welt drumherum. Paderborn brachte wenig zu stande und St. Pauli war.. unauffällig, aber nicht wirklich schlecht, eigentlich besser als Paderborn.
Bis zur Pause. Vielleicht hätte man nicht ausgerechnet in den Schneeweißen Trikots auflaufen sollen. Jedenfalls war die einzige Erklärung für die nichtvorhandene Passgenauigkeit unserer Helden, die, dass sie sich wohl schlicht nicht sahen. Klar. Weißer Hase St. Pauli-Spieler auf weißem Schnee, da kann man schon mal vorbeipassen. Und so wurden nach und nach aus Schneehelden Schneehasen. Irgendwie wirkten sie nach der Halbzeit plötzlich verunsichert, das Spiel verlagerte sich und Paderborn kam langsam aber sicher zu seinen Chancen und schließlich dann auch zu seinen zwei Toren. Vor allem beim zweiten hatte ich echt so ein bisschen das Gefühl, dass da die Hasen in der St. Pauli-Abwehr den blau-weißen Schlümpfen Füchsen angsterfüllt zusahen. Hm.
Der späte Anschlußtreffer war dann echt nur noch Ergebniskosmetik. Und eigentlich ist mir auch völlig egal, ob wir zu null oder zu eins verlieren. Ärgerliche, weil unnötige Niederlage. Damit in den letzten zwei Spielen der Hinrunde fünf Punkte verschenkt. Gar nicht gut. Aber irgendwo war das abzusehen. Denn immer wenn der Trainer von “Bonusspielen” sprach, spielte die Mannschaft auch so, als ginge es nur um einen Bonus.
Klar, die Hinrunde war insgesamt großartig, zweiter, etwas Abstand zum Relegationsplatz drei, unglaublich viele Tore geschossen (mehr als jeder andere in Liga 1 und 2) das ist alles schon sehr schön. Aber wenn man sich ausrechnet, was möglich gewesen wäre, mit etwas mehr Präzision und Kontrolle. Hmhm.
Wenn meine Fußballlaune sich wieder gebessert hat, gibt’s bestimmt auch noch einen positiven Halbserienrückblick. Aber bis dahin regiert hier Trübsal. Einer von sechs realistisch möglichen Punkten aus den letzten zwei Spielen ist einfach zu wenig. Schlechter Start in die Winterpause. Hmhmhm.
Advent 04/2009 – Mein Jahr in 12 Sätzen
Schöne Idee für ein Adventsposting, irgendwie. Das Jahr in 12 Sätzen aus dem eigenen Blog. Copy and Paste. Für jeden Monat einen. Drüben, bei YellowLed darüber gestolpert und gleich nachgemacht:
Januar: Ist es nicht seltsam, dass Menschen, die ja ach so Medienerfahren sind, vor jeder Kamera erklären, wovor sie eigentlich alles Angst haben um sich dann zu wundern, dass ausgerechnet sie zur Dschungelprüfung gewählt werden?
Februar: 5 Wochen nix geschrieben, jetzt seit Freitag wieder aktiv – hat mir echt gefehlt.
März: Ich hab meine Quittung und damit, wenn alles glatt geht, für die nächste Saison meine Dauerkarte Stehplatz Südkurve.
April: Nicht, dass ich es nicht gesagt hätte, hätte mich jemand gefragt, Sozialamt der Liga, Robin Hood des deutschen Fußballs – You name it: FC St. Pauli.
Mai: Komisch, wie schnell die Zeit vergeht – gerade rückblickend, irgendwie war mir, als wäre “Die Da” neulich erst gewesen – Quasi vorgestern.
Juni: Es geht um Menschen, wer das versteht ist herzlich willkommen, wer hier höhere Relevanz sucht möge bitte weitergehen: Hier gibt es nichts zu sehen.
Juli: Die, die am lautesten schreien, sind offenbar meist diejenigen, die sich am wenigsten an Ihre eigenen Dogmen halten – Schade eigentlich.
August: FÜNF ZU NULL!!!!
September: Frau Merkel stand jedenfalls vorn und erzählte irgendwas ziemlich triviales (“und dann war ich 35 und der Herr Kohl sagte zu mir”) und wir standen ziemlich weit hinten und schafften es scheinbar ganz gut mit “Alle so YEAAHH!” für Verwirrung zu sorgen.
Oktober: Das ist nicht mehr mein St. Pauli.
November: Web 2.0 ist genau das: Ist Reden, Austausch, Kommunikation – Schön, dass es das gibt.
Dezember: Danke, lieber Staat, dass ich weiß, wo ich Sonntags hingehöre. ich geh dann mal beten.
Wer mag: Mitmachen, nachmachen, bessermachen! ich freu mich.
Schönen vierten Advent!

Chronistenpflicht
Ich weiß, es ist Donnerstag und das Spiel war am Sonntag. Aber irgendwie wollte ich dazu eigentlich nix mehr sagen. Eigentlich hatte ich keine Lust, mich nochmal damit zu befassen. Naja, inzwischen ist es ja lang genug her.
Von meinen Freunden die sich dem St. Ellinger Fußballclub verbunden fühlen habe ich eine gewisse Abneigung gegen Grün-Weiß geerbt. Fürth spielt ja auch in dieser Farbwelt und von daher mußte eigentlich schief gehen.
Aber irgendwie war Fürth nicht das eigentliche Problem. Klar, sie standen halbwegs sicher, aber wenn St. Pauli auch nur annährend in normaler Form gespielt hätte, in der Koblenz-Union-Berlin-Form, hätten wir die irgendwo zwischen 3:0 und 5:1 nach Hause geschickt. Haben wir aber nicht.
Das Spiel in Kurz:
Grottenfußball, langweilig, trotzdem 1:0 kurz vor der Pause, Jubel, 2:0 nach 60 Minuten, Jubel, Gegentor, fluchen über den gebrochenen 3-Tribünen ohne Gegentor-Zauber, Konter, 3:1, Jubeln mit der Mannschaft, Abseitspfiff 2:1, die Mannschaft ist gedanklich noch weniger im Bilde als die Fans, Gegenkonter, Tor, 2:2, entgeisterte Blicke, schockierte Gesichter, Abpfiff.
Stani hat sich zurecht darüber beschwert, WIE unsere einzige Lieblingsmannschaft aufgetreten ist. Und ich bin immer noch begeistert, wie offen er auch negatives Anspricht. Wie habe ich Trainer immer gehasst, die entweder dem Schiedsrichter, dem Publikum, dem Rasen oder der Farbe des Himmels die Schuld gaben, aber nie dazu standen, dass ihr Team einfach mal scheiße gespielt hat (erinnert sich jemand noch an Frank “Der Schiri ist schuld” Pagelsdorf oder Thomas “wir haben toll gespielt und unverdient verloren” Doll?).
Abhaken, so Spiele gibt’s, und wer kann es den Spielern verdenken, nach der Beeindruckenden Rückrunde mal zu selbstsicher aufzutreten. Ich bin davon überzeugt, dass das Trainerteam ihnen den Kopf waschen wird, und dann wird das auch wieder besser. Das positive ist ja, dass sie direkt gemerkt haben sollten, dass es mit Hurrafußball und ohne System eben nicht funktioniert. Freu mich also auf das letzte Hinrundenspiel in Paderborn und bin optimistisch, dass die Rückrunde ähnlich viel Freude bereiten wird, wie die Hinrunde.
Das zum Fußball.
Ach ja.. und dann noch zu denen, die meinen, man müsste irgendwelche Menschen mit Feuerzeugen oder Bierbechern oder sonstwas bewerfen:
Geht sterben.
Ich kann mich nicht entscheiden, was mich mehr aufgeregt hat, die Vollidioten, die nach dem Spiel Richtung Spielertunnel geworfen haben, oder die Vollidioten, die das zwar doof fanden, aber es mit Sätzen wie “Stimmt, gegen Fürth geht sowas gar nicht” relativieren. Übrigens diejenigen, die sich auch immer noch für was besseres halten, alls “die”. Das geht auch nicht gegen Rostock, nichtmal, wenn die brutal rumgrätschen. Und nein, es ist auch nicht besonders Schlimm, dass Thomas Meggle am Kopf getroffen wurde, es ist genauso schlimm, wenn das größte Arschloch des Gegners getroffen wird. Und mir kann auch keiner erzählen, dass sowas ja “aus dem Impuls heraus entschuldbar ist”. Nö. Nicht. Gar nicht. Wer sich da schon nicht im Griff hat, sollte evtl. doch mal nen Therapeuten aufsuchen.
Oder was macht ihr bei den richtigen Enttäuschungen des Lebens? Schonmal die Freundin zusammengeschlagen, weil sie mit euch Schluß gemacht hat?
Nur weil es ein Fußballstadion ist, heißt das noch lange nicht, dass man alle Hemmungen fallen lassen darf, kann oder gar sollte.
Geht sterben.












